Anfrage abgelehnt Sally Rooney will neues Buch nicht bei israelischem Verlag erscheinen lassen

Sally Rooneys Buch »Schöne Welt, wo bist du« wurde in mehrere Sprachen übersetzt. Hebräisch gehört vorerst nicht dazu – weil sie die BDS-Bewegung unterstützt.
Sally Rooney: Unterstützte Israel-Boykott bereits in mehreren offenen Briefen

Sally Rooney: Unterstützte Israel-Boykott bereits in mehreren offenen Briefen

Foto: Erik Voake / Getty Images

Die irische Schriftstellerin Sally Rooney  gehört derzeit zu den bekanntesten Jungautorinnen weltweit: Schon für ihren Roman »Conversations with Friends« kam sie 2018 auf die Longlist des Man Booker Prize. Der Titel wurde in ein Dutzend Sprachen übersetzt. Im September erschien ihr neuer Titel »Beautiful World, Where Are You« – noch im selben Monat folgte die deutschsprachige Version »Schöne Welt, wo bist du«.

Jetzt wurde allerdings bekannt, dass Rooney ihr Buch bei keinem israelischen Verlag erscheinen lassen will. Damit wird das Buch vorerst auch nicht ins Hebräische übersetzt. Der israelische Verlag Modan hatte eine Anfrage an die Autorin gerichtet. Rooney aber lehnte ab.

In einer Stellungnahme begründete Rooney nach Informationen der britischen Zeitung »The Guardian«  ihre Entscheidung: Sie sei zwar »sehr stolz« darauf, dass ihre früheren Romane ins Hebräische übersetzt wurden. Sie habe sich aber »vorerst entschieden, diese Übersetzungsrechte nicht an einen israelischen Verlag zu verkaufen«. Die Autorin verweist auf einen Bericht der Organisation Human Rights Watch : Es zeige sich darin, dass Israels »System der rassischen Vorherrschaft und Segregation gegen Palästinenser« der »Definition von Apartheid nach internationalem Recht« entspreche.

Die Rechte an der hebräischen Übersetzung ihres neuen Romans seien »immer noch verfügbar«, so Rooney. Sie werde sie allerdings nur dann verkaufen, wenn der Handel »mit den Richtlinien der BDS-Bewegung zum institutionellen Boykott vereinbar« seien. BDS steht für »Boycott, Divest, Sanction« und ist eine Boykottkampagne gegen den Staat Israel.

Nach Informationen der israelischen Tageszeitung »Haaretz«  hatte zuvor eine Sprecherin gegenüber Modan erklärt, dass die Autorin einen »kulturellen Boykott« Israels unterstütze und deshalb eine hebräische Übersetzung ihres neuen Romans nicht zulasse. Auf Nachfragen der britischen Tageszeitung »Daily Telegraph « bestätigte ein Verlagssprecher zwar die Absage. Allerdings äußerte sich Modan nicht dazu, ob in der Begründung von einem Israel-Boykott die Rede war.

Solidarisierung mit Kamila Shamsie

Eine solche Entscheidung käme laut der israelischen Zeitung Mako  allerdings nicht »aus dem Nichts«: Vor zwei Jahren solidarisierte sich Rooney mit der pakistanisch-britischen Schriftstellerin Kamila Shamsie in einem offenen Brief. Shamsie war der Nelly-Sachs-Preis entzogen worden, nachdem ihre Sympathien für die umstrittene Israel-Boykottbewegung BDS an die Öffentlichkeit gekommen waren. Im Mai 2021 unterzeichnete Rooney einen weiteren offenen Brief , in dem sich palästinensische Künstlerinnen und Künstler gegen die israelische Siedlungspolitik aussprachen.

Ende vergangenen Jahres wandten sich in Deutschland mehr als tausend Künstler und Intellektuelle Ende 2020 in einer öffentlichen Erklärung gegen die Anti-BDS-Resolution des Bundestags. Mit der Resolution wurde die Bewegung als antisemitisch eingestuft.

ime
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