Angst vor Eskalation Kabarettistin Lisa Eckhart von Literaturfestival ausgeladen

Lisa Eckhart sollte bei einem Hamburger Literaturwettbewerb auftreten. Doch nach Protesten hat das Festival nun die Lesung der umstrittenen Kabarettistin abgesagt - wohl aus Sorge um die "Sicherheit der Besucher und der Künstlerin".
Lisa Eckhart bei einem Auftritt im Februar 2020

Lisa Eckhart bei einem Auftritt im Februar 2020

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André Havergo/ Future Image/ imago images

Mit ihrem demnächst erscheinenden Roman "Omama" war sie für den mit 10.000 Euro dotierten "Klaus-Michael-Kühne-Preis" für das beste deutschsprachige Romandebüt des Jahres nominiert. Nun ist die österreichische Kabarettistin Lisa Eckhart, 27, vom "Harbour Front Literaturfestival" in Hamburg ausgeladen worden.

Als Kabarettistin ist Eckhart umstritten. Kritiker werfen ihr vor, rassistische und antisemitische Klischees zu bedienen. Zuletzt sorgten Zitate aus einem Auftritt für die Sendung "Mitternachtsspitzen" (WDR) für heftige Proteste.

Im Rahmen des Hamburger Wettbewerbs hätte Eckhart am 14. September im Klub "Nochtspeicher" unweit der Hafenstraße lesen sollen. So stand es noch am Dienstag auf der Homepage . Seit heute steht dort: "Leider muss diese Veranstaltung entfallen". 

Aufschluss über die Hintergründe geben interne Mails, die dem SPIEGEL vorliegen. Demnach hat sich der "Nochtspeicher" im Juli bei der Leitung des Festivals gemeldet. Man sehe sich außerstande, im Falle einer Lesung die "Sicherheit der Besucher und der Künstlerin" zu gewährleisten.

Weiter heißt es in dem Schreiben: "Es ist unseres Erachtens sinnlos, eine Veranstaltung anzusetzen, bei der klar ist, dass sie gesprengt werden wird, und sogar Sach- und Personenschäden wahrscheinlich sind. Wir haben in den letzten Tagen bereits aus der Nachbarschaft gehört, dass sich der Protest schon formiert".

Im "bekanntlich höchst linken Viertel" werde eine solche Veranstaltung nicht geduldet, auch an Polizeischutz sei nicht zu denken, weil "die Situation dann sogar noch eskalieren und gar zu Straßenscharmützeln führen" könne.

Daraufhin wandte sich die Festivalleitung an den Verlag und an das Management von Eckhart - mit der Bitte, die Künstlerin möge freiwillig "auf eine Teilnahme verzichten". Dazu waren Eckhart und ihr Verlag nicht bereit.

Bereits bevor sich der "Nochtspeicher" an die Leitung wandte, hatten sich nacheinander zwei Autoren geweigert, gemeinsam mit der umstrittenen Künstlerin im "Debütantensalon" aufzutreten.

Daraufhin habe man versucht, das Programm zu entzerren und Eckhart eine Solo-Lesung zu ermöglichen, heißt es von der Festivalleitung. Nach den Drohungen vom "schwarzen Block" sei aber auch diese Lösung hinfällig geworden.

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