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16. Dezember 2015, 15:37 Uhr

Weihnachten

Die schönsten Bilderbücher für Kinder

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Auch ins vollste Kinderzimmer passt immer noch ein neues Buch. Aber welches? Wir haben die besten Bilderbücher der Saison zusammengestellt.

1. Weihnachten

Wie eigentlich schafft es ein einziger Weihnachtsmann, die vielen Kinder dieser Welt mit noch viel mehr Geschenken zu versorgen? Gar nicht, ist doch klar.

Dass es sich um zahlreiche Weihnachtsmänner handelt, die hart an der Geschenkeproduktion arbeiten, wurde schon in dem finnischen Klassiker "Wo der Weihnachtsmann wohnt" von Mauri Kunnas erklärt. Nicht alle Kinder finden das glaubwürdig, ihnen erscheint die Version wahrscheinlicher, dass die Geschenke von den Eltern kommen.

Für diese Ungläubigen ist das im kindlichen-Krickel-Stil mit bunter Kreide illustrierte Bilderbuch "Tausend Millionen Weihnachtsmänner" Hiroko Motai und Marika Maijala (auch eine Finnin!) gedacht. Demnach entstanden die Weihnachtsmänner durch Teilung, wodurch sie ihre Zahl verdoppelten, ihre Größe jedoch halbierten. Und nun sind sie zu klein fürs Auge, aber groß genug, um den Eltern die Wünsche der Kinder einzuflüstern.

So bleibt immerhin ein Rest Weihnachtsmagie auch für jene Kinder, die Weihnachtsmänner, die sich in Schornsteine stürzen, für Quatsch halten.

2. Freundschaft

In seinem zauberhaften Bilderbuch "Nick und der Wal" hat Benji Davies die unmögliche Liebe eines einsamen Jungen zu einem gestrandeten Wal geschildert. Auch in seinem neuen Werk "Beste Freunde" geht es um Freundschaft: Ben und Eddy sind dicke Kumpel, die gemeinsam Ritter, König, Astronaut oder Pirat spielen. Oder aus Kartons Häuser bauen.

Doch dann stößt Sam zu ihnen, und er bringt das Gleichgewicht durcheinander. Zumindest fühlt es sich für Ben so an, als sei er plötzlich das dritte Rad am Wagen, und er zieht sich zurück, zertrampelt sogar den Karton.

Sensibel erzählen Linda Sarah (Text) und Benji Davies (Illustration), wie aus Eifersucht Einsamkeit wird - und wie man aus seiner Schmollecke wieder herauskommt.

Von Freundschaft handelt auch das dynamisch illustrierte Bilderbuch "Das Zebra, das zu schnell rannte" von Jenni Desmond. Hier geht es auch um das Thema Exklusivität in Beziehungen, mehr aber noch um das Gleichgewicht von Egoismus und Rücksicht.

Elefant, Zebra und Vogel leben in der Savanne und haben dort viel Spaß miteinander. Elefant ist schlau, Vogel ist witzig und Zebra übermütig. Am liebsten rast Zebra herum. "Aufhören", sagen Elefant und Vogel, "doch Zebra hörte nicht auf". Im Gegenteil, es sucht sich lieber einen neuen Freund, die flotte Giraffe.

Bis ein Sturm aufkommt und die Not alle vier zusammenschweißt.

3. Macht

Wer das Sagen im Haus hat, beschäftigt wohl jede Familie. Die Eltern? Oder sind es doch die Kinder? Mit dem Thema Macht beschäftigen sich zwei neue Bilderbücher auf ganz unterschiedliche, aber gleich spannende und lehrreiche Weise.

Leicht anarchisch macht sich Olivier Tallec über die Gier nach Macht lustig. Dass jene, die sich als Chef aufführen, oft nur zufällig in ihre Machtposition geraten sind, zeigt Tallec in dem sehr lustigen, ein wenig cartoon-artig gezeichneten Bilderbuch "Ludwig I. - König der Schafe".

Da fliegt Ludwig, dem Schafbock, im Sturm eine Krone auf den Kopf, und das reicht für ihn schon, um sich auch als König zu fühlen. Er sucht sich ein Zepter (Zweig), einen Thron (Baum), und dann wird er allmählich größenwahnsinnig, geht auf Löwenjagd, für die er sich Löwen extra anliefern lässt, gründet eine Armee und ordnet an, "dass nur noch die schönsten Schafe in seiner Nähe leben dürfen". Bis, ja, bis eines Tages ein Windstoß die Krone davon bläst. Aus und vorbei, Ludwig ist wieder ein Schafbock.

Der geniale Zeichner Sebastian Meschenmoser zeigt im neuesten Band seiner "Herr Eichhorn"-Reihe, zu welchen Absurditäten der Glaube an Mächtige und Erlöser führt. Der Steinbock erzählt dem Eichhörnchen und seinen Freunden: "Der König des Waldes erscheint in vielerlei Gestalt. Sein Haupt ist von Laub gekrönt, und in seinem Herzen trägt er den Morgenstern".

Als Herr Eichhorn am nächsten Tag einen verstrubbelten Hund mit Zweigen im Fell und Stern am Halsband sieht, scheint für ihn die Sache klar: Das ist der Erlöser, und man muss tun, was der tut. Also fangen alle Tiere an, Löcher zu buddeln und gegen alles zu pinkeln, bis der Wald grauenvoll stinkt.

Der wahre Erlöser kommt tatsächlich irgendwann: der große Regen, der allen Irrglauben - und allen Gestank - wegspült.

4. Wissen

Immer noch erscheinen viel zu viele Kinderbücher, die Interessantes maximal uninteressant erklären, mit Sätzen wie: "Als Holz werden die harten Teile eines Baumes bezeichnet." Aha. Wissen spannend und modern zu vermitteln, ist offenbar eine große Herausforderung.

Dem Bilder-Sachbuch "Wondu und die Eiszeitriesen" von Joe Lillington liegt zum Glück eine Dramaturgie zugrunde: Der kleine Bison Wondu läuft in der Tundra los und trifft auf die großen Tiere der Eiszeit, wie Wollnashorn, Riesenfaultier oder Säbelzahntiger.

Die lebendig gezeichneten großen Bilder illustrieren die Begegnungen, ein einfacher und dennoch informativer kurzer Text erläutert Fakten, beispielsweise, dass Säbelzahntiger "ihr Maul viel weiter öffnen konnten als ein Löwe".

Ihren Sinn für skurrilen Humor bewiesen Aleksandra Mizielinska, Daniel Mizielinski schon im Wimmelbuch "50 Geschichten aus Mamoko" und mit dem Atlas "Alle Welt". Nun haben sie, gemeinsam mit Malgorzata Mycielska, vergessene, absurde oder auch weltberühmte Erfindungen in dem Buch "Das funktioniert?" zusammengestellt.

So hat sich der Physiker und Arzt Samuel Sömmerring 1809 eine Art Morsesprache aus Luftblasen ausgedacht, im Buch "Blubber-SMS" genannt, die zwar funktioniert, aber dann doch zu mühselig war, um als Kommunikationsmittel den Massenmarkt zu erobern. Auch ganz neue Entwicklungen sind aufgeführt, wie die Schallplatte aus gefrorenem destillierten Wasser, die beim Abspielen schmilzt - ausgedacht hat sich das 2012 eine schwedische Designer-Gruppe.

Lustige Texte und leicht verständliche, erläuternde Zeichnungen machen das Werk zu einem fröhlichen - und lehrreichen - Lesespaß.

5. Malen

Ausmalbücher für Erwachsene gelten erstaunlicherweise als hip, während Malen nach Zahlen keinen Anspruch auf Coolness erheben darf.

Während die Eltern also derzeit beim Nachzeichnen von komplexen Mustern meditieren oder beim Kolorieren von Gartenbildern innere Ruhe finden, gibt es für Kinder schon etwas Neues: "Hirameki. Der geniale Klecks+Kritzel-Spaß" ist die Weiterentwicklung des tiefenpsychologischen Rorschach-Kleckstests für die Spaßgesellschaft. Denn hier ist jede Seite voller Wasserfarben-Kleckse, die mit Hilfe eines feinen Filzstifts zu Figuren ergänzt werden sollen.

Das ist ein lustiger und aufschlussreicher Spaß, und zum nächsten Besuch beim Psychoanalytiker kann man das Buch deshalb auch gleich mitbringen.

Wer seine Kinder doch lieber etwas klassischer kritzeln und malen lassen möchte, für den gibt es wieder ein neues Werk der Labor Ateliergemeinschaft, die mit der "Kinder Künstler"-Reihe dankenswerterweise eine Alternative zu Lillifee-Ausmal- und Freundschaftsbüchern erfunden hat. "Voll gemütlich" ist der Titel, und der dicke Band beschäftigt sich dieses Mal mit Wohnen und Bauen.

Gleichzeitig ist es ein gelungenes, gut gelauntes Sachbuch, das erklärt, was ein Quadratmeter ist und wie man einen Seilzug zum Nachbarbalkon baut. Wofür auch immer man den braucht.

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