Joanne K. Rowling Trauerarbeit mit dem Zauberspiegel

Die britische Schriftstellerin Joanne K. Rowling wurde beim Schreiben ihrer Harry-Potter-Romane offenbar durch den frühen Tod ihrer Mutter beeinflusst. Besonders der Zauberspiegel, in dem der Waisenjunge Potter seine toten Eltern erblickt, sei dadurch inspiriert worden.


Bestseller-Autorin Rowling: "Mum, stell Dir mal vor, was passiert ist"
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Bestseller-Autorin Rowling: "Mum, stell Dir mal vor, was passiert ist"

London - In dem Spiegel sieht jeder das, was er sich am meisten wünscht. Auf die Frage, was sie in dem Spiegel sehen würde, antwortete Rowling in einem Interview mit der britischen Zeitung "Guardian": "Meine Mutter. Man hätte doch so gerne fünf Minuten, um zu sagen: 'Ich habe jetzt eine Tochter, sie heißt Jessica, und sie sieht so und so aus, und ich habe ein paar Bücher geschrieben - und Mum, stell dir mal vor, was passiert ist!' Ich würde die ganze Zeit durchquatschen, und am Ende der fünf Minuten würde mir plötzlich klar werden, dass ich gar nicht gefragt habe, wie es ist, tot zu sein."

Die Spiegel-Episode in dem Buch solle klarmachen, dass es nicht gut sei, immer wieder über Schicksalsschläge nachzugrübeln und unerfüllbaren Wünschen nachzuhängen. "Es geht nicht darum, zu vergessen, aber das Leben muss weitergehen", sagte die zurzeit erfolgreichste Autorin der Welt dem Blatt.

Auch der Bahnhof King's Cross in London, von dem aus der Sonderzug zur Zauberschule Hogwarts abfährt, habe etwas mit ihrer Biografie zu tun: In einem Zug von King's Cross hätten sich ihre Eltern zum ersten Mal getroffen. Sie habe ein sehr enges, freundschaftliches Verhältnis zu ihrer nur 20 Jahre älteren Mutter gehabt, sagte Rowling. Die Mutter starb mit 45 Jahren an Multipler Sklerose - sechs Monate, nachdem Rowling mit dem ersten Harry Potter-Band begonnen hatte.

Der Tod ihrer Mutter sei der Grund dafür gewesen, dass sie danach für einige Zeit ins Ausland gegangen sei, sagte Rowling. Dort lernte sie ihren portugiesischen Mann Jorge Arantes kennen, von dem sie sich kurz nach der Geburt ihrer Tochter wieder scheiden ließ. Das Leben als allein erziehende Mutter, die von der Sozialhilfe leben musste, sei hart gewesen. "Man kann es nicht bestreiten: Das hat ein Stigma", sagte sie. Allein erziehende Mütter würden für alle möglichen gesellschaftlichen Probleme verantwortlich gemacht. "Es ist ein universelles menschliches Bedürfnis durch die ganze Geschichte hinweg: Wenn wir sie dämonisieren, brauchen wir ihnen nicht zu helfen." Sie habe sich aber nie geschämt, ihre Tochter allein großzuziehen.

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