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Harry Rowohlt gestorben: Eine große Stimme ist verstummt

Foto: Arno Burgi/ picture alliance / dpa

Schauspieler und Autor Harry Rowohlt ist tot

Er war Spross der Verleger-Familie Rowohlt und ein Talent in vielen Bereichen - Autor, Übersetzer und Vortragskünstler. Bekannt wurde er aber auch als Obdachloser in der "Lindenstraße". Jetzt ist Harry Rowohlt mit 70 Jahren gestorben.

Geboren wurde er in Hamburg als Sohn des Verlegers Ernst Rowohlt - auch Harry sollte nach Willen des Vaters in den Verlag einsteigen. Tatsächlich volontierte der junge Rowohlt nach dem Abitur kurz im Verlag seines Vaters - bezeichnete diese Zeit später im Gespräch mit dem "Stern" aber als "schrecklich".

Anfang der Achtzigerjahre verkaufte Rowohlt den Verlag an die Holtzbrinck-Gruppe; er selbst arbeitete unter anderem als Werbetexter, bevor er seine Karriere als Übersetzer begann: Erste Anerkennung bekam Rowohlt mit seiner Übersetzung des Kinderbuchs "The Last Man Alive" von A.S. Neill, das als besonders schwierig zu übersetzen galt - seine Übersetzung schaffte als erstes Kinderbuch den Sprung in die SPIEGEL-Bestsellerliste. Er habe dem Bären Pu aus den Kinderbüchern von A.A. Milne durch seine Übersetzung eine "völlig neue literarische Gestalt gegeben", urteilte 1997 die "Süddeutsche Zeitung".

Aber auch als Autor machte sich der Sprachkünstler Rowohlt einen Namen: Seine "Zeit"-Kolumne "Pooh's Corner", in der Rowohlt den Kulturbetrieb bis 2009 immer wieder mit bissigen Kommentaren bedachte, hatte eine feste Fangemeinde, seine stundenlangen Lesungen, bei denen er meisterhaft zwischen Vorlesen und Geschichtenerzählen changierte, galten als legendär - Rowohlt selbst betitelte sie in der "Süddeutschen Zeitung" als "Schausaufen mit Betonung".

Das Multitalent genoss zudem unter Serienfans einen Kultstatus: Seit 1995 spielte Rowohlt den "Penner Harry" in der ARD-Dauerserie "Lindenstraße". Die Rolle erhielt er, weil er auf die Frage einer Zeitschrift nach seinem Lieblingsrestaurant vom "Akropolis" in der "Lindenstraße" sprach.

Zahlreiche Preise und Auszeichnungen sammelte Rowohlt an: Unter anderem wurde er mit dem Deutschen Hörbuchpreis und einem Sonderpreis des Deutschen Jugendliteraturpreises für sein Gesamtwerk geehrt.

2007 machte Rowohlt öffentlich, an einer unheilbaren Erkrankung des Nervensystems zu leiden. Er kündigte an, den Krankheitsverlauf mit Verzicht auf Alkohol zu verlangsamen - seine Lesungen nannte er in einem Interview jetzt "Betonung ohne Schausaufen".

Harry Rowohlt starb am Montagabend nach langer, schwerer Krankheit im Alter von 70 Jahren in Hamburg. Das bestätigte sein Agent am Dienstag. Rowohlt sei zu Hause gestorben.

eth/dpa
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