John Le Carré Der Autor hat selbst spioniert

Die Spionage-Romane von John Le Carrè lesen sich, als seien sie von einem echten Insider geschrieben. Sind sie auch.


John Le Carré: Schriftsteller und Spion
AFP

John Le Carré: Schriftsteller und Spion

London - John Le Carré ("Der Spion, der aus der Kälte kam"), hat schon während seiner Studienzeit in Oxford für den britischen Geheimdienst seine Kommilitonen ausspioniert. Dies räumte der 69-jährige David Cornwell, der Le Carré als Pseudonym benutzt, in einem Interview mit dem britischen Rundfunk BBC ein.

"Es war erforderlich, herauszufinden, wer von den Sowjets rekrutiert worden war - wie schmerzlich das auch immer war», sagte der Spion, der aus Oxford kam. In den vierziger-Jahren habe große Angst geherrscht, dass Oxford ebenso wie ein Jahrzehnt zuvor Cambridge zum bevorzugten Anwerbeplatz des sowjetischen Geheimdienstes werden könnte.

Die Freude zu betrügen

Cornwell ("Ich habe mich immer nach der Würde gesehnt, die das Geheimnis einem verleiht") sagte, er habe schon vor dem Studium in Oxford an der Universität von Bern den Kontakt zu britischen Geheimdienstleuten gesucht und sich auch bei kleinen Botengängen wie ein großer Spion gefühlt. Nach dem Studium arbeitete er unter anderem für den Geheimdienst an der britischen Botschaft in Bonn. Über den Bau der Mauer 1961 sagte er einem Bericht der Zeitung "The Times" vom Dienstag zufolge: "Ich habe 48 Stunden überhaupt nicht geschlafen, ich bin nur herumgelaufen und habe geholfen, wo ich konnte. Ich war richtig high." Anschließend habe er seinen ersten Erfolgsroman geschrieben.

Er räumte ein, es habe ihm Freude gemacht, seine Kontaktpersonen zu betrügen: "Das fühlte sich wie Betrug an, hatte aber eine sinnliche Qualität. Das war ein notwendiges Opfer von Moral und das gehört zu dem, was Menschen dazu bringt, zu spionieren."



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