Beziehungsratgeber von Janosch Ein Klassiker für Frischverliebte (und für frisch Getrennte)

Ist die Tigerente jetzt Hochkultur? Der Reclam-Verlag veröffentlicht in seiner berühmten Universal-Bibliothek einen Beziehungsratgeber von Janosch.
Illustration aus dem Janosch-Buch »Ich liebe eine Tigerente«

Illustration aus dem Janosch-Buch »Ich liebe eine Tigerente«

Illustration: Janosch

Das kleine Gelbe hebt Literatur in den Klassikerstatus. Goethe, Schiller, Lessing, auch Büchner und Kafka, Shakespeare natürlich, Sophokles und Euripides: Sie alle sind mit ihren Werken in Reclams Universal-Bibliothek erschienen, kompakt und für kleines Geld, sie alle tragen Gelb.

Generationen von Schülern und Studentinnen sind mit den Heftchen groß und ein bisschen klüger geworden, seit 1867 die ersten beiden Werke in der Reihe erschienen, »Faust I« und »Faust II«, der Preis damals: zwei Silbergroschen pro Band.

Janosch überholt Goethe und Lessing

In der illustren Ahnenreihe steht nun ein neuer Name: Janosch, bekannt vor allem als Kinderbuchautor. Und er steht nicht irgendwo, sondern auf Platz 1 der bestverkauften Reclamheftchen 2021. Auf den weiteren Plätzen folgen Goethe mit seinem »Faust«, Lessing mit »Nathan der Weise« und Büchner mit »Woyzeck« und »Leonce und Lena«.

»Wondrak für alle Lebenslagen« heißt der Spitzentitel, eine Sammlung der ebenso lustigen wie lebensweisen Kolumnen, die Janosch vor einigen Jahren mal fürs »Zeit-Magazin« gezeichnet und geschrieben hat. Rund 200.000 Exemplare hat Reclam inzwischen verkauft, und so überrascht es nicht, dass der Verlag nun den nächsten Janosch-Titel ins Klassikerrennen schickt, »Ich liebe eine Tigerente«, auch dies ein Janosch-Werk mehr für Erwachsene als für Kinder. Ein Beziehungsratgeber.

Illustration aus dem Janosch-Buch »Ich liebe eine Tigerente«

Illustration aus dem Janosch-Buch »Ich liebe eine Tigerente«

Foto: Illustration: Janosch

Der großmäulige Günter Kastenfrosch verguckt sich in der Geschichte in die stumme, unergründliche Tigerente – nicht zuletzt, weil sie ihm folgt, wohin er sie zieht. Liebe will besitzen. Und weil sie schweigt, während er unablässig redet und ihr die Welt erklärt. »Wir Frösche lieben die Stille, damit man uns schön quaken hört«. Wir haben es, schon klar, mit einem hartnäckigen Fall von Frogsplaining zu tun.

Im übrigen auch mit Selbstsuggestion, wie so häufig in der Liebe. Günter Kastenfrosch redet sich die Tigerente schön, bis er ganz ergriffen ist von den eigenen Gefühlen; seine Liebe berauscht sich an sich selbst. Janosch nennt die Geschichte im Untertitel einen »kleinen Beziehungsratgeber«, wobei die ratgebende Kraft aus dem negativen Vorbild erwächst: »Wenn ihr eure Kastenfroschliebe aber auf ewig erhalten wollt, ihr Leute, müsst ihr ohne Pause miteinander reden. Über alles, was im Leben vorkommt oder ausbleibt, Tag und Nacht, weil alles beredet werden muss. Es darf kein Geheimnis mehr zwischen den Liebenden geben. Ist das jetzt klar? Na also!«

Erst Humor macht die Liebe erträglich

Janosch hat die Geschichte erstmals 1999 veröffentlicht. Reclam ergänzt sie nun um ein Nachwort des bekannten Psychoanalytikers und Paartherapeuten Wolfgang Schmidbauer, das das Büchlein zum idealen Geschenk für Frischverliebte macht – und mehr noch vielleicht für frisch Getrennte. Eine Abschiedsgabe, günstig zu haben, wie das die Titel der Universal-Bibliothek seit jeher sind. Schmidbauers zentraler Gedanke: Die romantische Liebe wird, wenn überhaupt, erst durch Humor und Ironie erträglich.

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Janosch

Ich liebe eine Tigerente: Kleiner Beziehungsberater (Reclams Universal-Bibliothek)

Verlag: Reclam, Philipp, jun. GmbH, Verlag
Seitenzahl: 96
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Am Rande offenbart Schmidbauer ein eigenes Talent zur Karikatur. Um ein Dilemma der modernen Liebe zu illustrieren, so erzählt er, habe er vor Jahren einmal zwei Holzenten gezeichnet, verbunden mit einer Schnur. »Ich hätte so gerne eine mitreißende Beziehung!«, sagte die eine. »Ich auch!« die andere.

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