Nach Protesten Turiner Buchmesse schließt rechten Verlag Altaforte aus

Italiens größte Buchmesse hat den Verlag Altaforte aus dem Programm genommen - dessen Chef bekennt sich offen zum Faschismus. Das Unternehmen hatte jüngst einen Interviewband mit Innenminister Salvini herausgebracht.

Der Chef des rechten Verlags Altaforte zeigt seine Bücher vor den Toren der Turiner Buchmesse.
Marco Bertorello/AFP

Der Chef des rechten Verlags Altaforte zeigt seine Bücher vor den Toren der Turiner Buchmesse.


Die am Donnerstag gestartete Buchmesse in Turin hat einen Verlag ausgeschlossen, der mit einer neofaschistischen Gruppe in Verbindung steht. Zuvor hatten das Auschwitz-Museum und mehrere italienische Intellektuelle sowie die Stadt Turin und die Region Piemont die Messeorganisatoren aufgefordert, den rechten Kleinverlag Altaforte nicht teilnehmen zu lassen.

Die 89-jährige Dichterin und Auschwitz-Überlebende Halina Birenbaum sowie das Museum Auschwitz-Birkenau hatten gedroht, die Veranstaltung zu boykottieren, wenn Altaforte einbezogen würde. Man könne von Holocaust-Überlebenden nicht verlangen, "den Raum mit jemandem zu teilen, der die historischen Fakten leugnet, die zum Holocaust geführt haben", hieß es in einem unter anderem vom Direktor des Museums, Piotr Cywinski, und Birenbaum unterzeichneten Brief an die Stadt Turin. Auch andere Autoren und Intellektuelle hatten mit einem Boykott gedroht.

Der Chef des Verlags, Francesco Polacchi, steht der neofaschistischen Partei CasaPound nahe und hatte sich offen zum Faschismus bekannt. Er gilt als Bewunderer des Diktators Benito Mussolini und hatte Anfang der Woche gesagt, Antifaschismus sei das wahre Übel in Italien. Jüngst brachte sein Verlag auch ein Interviewbuch mit Italiens Innenminister Matteo Salvini heraus.

Die Messe in Turin ist mit rund 1400 jährlichen Ausstellern eine der größten Buchmessen Europas. Während der Eröffnung am Donnerstag wurde der Stand des rechten Kleinverlags nach Angaben italienischer Medien abgebaut. Polacchi sagte, er werde kämpfen, um in die Messe aufgenommen zu werden. Die Stadt Turin sowie die Region Piemont teilten mit, sie würden Polacchi wegen dessen faschistischer Äußerungen anklagen.

mal/AP/Reuters/dpa

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