Gesellschaftssatire "Kleine Herren" Bildungsroman mit Bildungsauftrag

Lernen Sie mehr über Oxford als Sie je wissen wollten: Carl von Siemens lässt die Figuren seines Romans Prüfungsordnungen erklären und die Organisation einer Eliteuni, wie in einem Reiseführer.

Carl von Siemens, Autor des Buches "Kleine Herren": Erklärungen wie in einem Reiseführer
Daniel Allen

Carl von Siemens, Autor des Buches "Kleine Herren": Erklärungen wie in einem Reiseführer

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Carl von Siemens hat ein Buch geschrieben, das eine interessante und schwierige Frage aufwirft: Wie wird man eigentlich Elite? In seinem Roman "Kleine Herren" macht er einen jungen Deutschen namens Daniel Groß-Blotekamp zum Testobjekt. Er lässt ihn das Oxford-College besuchen, mit Bomberjacke und Pomade im Haar.

Zwar hat er ein teures Internat in der Schweiz besucht, aber er macht am Anfang eigentlich alles falsch, er trägt sogar weiße Socken. Und mit weißen Socken, das machen ihm die Mitschüler schnell klar, gehört man auf keinen Fall zur Elite.

Was soll's: Daniel Groß-Blotekamp ist schließlich nach Oxford gekommen, um zu lernen. Er beginnt die richtige Kleidung zu tragen, sich an den richtigen Orten aufzuhalten, das richtige zu sagen, englisch zu werden und ein "kleiner Herr".

In manchen Momenten ist das alles sehr schön erzählt, fast schon satirisch, etwa wenn die Oberflächlichkeiten dieses Elitebegriffs durchschimmern. Und die Erkennungscodes. So steht Daniel Groß-Blotekamp am Abend seines ersten Tages in seinem Zimmer und spricht zu sich selbst: "Jetzt bin ich endlich frei und kann in alle Richtungen durchstarten und weiß gar nicht, in welche und wie. Eines aber ist klar: Morgen gehe ich Strümpfe kaufen."

Belehrend und leblos

In anderen Momenten aber tut dieser Bildungsroman so, als habe er selbst einen Bildungsauftrag. Die Figuren erklären Reiseführer-artig Fachbegriffe, unterschiedslos reden sie belehrend und leblos daher, besonders häufig trifft es natürlich Daniel Groß-Blotekamp. Einmal muss er seinem Onkel Oxfords Aufbau erklären: "'Ich wohne im College. Oxford besteht aus lauter einzelnen Colleges, in denen man lebt und lernt', fügte er hinzu als er in das fragende Gesicht seines Patenonkels sah, 'die Universität selbst ist eigentlich nur für die Abschlussprüfung zuständig. Und einige Colleges sind besser als andere!'" Ein andermal erklärt er gleich die Prüfungsordnung: "'Was bedeuten deine Prelims eigentlich?' 'Dass ich weiter studieren darf. Und am Ende gibt's dann noch die richtigen Prüfungen, die Abschlussprüfungen, finals genannt.'"

Ganz nebenbei hat Carl von Siemens so eine weitere interessante und schwierige Frage beantwortet: Was unterscheidet einen grandiosen Roman von einem ganz ordentlichen?



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