Autor von »Mein Herz so weiß« Javier Marías ist tot

Spanien trauert um »einen der großen Schriftsteller unserer Zeit«: Javier Marías ist im Alter von 70 Jahren gestorben. In Deutschland wurde er mit »Mein Herz so weiß« zum Bestsellerautor – auch dank des Lobs eines Kritikers.
Schriftsteller Marías: Dauerkandidat für den Nobelpreis

Schriftsteller Marías: Dauerkandidat für den Nobelpreis

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J. P. Gandul / EPA

Einer der bedeutendsten und erfolgreichsten spanischen Schriftsteller der Gegenwart, Javier Marías, ist im Alter von 70 Jahren gestorben. Das berichtete die Zeitung »El País« am Sonntag unter Berufung auf Marías’ Familie.

Ministerpräsident Pedro Sánchez würdigte Marías als »einen der großen Schriftsteller unserer Zeit« und sprach seiner Familie und seinen Freunden sein Mitgefühl aus. »Sein umfangreiches und talentiertes Werk wird für immer ein grundlegender Teil unserer Literatur sein«, schrieb Sánchez.

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Weltweit hat Marías mehr als neun Millionen Bücher verkauft, seine Werke wurden in 46 Sprachen übersetzt und in fast 60 Ländern veröffentlicht. Vor allem in Deutschland war der Spanier beliebt. Sein letztes Buch, der im Frühjahr 2021 in Spanien veröffentlichte Spionageroman »Tomás Nevinson«, sei wohl Marías' bestes Werk überhaupt, urteilte der Literaturkritiker José Carlos Mainer. Ab diesem Herbst liegt der Roman auch in deutscher Übersetzung im S. Fischer Verlag  vor.

Auch über Fußball schrieb er brillant

Dabei galt der unbequeme Denker lange als schwer verkäuflich, auch in Deutschland. Bis »Mein Herz so weiß« im Sommer 1996 in der TV-Sendung »Das literarische Quartett« unisono mit Lob überschüttet wurde. Der 2013 gestorbene Marcel Reich-Ranicki sprach von einem »genialen Buch« und dem »größten im Augenblick lebenden Schriftsteller der Welt«.

Zu seinen größten Erfolgen zählen neben »Mein Herz so weiß«, das im Original schon 1993 erschienen war, auch »Morgen in der Schlacht denk an mich« (1994) oder »Alle Seelen« (1989). In dem Campusroman verarbeitete Marías seine Zeit als Gastprofessor in Oxford. In der Folge beschwerten sich Professoren und andere Kollegen, falsch oder gar nicht dargestellt worden zu sein. Als Reaktion darauf präsentierte Marías unter dem Titel »Schwarzer Rücken der Zeit« eine Art Werkstattbericht, in dem er das erzählte Leben als Mischung aus Fiktion und Fakten vorführte.

Die »Süddeutsche Zeitung« sprach über seinen Stil von »diesem wunderbaren einlullenden Marías-Sound, diesen mäandernden Bandwurmsätzen«. Der leidenschaftliche Verehrer des Fußballvereins Real Madrid zeigte sich von einer ungewohnten Seite, als er in seinem Buch »Alle unsere frühen Schlachten« (2000) über Fußball schrieb. In seiner Kolumne für die Zeitung »El País« zog er über vieles und viele schonungslos her. Über autoritäre Regierungschefs aller Couleur klagte er etwa: »Wir leben in einer Zeit voller berühmter Dummköpfe.«

Jahr für Jahr wurde Javier Marías als Kandidat für den Literaturnobelpreis gehandelt, stand immer wieder auf den Favoritenlisten der Buchmacher. Er wurde von so namhaften Kollegen wie Orhan Pamuk und J.M. Coetzee in den Himmel gelobt. Dabei räumte der Kettenraucher und Spätaufsteher unumwunden ein, er werde stets von »enormer Unsicherheit« geplagt, wenn er in seiner Wohnung voller Bücher im Zentrum von Madrid ein neues Werk beginnt.

»Voller Trauer müssen wir bekannt geben, dass unser großer Autor und Freund Javier Marías an diesem Nachmittag in Madrid gestorben ist«, hieß es am Sonntag in einer Mitteilung des Alfaguara-Verlags. Der Schriftsteller habe bereits seit einigen Wochen unter einer Lungenentzündung gelitten, die sich in den vergangenen Stunden verschlimmert habe. Nach Informationen der Zeitung »El Mundo« war die Lungenentzündung die Folge einer Coronainfektion.

feb/dpa/AFP
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