"Heidi Chronicles" US-Dramatikerin Wendy Wasserstein gestorben

Mit ihren "Heidi Chronicles" gewann sie den Pulitzer Preis und einen Tony Award: Wendy Wasserstein schrieb lange vor "Sex and the City" über Frauen zwischen Unabhängigkeit und Romantik. Im Alter von 55 Jahren ist sie nun in New York an einer Krebserkrankung gestorben.


New York - Für ihr Theaterstück "The Heidi Chronicles" (1988) gewann Wasserstein den Pulitzer Preis und - als erste Frau - einen Tony Award, die wichtigste Theater-Auszeichnung der USA. Ihre populären Dramen und Komödien handeln von einem Typ Frau, den sie lange vor TV-Serien wie "Sex and the City" und "Desperate Housewives" entwarf und auf die Bühne brachte: Wassersteins Charaktere sind selbstbewusst, intelligent und unabhängig. Sie haben gelernt, sich die gleiche Ellenbogen-Mentalität anzueignen wie ihre männlichen Konkurrenten und tarnen ihre Unsicherheiten mit Zynismus und sarkastischen Sprüchen.

Autorin Wasserstein: Humor als Ventil
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Autorin Wasserstein: Humor als Ventil

Aber bei der Suche nach Romantik und Liebe sind diese Frauen wenig erfolgreich. Die "New York Times" bezeichnete Wassersteins Heidi Holland, die erfolgreiche, aber chronisch einsame Hauptfigur in Wassersteins Erfolgs-Stück heute in einem Nachruf als Vorbild der TV-Heroine Carrie Bradshaw in "Sex and the City".

Auf "Heidi" folgten 1993 "The Sisters Rosensweig" - eine nicht mehr ganz so erfolgreiche Geschichte über drei sehr unterschiedliche Geschwister. Wassersteins letztes Stück, "Third", feierte im letzten Jahr 2005 seine Broadway-Premiere. Abgesehen von rund einem Dutzend Bühnenwerken schrieb Wasserstein drei Sachbücher und einen Roman, der aber erst im April in Handel kommen soll. In allen ihren Arbeiten konzentrierte sie sich auf Themen wie Liebe, Mutterschaft, Ehe und komplexe Geschwisterbeziehungen vor dem Hintergrund des Feminismus. Oftmals als leichtfüßig und komödiantisch belächelt, behandeln ihre Stücke der humorigen Oberfläche oftmals gesellschaftspolitisch relevante Themen.

Humor, schreibt die "New York Times", sei für Wasserstein ein notwendiges Bollwerk gegen die Enttäuschungen des Lebens gewesen, und ein nützliches Ventil für die Wut über kulturelle und soziale Ungleichheiten. Sie selbst habe über den bitteren Nachgeschmack der Errungenschaften der Frauenbewegung einmal gesagt: "Wir alle sind engagierte, intelligente, gute Frauen. Es ist nur so, dass ich mich hilflos fühle. Dabei dachte ich immer, der Punkt sei, dass wir uns nicht mehr hilflos fühlen würden. Ich dachte, der Punkt sei, dass wir alle im selben Boot sitzen".

Wasserstein hinterlässt ihre 1999 geborene Tochter Lucy Jane.



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