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Gestorben Martin Perscheid, 55

aus DER SPIEGEL 32/2021
Foto:

Uwe Zucchi / picture alliance / dpa

Sich durchwursteln. Das Leben meistern, in das man geworfen wurde, egal wie. Darum ging es häufig in den Cartoons von Martin Perscheid. Manchmal ertappte er seine Figuren beim Schummeln. Selbst Jesus, der nur übers Wasser spazieren kann, wenn es gefroren ist. Perscheid führte vor, wie dreist Menschen sein können, wie rücksichtslos, dumm oder auch nur unbeholfen. Doch stellte er sie nicht bloß und wurde nie moralisch. Denn die Unzulänglichkeiten der Großnasen und Dickbäuche, die er in mehr als 4000 Zeichnungen festhielt, waren selten individuell. Vielmehr zeigten sie, wie ausbaufähig das Konzept Mensch noch ist. Geboren wurde Perscheid 1966 in Wesseling bei Köln. Mit dem Zeichnen begann er als Schüler, 1994 machte er es zu seinem Beruf, im Jahr darauf erschien sein erstes Buch. 2002 wurde er mit dem Max und Moritz-Preis für die beste deutsche Comicserie ausgezeichnet. »Alle Cartoonisten kennen Perscheids Cartoons, weil Perscheid alle guten Ideen, die alle anderen deutschen Cartoonisten je gezeichnet haben, schon vor ihnen gezeichnet hatte«, schrieb sein Kollege Til Mette über ihn. Martin Perscheid starb am 31. Juli an Krebs.

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