Ingeborg-Bachmann- Preis Der Wettbewerb wird umgetauft

Weil die Erben von Ingeborg Bachmann dem Land Kärnten die Verwendung ihres Namens bis auf weiteres verboten haben, soll der Preis jetzt unter neuem Namen fortgeführt werden. Neue Stifter für den von Jörg Haider abgesagten Kärntner Landespreis gibt es auch schon.

Von Birgit Lutz


Ingeborg Bachmann 1965
AP

Ingeborg Bachmann 1965

Klagenfurt - "Tage der deutschsprachigen Literatur" soll der Ingeborg-Bachmann-Preis ab jetzt heißen, gaben die Stadt Klagenfurt und der ORF Kärnten als gemeinsamer Veranstalter bekannt. An dem Termin und dem Modus des nächsten Wettbewerbs ändere sich nichts: Wie geplant soll er von 28. Juni bis 2. Juli in Klagenfurt stattfinden.

Auch weiterhin will die Stadt Klagenfurt den mit 250.000 Schilling dotierten Hauptpreis stiften. Für den von Landeshauptmann Jörg Haider zurückgezogenen Preis des Landes Kärnten liegen inzwischen Angebote von privaten Stiftern und anderen Institutionen vor, hieß es in Klagenfurt.

Mit den Geschwistern der Dichterin, die dem Wettbewerb positiv gegenüberstünden, sei man weiter im Gespräch. Die Veranstalter würden in den nächsten Wochen zusammen mit den Erben nach einer Lösung suchen. In die Gespräche sollen auch die Mitglieder der Jury eingebunden werden. Ziel sei es, eine Lösung zu finden, die sowohl im Sinne der Haltung Ingeborg Bachmanns als auch der international renommierten Literaturveranstaltung ist. Für den 24. Wettbewerb liegen bereits mehrere hundert Anfragen von Autorinnen und Autoren vor.

In den vergangenen Tagen hatte es großen Aufruhr um den renommierten Literaturwettbewerb gegeben: Die Geschwister Ingeborg Bachmanns hatten aus Protest gegen Haider dem Land Kärnten bis auf weiteres die Verwendung des Namens "Ingeborg-Bachmann-Preis" verboten. Haider hatte den Wettbewerb daraufhin als "totgelaufene und sterile Veranstaltung" bezeichnet, deren Nutzen für Kärnten und Österreich den betriebenen Aufwand nicht rechtfertige, und den mit 120.000 Schilling dotierten Preis des Land Kärnten zurück gezogen.

Haider hatte außerdem angegeben, der Beschluss, die bisher zur Verfügung gestellten 120.000 Schilling in einen "attraktiveren Wettbewerb für den Nachwuchs" zu investieren, sei bereits vor einem Monat gefallen. In dem Verbot der Geschwister Ingeborg Bachmanns an die Veranstalter, den Namen der bedeutenden Dichterin weiter im Titel zu führen, sehe er lediglich eine Reaktion auf die Absage Kärntens.

Nach Angaben von Doris Moser, die vom ORF mit der Organisation des Literaturwettbewerbs betraut ist, wussten von dieser angeblich schon lange gefallenen Entscheidung allerdings weder die Veranstalter noch Ingeborg Bachmanns Erben. Moser im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE: "Ich weiß nicht, wo er das angekündigt hat, bei uns nicht und bei keinem der beteiligten Veranstalter."

Gleich nachdem das Verbot der Geschwister bekannt geworden war, hatten sowohl die Stadt Klagenfurt als auch der ORF Kärnten angekündigt, sich für "diese wichtigen Plattform der deutschsprachigen Literatur als Forum des freien Worts" einzusetzen.



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