Geschwistergeschichten für Kinder Ich, du, wir

In Kinderbüchern spielen Brüder und Schwestern oft eine wichtige Rolle - schließlich sind sie Spielpartner und Konkurrenten zugleich. Wir stellen fünf Titel für Kinder zwischen zwei und 16 Jahren vor.
Mit Geschwistern, unter der Bettdecke und mit einer Taschenlampe zur Beleuchtung - so wird ein Buch gleich doppelt spannend

Mit Geschwistern, unter der Bettdecke und mit einer Taschenlampe zur Beleuchtung - so wird ein Buch gleich doppelt spannend

Foto: imago images/Cavan Images

Wenn ich die Statistik richtig verstanden haben, sind mehr als die Hälfte aller Kinder in Deutschland Geschwister. Und jedes ist auf eigene Weise der Familiendynamik ausgesetzt. Mal nervt die Schwester, mal beschützt sie, mal dreht sich alles nur noch um das neue Baby oder den kranken Bruder. Glücklich sind die, bei denen innige Gefühle trotz aller Irritationen überwiegen – auch als Erwachsene.

Der Zusammenhalt unter Geschwistern in Krisensituationen ist in der Kinderliteratur ein beliebtes Thema. Die Klassiker: "Hänsel und Gretel", "Das doppelte Lottchen" "Die Brüder Löwenherz". Aktueller ist Davide Morosinottos "Verloren in Eis und Schnee", eine spannende Geschichte über ein Geschwisterpaar in den Wirren des Zweiten Weltkriegs. Am anderen Ende der Skala stehen "Hanni und Nanni" mit ihren kleinen Neckereien und Abenteuern im sorglosen Internatsleben.

Die Abwesenheit von Schwestern oder Brüdern ist nur selten Thema. Ein trauriges Exemplar ist die verzogene Mary in "Der geheime Garten", sehr lustig wird es in "Franziska und die Elchbrüder", das leider nicht mehr verlegt wird. Die junge Franziska bekommt dort Besuch von fünf Elchbrüdern und freut sich, endlich nicht mehr allein zu sein. Doch die jungen Elche trampeln alles kaputt und machen Quatsch mit der Toilette. Schlimm! Nein, da ist sie dann doch froh, als die Fünf wieder weg sind und sie in Ruhe mit ihren Sachen spielen kann.

Bei den folgenden Büchern geht es um eine neue Schwester, eine frustrierte kleine Schwester, fünf Brüder in Irland, drei Schwestern ohne Eltern und einen Jungen, der als Fremder kommt und doch zur Familie gehört.

Hallo Baby, wohnst du jetzt auch hier?

Ja, ich wohne jetzt auch hier und habe dein Leben durcheinander gebracht. Sorry! So ein Baby ist wie ein Geschenk, für das man schon zu groß ist. Zuerst Freude und dann die Enttäuschung, weil man damit gar nicht so viel anfangen kann. – Oder vielleicht doch? Ein kleines Buch für große Brüder und Schwestern.

Was ist hier los? Eine Geschichte über das Bruderwerden. Julian schiebt stolz den Kinderwagen und kann beim Baden seiner neuen Schwester helfen. Aber das Leben mit ihr hat eindeutig allerhand Schattenseiten. Die Eltern sind anders, alles ist anders und so ein Baby kann ja gar nichts. Zum Glück hat Julian kluge Großeltern und Eltern, die ihn nicht vergessen und wissen, was er jetzt braucht.

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Titel: Hallo Baby, wohnst du jetzt auch hier?
Autoren: Lydia Hauenschild, Heike Herold (Illustrator)
Herausgeber: arsEdition
Seitenzahl: 18
Für 8,99 € kaufen
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Beste Lesezeit: Wenn wir uns sortieren müssen.

Empfohlenes Alter: Ab 2 Jahren.

Blödes Bild!

Wenn die Kinder über den eigenwilligen Zeichenstil hinwegsehen können (die Geschwister haben Köpfe, riesig wie Luftballons), werden sie sich wahrscheinlich sehr gut in der Geschichte wiedererkennen. Ich habe es jedenfalls. Und dann vielleicht sogar ihren Spaß an den starken Gesichtsausdrücken der beiden haben.

Johanna Adbåge scheint unterm Tisch mitgeschrieben zu haben, so echt sind die Dialoge zwischen Schwester und Bruder. Das Buch hat diversen Geschwistern, die viel jünger als ich sind, richtig gut gefallen.

Was ist hier los? Minze und Max malen einträchtig am Küchentisch. Einträchtig? Nein! Hier wird dokumentiert, was sicher auch viele Erwachsene kennen: Die Qualen des Schaffensprozesses, hier am Beispiel der kleinen Schwester. Minze weiß nicht was sie malen soll, sie weiß nicht wie, dann kippt auch noch das Wasser aus – ach! – und währenddessen malt der drei Jahre ältere Bruder seelenruhig und tausendmal besser in Ruhe weiter. Ist das ätzend! Doofes Bild, doofer Bruder! Aber nein, denn dann passiert etwas sehr Schönes. 

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Titel: Blödes Bild!
Autor: Johanna Thydell
Übersetzung: Maike Dörries
Herausgeber: Kunstmann, A
Seitenzahl: 32
Für 15,00 € kaufen
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Beste Lesezeit: Wenn es Streit gibt.

Empfohlenes Alter: Ab 3 Jahren.

Tim und der schrecklichste Bruder der Welt

He, schon wieder Eoin Colfer, denken Sie jetzt vielleicht. Ja, stimmt. Aber warum soll ich Ihnen etwas Gutes vorenthalten, nur weil ich vor einigen Monaten schon einmal ein Buch von Colfer besprochen habe? Er ist einfach gut.

Dieses Mal reisen wir zu einer sechsköpfigen Familie nach Irland. Mittendrin der Erzähler Tim, der Zweitgeborene, dem die herausragende Übersetzerin Brigitte Jakobeit eine tolle Stimme gibt. Colfers Humor und Wortkreationen hat sie wieder mit viel Fantasie ins Deutsche übertragen. Dazu noch Toni Ross' lässiger Strich – das Sahnehäubchen auf der Geschichte. Durch seine Bilder wird jedes Buch noch lustiger und klüger.

Was ist hier los? Der achtjährige Tim leidet furchtbar unter seinem älteren Bruder Marty, die drei jüngeren Brüder hängen ständig an der Mutter. Keiner interessiert sich für ihn. Zum Glück hat er einen Leuchtturmwächter-Opa, der ihn auf gewitzte Weise seine Probleme verarbeiten lässt und ihm Selbstbewusstsein gibt.

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Titel: Tim und der schrecklichste Bruder der Welt (Band 3)
Autoren: Eoin Colfer, Tony Ross (Illustrator)
Übersetzung: Brigitte Jakobeit
Herausgeber: Gulliver von Beltz & Gelberg
Seitenzahl: 93
Für 5,95 € kaufen
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Beste Lesezeit: Bei einem Becher Kakao.

Empfohlenes Alter: Ab 8 Jahren.

Als wir einmal Waisenkinder waren

Hier wird die Dynamik unter Geschwistern treffend anhand von drei Schwestern erzählt. Im Guten wie im Nervigen. Man lernt die Mädchen mit ihren Eigenarten und Rollen untereinander sehr gut kennen, bevor die Sorge um die Eltern - wofür es nicht den geringsten konkreten Hinweis gibt - sie zusammenführt. Beim Lesen dieser Geschichte habe ich den Sommer richtig gespürt und mich auch in dem Gedankenspiel wiedererkannt: Was, wenn ich ein Waisenkind wäre?

Ein gelungenes Erstlesebuch, dem man diese Absicht nicht ansieht, weil die Geschichte nicht platt daherkommt und sie durch gute Illustrationen aufgewertet wird.

Was ist hier los? Liv, die Jüngste von drei Schwestern, erzählt von einem Sommertag, an dem sich das Schwestersein anders anfühlt. An diesem Tag sind die Eltern allein wandern gegangen. Das ist zuerst ganz cool, doch dann kommen unruhige Gedanken. Was, wenn die Eltern im Moor verschwinden? Als Waisenkinder fühlt sich das Leben ganz anders an, sie müssen jetzt Geld verdienen – und zusammenhalten.

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Titel: Als wir einmal Waisenkinder waren
Autoren: Nikola Huppertz, Maja Bohn (Illustrator)
Herausgeber: TULIPAN VERLAG
Seitenzahl: 64
Für 10,00 € kaufen
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Beste Lesezeit: Nach einem heißen Sommertag.

Empfohlenes Alter: Ab 7 Jahren.

Harris und ich

Man muss nicht die gleichen Eltern haben, um sich wie Geschwister zu fühlen. Das begreift ein elfjähriger Junge, als er zu einer Pflegefamilie kommt. In freundlichem Erzählton blickt hier ein Erwachsener zurück, man spürt Wehmut und Nähe zu dem Kind, das er einst war. Der ernste Hintergrund des Aufenthalts bekommt nicht viel Raum, viel wichtiger sind die Erlebnisse an der Seite des 9-jährigen Harris. Der ist eine unkomplizierte Knalltüte, die den fremden Jungen sofort in sein Leben integriert und ihm absolut vertraut.

Schön sind die Beschreibungen vom damaligen Alltag auf einer Farm. Wer je als Städter die Verwandtschaft auf dem Bauernhof besucht hat, weiß, wie dumm sich der Junge am Anfang fühlt. Durch die Augen des Erzählers erleben wir die pragmatische Verbundenheit der Familie zu ihren Nutztieren, die für uns heute fast exotisch wirkt. In kleinen Andeutungen über die Erwachsenen ahnt man die politische Situation, die ältere Leser besser verstehen werden, durch die das Buch aber eben auch für Jugendliche lesenswert ist.

Was ist hier los? Amerika in den Fünfzigerjahren. Ein Elfjähriger wird zu Verwandten auf die Farm gebracht, weil seine Eltern sich nicht um ihn kümmern können. Die wortkarge Familie Larson nimmt das fremde Kind ohne Umschweife an, von den anderen Kindern wird er wie ein Bruder behandelt. Er muss zwar auch mitarbeiten, hat aber vor allem sehr viele lustige und gefährliche Erlebnisse mit dem Sohn der Familie und kann sich wieder geliebt und beschützt fühlen.

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Titel: Harris und ich: Von Mörderschweinen, der Kuh Vivian, Ernie dem Hahn und ...und ... und
Autor: Gary Paulsen
Übersetzung: Herbert Günther, Ulli Günther
Herausgeber: dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG
Seitenzahl: 192
Für 13,95 € kaufen
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Beste Lesezeit: An einem Sommerabend.

Empfohlenes Alter: Ab 11 Jahren.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.