Kulturpolitik Claudia Roth will Zusammenarbeit mit Israel vertiefen

Die israelische Nationalbibliothek und das Literaturarchiv Marbach wollen enger zusammenarbeiten, so wurde es beim Israelbesuch der Kulturstaatsministerin Roth vereinbart. Zuvor herrschte jahrelang Streit.
Claudia Roth in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem: »Die Vielfalt der Gesellschaft zum Ausdruck bringen«

Claudia Roth in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem: »Die Vielfalt der Gesellschaft zum Ausdruck bringen«

Foto: Ilia Yefimovich / dpa

Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Grüne) hat bei ihrem Antrittsbesuch in Israel ausführliche kulturpolitische Gespräche geführt. Das Treffen mit ihrem Amtskollegen Hili Tropper sei eine »intensive Begegnung« gewesen, sagte Roth am Dienstag in Tel Aviv. Israel habe für Deutschland eine »besondere Bedeutung« und man wolle die Zusammenarbeit vertiefen. Sie habe Tropper zu einem Gegenbesuch eingeladen. »Er war noch nie in Deutschland.«

Die israelische Nationalbibliothek in Jerusalem und das Deutsche Literaturarchiv in Marbach unterzeichneten während des Besuchs eine Absichtserklärung über eine engere Zusammenarbeit. Dabei geht es unter anderem um Ausstellungen von Briefen des Schriftstellers Franz Kafka (1883-1924) in Marbach und Jerusalem im Jahre 2024. Zudem soll ein virtuelles Kafka-Archiv eingerichtet werden, auf dem die Institutionen ihre Bestände hochladen können.

Rechtsstreit um Kafka-Nachlass

Zwischen der israelischen Nationalbibliothek und dem Deutschen Literaturarchiv Marbach wütete noch bis 2016 ein Rechtsstreit um Dokumente des jüdisch-tschechischen Schriftstellers Franz Kafka. Die umkämpften Briefe, Manuskripte und Zeichnungen stammten aus dem Nachlass von Max Brod und wurden nach dessen Tod teilweise gestohlen und in Deutschland zum Verkauf angeboten, unter anderem dem Literaturarchiv Marbach. 2016 entschied Israels Oberstes Gericht, dass der gesamte Brod-Nachlass der Nationalbibliothek gehöre. 2019 kamen die Originaldokumente schließlich in Jerusalem an.

Kunst und Kultur könnten dazu beitragen, »die Vielfalt der Gesellschaft zum Ausdruck zu bringen«, sagte Kulturstaatsministerin Roth. Dies gelte auch mit Blick auf die arabische Minderheit in Israel. »Kultur kann Brücken bauen, wo andere Mauern bauen.« Roth kam bei ihrem Besuch mit verschiedenen israelischen Künstlern zusammen, unter anderem dem Maler und KZ-Überlebenden Yehuda Bacon. Der israelische Schriftsteller David Grossman habe sich laut Roth bereit erklärt, bei der Förderung junger Literaten beider Länder als Mentor zu dienen. Zum Auftakt ihres Besuchs hatte Roth am Sonntag die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem besucht.

ime/dpa