Offener Brief an Hoffmann und Campe Autoren kritisieren Trennung von Verlagsleiterin

Ein neuer Geschäftsführer übernimmt beim Verlag Hoffmann und Campe, die bisherige Programmleiterin Birgit Schmitz muss offenbar gehen. Mehrere Autoren machen ihrem Verlag nun öffentlich Vorwürfe.

Birgit Schmitz kam 2017 als Verlagsleiterin zu Hoffmann und Campe
Pablo Castagnola

Birgit Schmitz kam 2017 als Verlagsleiterin zu Hoffmann und Campe


Der Buchverlag Hoffmann und Campe (HoCa) trennt sich offenbar von der bisher fürs Programm verantwortlichen Verlagsleiterin Birgit Schmitz. In einem offenen Brief werfen mehrere Autoren dem Hamburger Traditionshaus nun vor, dass Schmitz "wohl dazu gebracht wurde, den Verlag zu verlassen". Mit dem Schreiben, das das Magazin "Buchmarkt" veröffentlichte, kritisieren die Verfasser die Trennung von Schmitz scharf. "Die jüngsten Ereignisse irritieren uns und unser Verhältnis zum Hoffmann und Campe Verlag doch sehr. Der Art und Weise, wie mit Birgit Schmitz verfahren wird, möchten wir hiermit etwas entgegensetzen", heißt es darin.

Schmitz bestätigte auf Anfrage des SPIEGEL, dass sie seit Ende September freigestellt sei. Allerdings befinde sie sich noch mit dem Verlag in Verhandlungen und könne sich daher nicht näher dazu äußern. Auch Hoffmann und Campe war noch zu keiner Stellungnahme zu den Vorwürfen bereit. Der Verlag teilte lediglich mit: "Nach vorangegangenen erfolglosen Verhandlungen wurde das Arbeitsverhältnis mit Birgit Schmitz beendet. Abschließende Gespräche stehen zurzeit noch aus."

Im August hatte der Verlag in einer Pressemitteilung einen neuen Geschäftsführer angekündigt. Ab Oktober übernehme Tim Jung "die wirtschaftliche und programmatische Verantwortung für den Hoffmann und Campe Verlag", wurde darin bekanntgegeben. Die seit zwei Jahren als Verlagsleiterin tätige Birgit Schmitz sollte künftig als Programm-Zuständige an Jung berichten, hieß es damals.

Autoren wurden nicht informiert

Dem Brief zufolge war es offenbar diese Entscheidung, die zum Streit führte. Die Autoren kritisieren zudem, dass sie nicht von Verlagsseite darüber informiert wurden: "Wir wollen kein Öl ins Feuer gießen, wir können auch kaum etwas zur Klärung dieses Umstands beitragen, denn vom eingesetzten Geschäftsführer oder dem Vorsitz der Ganske-Verlagsgruppe haben wir bisher noch keine Nachricht erhalten."

"Wir alle aber sind unglücklich über diese Veränderung", heißt es weiter. Unterzeichnet wurde der Brief von mehreren Autoren - darunter der türkische Exil-Journalist Can Dündar und der österreichische Filmregisseur und Drehbuchautor Michael Haneke.

Mit dem Brief wollen die Autoren auch ihren Dank und ihre Wertschätzung ausdrücken. "Wir schätzen Birgit Schmitz als eine mutige, kluge, progressive und nicht zuletzt nahbare Verlegerin", heißt es darin. Nicht wenigen Autoren habe sie "überhaupt erst das Selbstbewusstsein gegeben, ein Buch zu veröffentlichen".

"Der Brief hat mich gestern sehr berührt", sagte Schmitz. "Ich empfinde das nicht nur als große Wertschätzung, sondern auch als Ausdruck dessen, was ich mir für den Verlag immer gewünscht habe, wenn man sieht, wer den Brief unterzeichnet hat."

Birgit Schmitz hatte die Geschäfte bei Hoffmann und Campe 2017 von Daniel Kampa übernommen, der die Position seit 2013 innehatte und HoCa verließ, um sich mit einem eigenen Verlag selbstständig zu machen. Schmitz teilte sich die Aufgabe in einer Doppelspitze mit Stefanie Folle, die den Vertrieb und den kaufmännischen Bereich übernahm.

Schmitz volontierte bei Kiepenheuer & Witsch und arbeitete dort als Lektorin. Es folgten Stationen bei dem Berlin Verlag und dem Benevento Verlag. Zudem war sie auch selbst Autorin und schrieb unter anderem den Erfahrungsbericht "Der Schmerz ist die Krankheit" über chronische Kopfschmerzen.

Fall erinnert an Rauswurf von Rowohlt-Verlegerin Laugwitz

Der Hoffmann und Campe Verlag wurde 1781 in Hamburg gegründet und in seiner Frühzeit von Heinrich Heine und Friedrich Hebbel geprägt. Heute zählen politische Sachbücher zum Schwerpunkt des Verlags. Er verlegt auch Werke internationaler Autoren wie V.S. Naipaul und Doris Lessing. Unter der neuen Leitung von Tim Jung, der zuvor die Verlage Atrium und Arche geführt hat, soll HoCa "als wichtiger Autorenverlag" weiterentwickelt werden, hieß es.

Die Trennung von Birgit Schmitz weckt Erinnerungen an das Aus von Verlegerin Barbara Laugwitz beim Rowohlt-Verlag, das die Buchbranche im vergangenen Jahr wochenlang in Atem hielt. Auch in ihrem Fall reagierten Autoren mit einem offenen Brief, nachdem der Verlag angekündigt hatte, dass der Publizist Florian Illies ab 2019 die verlegerische Geschäftsführung übernehmen werde. Laugwitz wechselte zum Ullstein Buchverlag. Lesen Sie hier ihr erstes Interview zum Abschied von Rowohlt.

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