Kinderbuchautorin Judith Kerr ist gestorben

Die Autorin Judith Kerr verarbeitete ihre Vergangenheit im nationalsozialistischen Deutschland in Jugendbüchern wie "Als Hitler das rosa Kaninchen stahl". Im Alter von 95 Jahren ist sie nun gestorben.

Judith Kerr
Dylan Martinez / REUTERS

Judith Kerr


Die deutsch-britische Kinderbuchautorin Judith Kerr ist tot. Sie sei im Alter von 95 Jahren gestorben, teilte ihr Verlag HarperCollins in London mit. Ihr in Deutschland wohl berühmtestes Buch ist "Als Hitler das rosa Kaninchen stahl", in dem sie die Geschichte ihrer Flucht mit ihrer jüdischen Familie aus Nazideutschland über die Schweiz und Frankreich nach England erzählt.

In London absolvierte Kerr die Kunsthochschule. Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitete sie zunächst als Lehrerin und Textildesignerin in Großbritannien. Von 1953 bis 1958 war sie als Redakteurin und Lektorin in der britischen Rundfunkgesellschaft BBC angestellt. Dort lernte sie auch ihren späteren Mann Nigel Kneale kennen. Sie waren bis zu seinem Tod im Jahr 2006 verheiratet.

In den späten Sechzigerjahren begann Kerr mit dem Schreiben und Illustrieren von Kinderbüchern. 1968 schaffte sie den Durchbruch in Großbritannien mit ihrem Erstlingswerk "Der Tiger kommt zum Tee"; eine Kinderbuchserie um den exzentrischen Kater Mog folgte.

International bekannt machten sie ihre autobiografisch gefärbten Jugendbücher. Ihr Roman "Als Hitler das rosa Kaninchen stahl" ("When Hitler Stole Pink Rabbit") wurde 1971 in Großbritannien veröffentlicht und 1974 mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet. Die Geschichte von Anna, die auf der Flucht ein rosa Plüschkaninchen in Berlin zurücklassen muss, wurde zum preisgekrönten Bestseller und zur Pflichtlektüre in deutschen Schulen.

Kerr selbst begriff das Zeichnen und nicht die Schriftstellerei als ihre eigentliche Profession: "Eigentlich bin ich ja Bilderbuchautorin, vor allem Zeichnerin. Das 'Rosa Kaninchen' habe ich nur geschrieben, weil mir die Geschichte eben passiert ist", sagte sie dem "Tagesspiegel" 2013. Weltweit verkaufte sie neun Millionen Bücher, die in 25 Sprachen übersetzt wurden.

Die leidenschaftliche Künstlerin und Autorin schrieb und gestaltete bis ins hohe Alter insgesamt über 20 Kinderbücher. Eine Vielzahl von ihnen wurde bislang nicht ins Deutsche übertragen. 2016 erschien "Ein Seehund für Herrn Albert" auf Deutsch - angelehnt an ihren Vater, der ein verlassenes Robbenbaby aufzog, das er am Strand gefunden hatte.

Kerr wurde 1923 als Tochter des bekannten deutsch-jüdischen Schriftstellers, Essayisten und Theaterkritikers Alfred Kerr in Berlin geboren. 1933 flüchtete sie mit ihrer Familie vor dem Naziregime in Deutschland bis nach London. Dort lebte sie bis zu ihrem Tod.

mal/Reuters/AFP/dpa



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