Zur Ausgabe
Artikel 60 / 66

Jasmina Kuhnke Letztes Mittel: Boykott

aus DER SPIEGEL 43/2021
Foto:

Marcus Simaitis / laif

Zuerst hielt die Autorin und Comedian Jasmina Kuhnke (»Schwarzes Herz«) den Termin ihrer einzigen Lesung auf der Frankfurter Buchmesse aus Sicherheitsgründen nur geheim, am Ende sagte sie ganz ab: Sie fühle sich durch die Präsenz rechter Verlage und deren Publikum bedroht. Zuvor hatte sich herausgestellt, dass der Verlag Jungeuropa in diesem Jahr in unmittelbarer Nähe der großen Bühnen ausstellt, auf denen auch Kuhnke lesen sollte. Dessen Verleger ist unter anderem in leitender Funktion bei einem rechten Netzwerk tätig, das vom Verfassungsschutz als Verdachtsfall eingestuft wurde. »Ich bedaure, dass mir nur das Mittel des Boykotts bleibt, um mich als Schwarze Frau zu schützen«, schrieb Kuhnke zu ihrem Rückzug in einem Statement.

Im Frühjahr hatte Kuhnke, 39, die auf Twitter unter dem Namen »Quattromilf« über jede Form von Diskriminierung schreibt und sich mit rechten Trollen anlegt, umziehen müssen, weil sie bedroht worden war. Seit der Veröffentlichung ihres Debütromans begegne ihr Rassismus auch im Literaturbetrieb, etwa in Form rassistischer Stereotype. »Ich werde in Interviews gefragt, warum ich nicht so schreiben würde wie andere Schwarze Autorinnen.« Daher sage sie TV-Sendungen grundsätzlich ab. Nun sei auch die Buchmesse zu gefährlich, glaubt Kuhnke. »Als Autorin ist das natürlich frustrierend. Aber ich lasse mir die Freude, ein Buch geschrieben zu haben, nicht nehmen«, sagte sie dem SPIEGEL. Neben anderen schlossen sich die Schauspielerinnen Annabelle Mandeng und Nikeata Thompson sowie der Influencer Riccardo Simonetti, die auch auf der Messe auftreten wollten, dem Boykott an.

cpa
Zur Ausgabe
Artikel 60 / 66
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.