"Herr der Ringe" Forscher hält Tolkiens Kriegsbild für naiv

Zigmillionen Leser haben den "Herrn der Ringe" als Kultbuch gefeiert, Kritiker brandmarken Autor J.R.R. Tolkien dagegen als Kriegsverherrlicher. Jetzt attestiert ein Professor dem Briten auch noch Naivität: Seine Kriegszenen stammten offenbar "direkt aus den Grabenkämpfen an der Westfront".


Hannover - Kriege und Schlachten bestimmen die "Herr der Ringe"-Trilogie, und über die Darstellungsweise der Gewaltszenen gibt es zahllose Interpretationen. Es gibt Forscher, die Tolkien ob seiner pompösen, ausufernden Schlachtbeschreibungen als Kriegsverherrlicher brandmarken. In besonders verstiegenen Theorien wird bisweilen gar der Ring, das zentrale Artefakt der vielbändigen Saga um Mittelerde, mit der Atombombe gleichgesetzt.

Autor Tolkien: Blauäugige Kriegsszenen
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Autor Tolkien: Blauäugige Kriegsszenen

Eine Tagung an der Leibniz Universität Hannover beschäftigt sich am Wochenende eingehend mit dem Thema "Gewalt, Konflikt und Krieg" in den Werken des Briten. Unter anderem diskutiert dort der Anglistikprofessor Rainer Emig. Auch er sieht Tolkien kritisch - allerdings aus einem anderen Grund.

Der Mitbegründer der modernen Fantasy-Literatur (1892-1973) sei "kein Kriegstreiber oder Kriegsverherrlicher", sagte der Anglistikprofessor Rainer Emig. Allerdings sei zu diskutieren, ob Krieg in den Werken zu blauäugig gesehen werde.

Tolkien war durch den Krieg geprägt. Im Ersten Weltkrieg, ab Sommer 1916, war er als Offizier im 11. Bataillon des Regiments der "Lancashire Fusiliers" sogar bei der blutigsten Schlacht des Ersten Weltkrieges dabei - der sogenannten Schlacht an der Somme.

"Viele Schlachten- und Zerstörungsbilder im "Herrn der Ringe" stammen offenbar direkt aus den Grabenkämpfen an der Westfront", sagt Emig. In seinen Texten vertrete er die Auffassung, dass Krieg notwendig sei und auch positive Ergebnisse mit sich bringen könne. In seinen Äußerungen außerhalb der Literatur habe der Autor sich zu dem Thema immer sehr bedeckt gehalten.

Es gebe aber auch pazifistische Alternativmodelle in J.R.R. Tolkiens Werk, betonte Emig. "Die Hobbits zum Beispiel kennen keinen Krieg, sie kommen aus einer friedliebenden Kultur." Möglicherweise hätten die Hobbits allerdings lange Zeit nur friedlich gelebt, weil sie von außen beschützt wurden. Letztendlich zögen sie dann doch in den Krieg.

Doch nicht alle Kriegsdarstellungen im "Herrn der Ringe" gehen tatsächlich auf Tolkien zurück. "Die fantastischen Welten haben sich durch ihre Medialisierung sehr weit verselbständigt", sagte Emig. Am Rande der Tagung sollten auch Online-Rollenspiele angesprochen werden, in denen für die Spieler am Computer eine kritische Distanz zu den Kämpfen und Schlachten kaum möglich sei.

Tolkiens "Herr der Ringe" betrifft dieses Phänomen besonders. Das Kultwerk ist unzählige Male medialisiert worden, wobei sich manche Medien-Adaptionen recht weit von der Buchvorlage entfernt haben. Hohe Bekanntheit erlangten die dreiteilige "Herr der Ringe"-Verfilmung des neuseeländischen Regisseurs Peter Jackson und das Online-Spiel (siehe Bildergalerien). Auch Ausstellungen über das Kultbuch laufen oft erfolgreich. Zu der bis Samstag dauernden "Herr der Ringe"-Tagung werden rund hundert Wissenschaftler aus verschiedensten Disziplinen erwartet. Auf dem Programm stehen Diskussionsthemen wie "Sprache und Gewalt - die Orks, die Ents und Tom Bombadil" oder "Gewalt und Gewaltdarstellung bei Tolkien im Vergleich mit zeitgenössischen Gewalt- und Aggressionstheorien".

ssu/dpa



insgesamt 48 Beiträge
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Michael Giertz, 25.04.2009
1. Frage
Zitat von sysopGenerationen von Lesern haben den "Herrn der Ringe" als Kultbuch gefeiert - auf einer Tagung in Hannover wird das Monumentalwerk kritischer betrachtet. Ein Professor attestiert Autor J.R.R. Tolkien Naivität: Viele Kriegszenen stammten offenbar "direkt aus den Grabenkämpfen an der Westfront". http://www.spiegel.de/kultur/literatur/0,1518,621120,00.html
Tolkien hat im ersten Weltkrieg an der Front gekämpft, es ist also natürlich, dass er einige seiner Erlebnisse bewusst oder unbewusst in seiner Geschichte mit verarbeitet hat. Wahrscheinlich ist jedoch dass es unbewusst geschehen ist, Tolkien hat sich ja gegen jede Form des Gleichnisses gewehrt und mehrfach ausgedrückt, dass der Krieg der "Freien Völker" gegen "Sauron" überhaupt nichts mit den Geschehnissen zwischen 1914 und 1945 zu tun hat. Warum wird also dem Mann erlaubt, Tolkien zu verunglimpfen?
Galaxia, 25.04.2009
2. Lotr?
Vieleicht kann man LOTR einfach LOTR sein lassen? Den Ring mit der Abombe zu vergleichen - kannte ich noch nicht ... klingt aber irgendwie nach von zu weit weggeholt. Und kann es nicht sein das Tolkien sich eher an Homer gehalten hat?
Hador, 25.04.2009
3. Ufff....
Was ein Blödsinn diese Aussagen von Herrn Emig. Seine Aussagen kann man 1:1 auf mindestens 90% aller Fantasy- oder SciFi-Romane übertragen. Diese ganzen Literaturkritiker und -professoren sollten vielleicht einfach mal verstehen das die meisten Romane eben einfach nur Romane sind. Bücher, die zur Unterhaltung der Leser geschrieben wurden und bei denen der Author nicht jedes Wort auf die literarische Goldwaage gelegt hat....
Andre232 25.04.2009
4. Naja,
...verunglimpfen ? Ein "Symposium" von 100 Wissenschaftlern tagt über Inhalte und Hintergründe eines Werkes (und dessen Autor)das man wohl zu Recht als "Mutter aller Fantasy-Literatur" (einem Zweig d. sogenannten Trivialliteratur)bezeichnen kann? Schulligung, gehts noch ? Wann findet das nächste Rosamunde Pilcher Symposium statt ? Ich bin dabei !! Die Teilnehmer verunglimpfen sich schon selbst (durch Teilnahme) genug...;) Als 14-Jähriger fand ich HdR spannend und faszinierend, mittlerweile nur noch schwülstig auch wenn das Tolkien-Universum hübsch "identifikationsträchtig" gestaltet ist. Mir fallen dazu nur noch die bekannten "Auswirkungen von Sonnenflecken auf das Liebesleben der Roten Waldameisen" ein - einfach lächerlich das Ganze....
zenobit 25.04.2009
5. ein Witz??
Was ein unsinniger und nutzloser Artikel.. Genauso unwichtig und nutzlos die Forschung.. da scheinen einige viel zu viel Zeit zu haben. Was ist denn mit Krieg der Sterne oder tausender anderer Romane.. da gibts viele Kriege und viel zu erforschen.. viel Spass!
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