Oster-Lesestoff für Kinder Pro Haushalt ein Hase – und ein Buch

Sie suchen zu Ostern noch ein Buchgeschenk? Diese neun Titel für Kinder und Jugendliche können wir empfehlen – von Popelgeschichten bis zum Trampolin-Ratgeber.
Lesendes Mädchen: Mithilfe der Fantasie verreisen

Lesendes Mädchen: Mithilfe der Fantasie verreisen

Foto: Westend61 / Getty Images

Unter unsere Kinderbuchempfehlungen zu Ostern hat sich ein Bilderbuch geschummelt, das auch ein wenig von Viren handelt. Ansonsten empfehlen wir Geschichten zum Coronaabschalten: Es geht etwa um ein redseliges Küken, eine gefährliche Suche entlang des Amazonas und spannende griechische Sagen.

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Zur Autorin
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Maria Feck

Agnes Sonntag wurde in eine Familie geboren, deren Mitglieder von Büchern magisch angezogen werden. Ihr Großvater arbeitete bei der Büchergilde Gutenberg und brachte ihr gern Fehldrucke mit, sodass sie bis heute das Ende vieler James-Krüss-Geschichten nicht kennt. Später studierte die gelernte Arzthelferin in Schweden Publizistik und Schwedisch. Sie arbeitete als Schwedischlehrerin, Übersetzerin und freie Mitarbeiterin des schwedischen Schulfunks. Seit einigen Jahren betreut sie beim Kinder-Nachrichtenmagazin »Dein SPIEGEL« die Buchtipps und rezensiert auf SPIEGEL.de Kinder- und Jugendbücher.

Augenschmaus

Manchmal nehme ich ein Buch in die Hand und spüre sofort, dass es etwas Besonderes ist, so war es auch hier. Dieses Sachbuch übers Sehen enttäuschte mich nicht. Es bewegt sich auf einem höheren Level als andere Sachgeschichten, so stark und umfassend ist das Leseerlebnis.

In wahnsinnig schönen Illustrationen vertieft es sich Blatt für Blatt in das Thema und regt dabei auch gleich den eigenen Seh-Sinn an. Wir folgen einem Mädchen auf einer Entdeckungstour, die damit beginnt, dass sie eine Brille braucht. Texte und Bilder verschmelzen förmlich und es endet dort, wo es begann: im Dunkeln. Denn nicht nur Licht, Auge, Farben und Optik werden erklärt, sondern es geht auch um das, was wir nicht sehen und die, die nicht sehen können. Ein außergewöhnliches Buch, das man auch Erwachsenen schenken kann. Verstecken lässt es sich nicht so leicht: Es ist neonfarben.

Ab 8 Jahren und für alle.

Halt den Schnabel

Aus dem Meer an Osterbüchern habe ich dieses Jahr ein Bilderbuch über ein geschwätziges Küken gefischt. Dieses Küken hat viel zu erzählen. Ständig. Und geht der Familie damit etwas auf den Zeiger. Wie gut, dass sich überraschend eine geduldige Zuhörerin findet.

Mit wenig Text und vielen lebendigen Bildern erzählt die Autorin eine eigentlich recht simple Geschichte mit einem pointierten Ende, das auch für ganz Kleine schon gut zu verstehen ist.

Ab 4 Jahren.

Ene meene Mopel

Eklig, aber wahr: Jeder hat schon mal gepopelt. Aber was ist das eigentlich für Zeug? Was als harmloses Popeln-ist-lustig-Buch anfängt, entpuppt sich als Thriller über die klebrigen Dinger. Da geht es um Inhaltsstoffe, Techniken, Funktionen des Popelns aber auch darum, wozu der Schleim dient oder die Frage, wann wir am häufigsten erkältet sind.

Dieses kritzelige Bilderbuch aus Spanien ist eines der besten Beiträge zum Thema »Corona-Bücher für Kinder«. Pipi-Kacka-Geschichten sind bei Kinderbuchverlagen sehr beliebt. Doch Sisteré belässt es nicht bei Effekthascherei durch Tabubrüche, sondern macht mithilfe von abgedrehten Illustrationen aus einem Haufen Fakten ein lustiges Sachbuch.

Ab 4 Jahren und für alle.

Und nun: Die Hocksitzsprungschraube rückwärts

Bald geht das Quietschen wieder los, die Trampolin-Saison beginnt. In den vergangenen Jahren sind Trampoline ja wie Pilze aus dem Boden geschossen (beziehungsweise: haben sich in die Erde gegraben). Zeit, sich warm zu machen. Denn untrainiert und ahnungslos aufs Trampolin zu klettern, ist nicht so schlau.

Mit diesem Buch lernt man nicht nur, Brüche oder Zusammenstöße zu vermeiden, sondern bekommt auch Ideen für neue Elemente und Spiele. In vielen Fotos mit tollen Trampolin-Springerinnen werden die Figuren in einzelnen Schritten erklärt. Von einfach bis Flickflack, der Königin unter den Turnfiguren.

Für alle, die hüpfen können.

Showdown in Chili

Endlich! Ein Pferdebuch, in dem der Hof nicht vom Verkauf bedroht wird. Solide erzählte Geschichte über das Dörfchen Chili, das von zwei Landstreicher-Pferden heimgesucht wird. Die beiden sind harmloser als sie aussehen und helfen am Ende sogar noch, einige Einbrecher zu fangen.

Als Buch zum Vorlesen oder für gute Erstleser geeignet (es hat schöne Illustrationen), doch als Hörbuch mit Oliver Kalkofe wird's erst richtig gut: Witzig und lebendig spricht er die verschiedenen Rollen mit seiner knurrigen Stimme und die beigemischten Lieder sind zum Mitsingen schön. Testhörerin Ida, 8, jedenfalls gefallen »die schönen Songs«.

Ab 8 Jahren.

Mehr als ein Mutter-Problem

Nein, Yvan Pommaux hat sich diese Sage nicht ausgedacht, aber sehr gekonnt in Szene gesetzt. Anschaulich erzählt er nicht nur durch seine Illustrationen, sondern bettet den griechischen Klassiker zusätzlich geschickt in eine neuzeitliche Rahmenhandlung ein, nämlich in einen Comic. Darin unterhält sich ein Großvater mit seinen Enkelkindern und soll ihnen die allerfurchtbarste Geschichte erzählen, die er kennt. Und das tut er.

Harter Tobak, was Ödipus passiert. (Wissen das überhaupt alle Erwachsenen noch?) Auch das tragische Ende wird nicht verschwiegen, aber die abschließende Einordnung mit Opa fängt die Schrecken sehr gekonnt auf.

Ab 8 Jahren.

Das ganze große Leben

Auf einer Krankenstation in Peru lernen sich Laila und El Rato kennen. Warum El Rato dort schon sein ganzes Leben lebt, bleibt lange sein Geheimnis. Laila dagegen weiß es genau: Die Diplomatentochter aus Finnland hat eine unheilbare Krankheit. Als sie von einem Heilmittel hört, das ein Schamane tief im Dschungel des Amazonas haben soll, machen sich die beiden heimlich auf den Weg zu ihm. Es wird eine anstrengende und erkenntnisreiche Reise, auch für die Menschen, denen sie auf dieser Suche begegnen.

Phantastischer Abschluss einer losen Trilogie von Kinderromanen des Italieners Davide Morosinotto, die alle an einem Fluss spielen. Jede dieser Geschichten handelt von mutigen Kindern. Die drei Bücher sind von seltener Originalität und Tiefe – bis hin zu den Illustrationen und der Buchgestaltung.

Ab 12 Jahren.

Die traut sich was

Maine in den Dreißigerjahren. Weil die Eltern in der Großen Depression ihr Vermögen verloren haben, muss die Familie unter einfachen Bedingungen in einer Hütte in den Bergen leben. Während Mutter und Schwester mit dem Abstieg hadern, genießt die zwölfjährige Ellie die Nähe zur Natur und den Tieren. Doch der Vater ist nach einem Unfall im Koma, die Versorgung immer schwieriger. Die Situation spitzt sich zu und nur Ellie hat die Kraft, zu kämpfen.

Wenn Birgitt Kollmann ein Buch übersetzt hat, kann es nicht ganz schlecht sein, auch wenn der Buchtitel wie eine Folge vom »Nesthäkchen« klingt. So ist Ellie wirklich ein liebenswertes Mädchen, aber manchmal ist es der Güte etwas too much. Das aber wird von der spannenden Handlung und dem rauen Leben wieder wettgemacht. Ein schönes Buch für alle, die Tiere lieben.

Ab 11 Jahren

Die Wahrheitsfinder

Der zwölfjährige Leon berichtet von seinen aufregenden Pfingstferien auf dem heißgeliebten Campingplatz am See. Hier verbringt seine Familie seit Jahren den Urlaub, hier hat er zwei Freunde und anders als in der Stadt kann er den ganzen Tag machen, was er will. Doch dieses Jahr läuft alles schief. Erst taucht seine blöde Cousine auf, und dann bekommen die Freunde auch noch Ärger für Sachen, die sie gar nicht gemacht haben. War es vielleicht der Barfußmann?

Leons Freundin Emily kommentiert seinen Report mit lustigen Randnotizen. Das ist spannend erzählt, nur Leon hat eine etwas altkluge Stimme. Welches Kind sagt zum Beispiel »Drahtesel« oder »stibitzen«? Trotzdem eine runde Geschichte, die die Kinder zur Abwechslung auch mal ihren Eltern vorlesen könnten.

Ab 10 Jahren.