Auszeichnung für lakonisch-hintergründigen Text Ana Marwan erhält den Bachmannpreis

Ana Marwan hat mit dem Text »Die Wechselkröte« den Ingeborg-Bachmann-Preis 2022 gewonnen. Die aus Slowenien stammende Autorin setzte sich bei dem deutschsprachigen Literaturwettbewerb gegen 13 Mitbewerber durch.
Ana Marwan: Text über Einsamkeit, die in der Pandemie alle erlebten

Ana Marwan: Text über Einsamkeit, die in der Pandemie alle erlebten

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Harald Schneider / APA / picture alliance

Das Bachmann-Preis-Wettlesen fand zum ersten Mal seit Beginn der Pandemie wieder mit Livepublikum statt – und die aus Slowenien stammende Autorin Ana Marwan konnte sich live feiern lassen. Sie hat in Klagenfurt bei den 46. Tagen der deutschsprachigen Literatur den renommierten Ingeborg-Bachmann-Preis gewonnen.

Die 1980 geborene Marwan wurde für ihren lakonisch-hintergründigen Text »Wechselkröte« ausgezeichnet (einen Mitschnitt des Vortrags gibt es hier  zu sehen). Die in der Nähe von Wien lebende Schriftstellerin setzte sich mit dem Text gegen 13 Mitbewerber durch und erhält 25.000 Euro Preisgeld.

Der Vortrag ihres Textes erhielt von der Jury die höchste Punktzahl. Er handelt von einer Frau, deren zurückgezogenes Leben mit Mann, Einfamilienhaus und Pool von einer Amphibie und einer Schwangerschaft durcheinandergebracht wird.

»Sie treibt das Deutsche vor sich her«

Es sei ein »zarter und leiser Text, der mit der Sprache einen eigenwilligen Tanz aufführt«, sagte Juror Klaus Kastberger. Und: »Die Autorin führt die deutsche Sprache, als hätte sie nie in einer anderen Sprache gelebt. Sie treibt das Deutsche vor sich her.« Der Text handle von Einsamkeit, die alle in den letzten beiden Jahren erlebt hatten.

Der Preis ist der in Klagenfurt geborenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (1926–1973) gewidmet. Voriges Jahr hatte ihn die in Iran geborene, in Deutschland aufgewachsene und in Österreich lebende Nava Ebrahimi gewonnen. Zur aktuellen Auflage war ein neues Punktesystem eingeführt worden, das die Jury-Abstimmung der vergangenen Jahre ablöste. Wie auch im Vorjahr war die Veranstaltung von großer Diversität im Teilnehmerfeld geprägt.

Im Rahmen des mehrtägigen Wettlesens wurden weitere Literaten ausgezeichnet. Leon Engler erhielt etwa für seinen Text »Liste der Dinge, die nicht so sind, wie sie sein sollten« den ist mit 7500 Euro dotierten 3Sat-Preis. Der deutsche Autor Juan S. Guse erhielt den mit 10.000 Euro dotierten Kelag-Preis. In seiner Erzählung »Druckabfall« erzählt er von einer illusionären Welt, die zur realen Welt zurückführt. Alexandru Bulucz gewann den mit 12.500 Euro dotierten Deutschlandfunkpreis für den Text »Einige Landesgrenzen weiter östlich, von hier aus gesehen«.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels wurde ein falscher Titel des Textes von Alexandru Bulucz genannt. Wir haben den Fehler korrigiert.

apr/dpa
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