Heine-Preis Neue Stellungnahme von Handke

Die Diskussion um die Verleihung des renommierten Literaturpreises an den österreichischen Schriftsteller reißt nicht ab. Nun äußert sich Handke in einem Artikel in der "Süddeutschen Zeitung" zum Thema.


Hamburg - Handke räumt in seiner Stellungnahme ein, dass alle Beteiligten der Kriege im ehemaligen Jugoslawien Verbrechen begangen hätten und nannte das serbische Massaker an Muslimen 1995 in Srebenica "das schlimmste Verbrechen gegen die Menschlichkeit, das in Europa nach dem Krieg begangen wurde."

Schriftsteller Handke: "Abscheuliche Rache der serbischen Streitkräfte"
AP

Schriftsteller Handke: "Abscheuliche Rache der serbischen Streitkräfte"

Srebenica sei eine "abscheuliche Rache der serbischen Streitkräfte gewesen", so Handke weiter. Seine viel kritisierte Teilnahme an der Beerdigung des ehemaligen jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic verteidigte der Schriftsteller als Akt gegen eine Vorverurteilung und die Sprache der Medien. Loyalität zu Milosevic sei nicht das Motiv gewesen.

Die Stellungnahme Handkes in der Donnerstags-Ausgabe der "SZ" sei eine überarbeitete, veränderte und ergänzte Fassung von zwei Artikeln aus der französischen Tageszeitung "Libération", erläuterte die Redaktion. Bereits am Dienstag hatte sich der Schriftsteller in der "Frankfurter Allgemeinen" geäußert. 

Seine angeblich pro-serbische Haltung war einer der Hauptgründe, warum die Stadt Düsseldorf nach der Bekanntgabe der Verleihung des Heinrich-Heine-Preises an Handke viel Kritik einstecken musste. Daraufhin hatte sich der Stadtrat gegen die Ehrung des Österreichers ausgesprochen. Nun wird einer der höchstdotierten deutschen Literaturpreise ausgerechnet im Heine-Jubiläumsjahr wahrscheinlich nicht verliehen.

bri/dpa



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