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Kinderbuchklassiker: "Die Geschichte vom kleinen Onkel" neu aufgelegt

Foto: Oetinger/ Eva Eriksson

Neuaufgelegter Kinderbuch-Klassiker Ein Freund, ein guter Freund

Welches Kind fürchtet sich nicht davor, ungeliebt zu sein oder verlassen zu werden? Das Kinderbuch "Die Geschichte vom kleinen Onkel" erzählt von diesen Urängsten eindringlich, ohne dabei pädagogisch zu werden. Jetzt ist der wunderbare Klassiker endlich wiederveröffentlicht worden.

"Es war einmal ein kleiner Onkel. Der kleine Onkel war sehr einsam. Niemand kümmerte sich um ihn. Obwohl er so nett war. Alle fanden ihn zu klein. Und dann fanden sie noch, dass er dumm aussah." Wenn ein Buch mit solchen Sätzen beginnt, dann möchte man den kleinen Mann in den Arm nehmen und trösten. Und man möchte sie unbedingt weiterlesen, "Die Geschichte vom kleinen Onkel" von Barbro Lindgren und Eva Eriksson. Findet dieser nette Mann doch noch einen Freund?

Der schwedische Klassiker der Bilderbücher (ab 4 Jahren) erschien schon in den achtziger Jahren, auch in Deutschland. Nun hat der Oetinger Verlag ihn neu herausgebracht. Zum Glück, denn die Geschichte ist zeitlos schön. Der kleine einsame Onkel sucht einen Freund, er heftet Zettel an Bäume und wartet vor seinem Haus auf Interessenten, aber zehn Tage lang kommt keiner. "Niemand schien den kleinen Onkel auf der Treppe zu sehen." Und dann, in der zehnten Nacht, gerade, als er auf der Treppe eingenickt ist, erscheint ein einsamer Hund, und weil der Hund ihn so lieb anschaut und so lustig mit ihm spielt, füttert ihn der Onkel mit Keksen. Weshalb der Hund am nächsten und am übernächsten und am überübernächsten Tag wieder erwartungsvoll dasitzt und schließlich beim Onkel einzieht. Bis eines Tages ein kleines Mädchen auftaucht: "Der Hund zitterte vor Glück und legte seine Nase in die Hand des Kindes, statt sie dem Onkel in die Hand zu legen. Da fühlte der Onkel ein Stechen in der Brust."

Dicker, glatzköpfiger Mann gegen kleines Mädchen im gepunkteten Rock

Verlassen zu werden, die Eltern zu verlieren, allein zu sein oder sogar nicht geliebt zu werden - das ist eine Urangst von Kindern. Lindgren setzt sie in eine einfache, emotionale Geschichte um, ohne dabei pädagogisch zu werden. Aber tief menschlich und voller Verständnis. Ein kleiner, dicker, glatzköpfiger Mann mit roter Krawatte, braunem Hut und Trenchcoat gegen ein kleines Mädchen mit roter Schleife im Struwwelhaar und gepunktetem Rock, das scheint ein Kampf um Zuneigung zu sein, den nur das Kind gewinnen kann. Aber: Es kommt natürlich alles anders.

Das Autorenduo Lindgren (Text) und Eriksson (Illustrationen) ist auch ein Klassiker der schwedischen Kinderliteratur. Beide haben die höchsten Auszeichnungen des Genres gewonnen. Und wer mit einem Kind unter zwei Jahren Bücher anschauen will, der findet nichts Lustigeres als die "Max und ..."-Reihe ("Max und die Windel", "Max und das Töpfchen" etc.). Das ist auch eine hervorragende Einstimmung auf den kleinen Onkel. Denn der sieht aus, wie ein 60 Jahre älter gewordener Max.

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