"Harry Potter"-Verkaufsstart Der Sturm auf die "Deathly Hallows" hat begonnen
London/Hamburg - Fast auf den Tag genau vor zehn Jahren hatte Zauberschüler Harry Potter sein literarisches Debüt - seit 1.01 Uhr deutscher Zeit verabschiedet er sich von seinen Fans. Der siebte und letzte Band der Romanreihe von Joanne K. Rowling, "Harry Potter and the Deathly Hallows", wurde weltweit zum Verkauf an Abermillionen Fans freigegeben, nachdem in London die Uhr eine Minute nach Mitternacht geschlagen hatte.
Die weltgrößte Potter-Party wurde in der britischen Hauptstadt gefeiert: Rund 5000 Fans tanzten dem Verkaufsstart in ausgelassener Stimmung entgegen. Viele warteten stundenlang vor der Buchhandlung Waterstone's am Piccadilly Circus, um sich ein Exemplar zu sichern. Im Naturhistorischen Museum in London kamen 500 Gewinner eines Preisausschreibens in der Nacht in einen besonderen Genuss: "Harry Potter"-Autorin Joanne K. Rowling persönlich schaute dort für eine Lesung der ersten Seiten des Werks vorbei.
Sie gab noch kurz vor dem Verkaufsstart zu, regelrecht "berauscht" zu sein: "In wenigen Stunden werdet ihr wissen, was mit Harry, Ron, Hermine und dem Rest passiert", schrieb sie den Fans auf ihrer Internetseite. Sie fühle so kurz vor dem Ende eine "Mischung aus Aufregung, Nervosität und Erleichterung". Rowling hatte den Tod mindestens zweier Hauptfiguren angekündigt - was Spekulationen angeheizt hatte, Harry werde im finalen Duell mit seinem Erzfeind Lord Voldemort den Tod finden.
Jetzt, mit Erscheinen des Buchs, wird das Rätsel gelüftet. In Rowlings Worten: "Alle Geheimnisse, die ich so lange mit mir herumgetragen habe, werden auch eure sein." Gerade in den vergangenen Tagen waren immer neue Spekulationen aufgekommen, nachdem trotz massiver Sicherheitsvorkehrungen vermeintliche Teile des Buchs im Internet aufgetaucht waren. Dort kursierten auch verschiedene Versionen des angeblichen Endes - und immer neue Gerüchte, um wen oder was es sich bei den mysteriösen "Deathly Hallows" aus dem Buchtitel handelt. Im Deutschen könnte es beispielsweise "Harry Potter und die Todgeweihten", "Harry Potter und die tödlichen Heiligen", "Harry Potter und die tödlichen Reliquien" heißen.
Binnen Minuten veröffentlichten Medien dann in der Nacht, wie die Saga für Harry endet. Achtung: SPIEGEL ONLINE verrät Ihnen das Geheimnis nur, wenn Sie es wirklich wissen wollen. Klicken Sie hier, um zur Auflösung zu gelangen, wie die Nachrichtenagentur dpa sie seit 1.08 Uhr deutscher Zeit verbreitet - aber nur, wenn Sie wirklich sicher sind.
Sogar deutsche Jugendliche waren eigens nach London zur Potter-Party gereist. "Für Harry habe ich extra Englisch gelernt, damit ich die Bücher schon lesen kann, bevor es sie auf Deutsch gibt", sagte Sophia Riebesel, 16, aus Darmstadt.
Die meisten Fans am Piccadilly Circus hatten sich als Figuren der Saga verkleidet. Kaum wurden die Bücher dann verkauft, gingen viele von ihnen lesend nach Hause. "Ich werde die ganze Nacht mit dem Buch verbringen", sagte ein Mädchen.
"Bei uns ist die Hölle los"
Auch in Deutschland feierten Potter-Freunde in der Nacht das letzte Buch der Reihe. Eine der größten Partys fand in Berlin statt: Bei der Harry-Potter-Akademie des Internet-Buchhändlers Amazon für den deutschen Fanclub stimmten sich gut 100 Fans auf den Verkaufsstart ein. Ein magisches Programm verkürzte die Wartezeit; Stelzenläufer, Zauberer und Hexen traten für die Potter-Fans auf - von denen viele so bunt kostümiert waren wie die Schauspieler. Nach dem Verkaufsstart sagte Fanclub-Gründerin Saskia Preißner, als sie das Buch endlich in den Händen hielt: "Es ist so aufregend, ich will jetzt einfach nur lesen." Wie die meisten erwartet die 21-jährige Berlinerin ein gutes Ende. Dass Potter überleben wird, stand für Saskias Schwester Sarah schon vor dem Lesen fest. "Harry, Ron und Hermine überleben", sagte die 17-Jährige überzeugt. Das Ende zuerst zu lesen, kam für die meisten Berliner Fans allerdings nicht in Frage. "So etwas machen wir nicht", sagte die 17-jährige Magdalena Szesny entrüstet. "Man sollte alles mitnehmen, von der ersten Zeile an." Um endlich alles über das Schicksal ihres Helden zu erfahren, lasen viele die ersten Zeilen gleich im Stehen. Saskia Preißner: "Das schaffen wir noch heute Nacht."
Überall im Land öffneten Buchläden in der Nacht, um das Buch an ungeduldige Fans verkaufen zu können. "Bei uns ist die Hölle los", sagte Michael Lambert, Regionalverkaufsleiter bei der Handelsgruppe Valora, über den Andrang im "k Bookstore" am Frankfurter Flughafen. "Die Nachfrage ist exorbitant hoch und übertrifft deutlich unsere Erwartungen." Der noch viel größere Rummel wird mit dem Erscheinen der deutschen Ausgabe am 27. Oktober erwartet.
In Israel setzten sich Händler für Harry sogar über das Geschäftsverbot am Sabbat hinweg. Bei Amazon liegen für "Harry Potter and the Deathly Hallows" 2,2 Millionen Bestellungen vor, 47 Prozent mehr als für den vorherigen Band. Die deutsche Filiale meldete einen Vorbestellrekord und liefert nun 210.000 Exemplare des englischsprachigen Buches aus. Erwartet wird, dass nun binnen Stunden weltweit Millionen Exemplare des siebten Bandes zu den Fans finden. Von der kompletten Roman-Reihe wurden laut dem Verlag Bloomsbury bisher weltweit 325 Millionen Ausgaben in 64 Sprachen verkauft.
esp/dpa/ddp/AP