Kinderbücher zu Weihnachten Bücher zum Einkuscheln

Für die nächsten Monate brauchen wir dringend Lesenachschub, gerade für Kinder und Jugendliche. Unsere Autorin hat einige Perlen gefunden, die man dem Weihnachtsmann vorschlagen könnte.
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Dieses Jahr fiel die Auswahl wirklich schwer, denn es sind viele wunderbar illustrierte, liebevoll gemachte, Bilderbücher, Sachbücher und Kinderromane erschienen. Und das ist ein großes Glück, denn 2020 wurde unfreiwillig zum Jahr des Kinderbuchs.

Der »buchreport « berichtet in einer Marktanalyse von einem zweistelligen Umsatzplus nach dem ersten Lockdown. Während andere Sparten mit Rückgängen leben müssen, hat das Kinderbuch immerhin bis September ein kleines Absatzplus von einem Prozent, der Umsatz liegt bei gut fünf Prozent. Dies liegt an Preiserhöhungen der Verlage, aber auch an der Bereitschaft der Kundinnen und Kunden, generell mehr für ein Buch zu bezahlen. Während Erstlesebücher und Sachbücher wohl aufgrund der Schulsituation mehr nachgefragt waren, geht es bei den Jugendbüchern abwärts. Das überrascht angesichts des Medienangebots natürlich niemanden mehr.

Dennoch werde ich nicht müde, auf interessante Jugendbücher hinzuweisen, und habe beobachtet, dass angesichts von Onlineunterricht und Besprechungen am Bildschirm manche doch auch gern mal wieder ganz analog in einem Buch blättern. Meine Empfehlung für Teenager ist jedenfalls ein Sachbuch, vor allem Mädchen ab zwölf Jahren, das in Form und Inhalt so informiert, wie es kaum eine Bloggerin oder ein Wiki-Eintrag vermag.

Außerdem: Bilderbücher für Weihnachtsgefühle, zum Einschlafen und Spielen, Detektivschmöker, märchenhafte Geschichten und ein Fantasy-Hörspiel, das wie Kino im Kopf ist.

Spiel ein Buch mit mir – Mick Bruna: »Miffy sucht die Tiere«

Miffy am Meer, auf dem Bauernhof oder im Garten: Überall gibt es Tiere zu entdecken. Aber nicht einfach so. In diesem robusten Bilderbuch verstecken sich Tierpaare hinter Schiebetürchen. Es ist also ein Memory für Anfänger, ohne dass Kärtchen verloren gehen könnten. Perfekt! Text gibt es kaum, aber man wird beim gemeinsamen Suchen schon ins Gespräch kommen und schnell feststellen, wie überlegen so ein Kinderkopf sein kann. Ein ähnliches Buch gibt es übrigens als Puzzlevariante.

Ein Miffy-Buch gehört in jedes Kinderzimmer. Obwohl weder Mensch noch Tier Mimik haben, lieben Kinder die Illustrationen von Dick Bruna. Was war sein Geheimnis? Vielleicht die große Farbenfreude und Klarheit der Darstellungen, die Ruhe und Freude ausstrahlen.

Ab zwei Jahren

Fabelhafte Reime – Alex Rühle: »Gigaguhl und das Riesen-Glück«

Der Gigaguhl Gargantua ist der riesigste Riese der Welt. Bäume sind neben ihm klein wie Klee, in seinen blauen Haaren leben viele Lebewesen, unter anderem sogar ein Einhorn. Nachdem er eine Ewigkeit gelebt hat, wird er müde und legt sich unter einer Wiesenbettdecke zum Schlafen. Und wo einst Wiesen und Wald waren, werden Häuser gebaut und siedeln Menschen, die nicht ahnen, wer da unter ihnen schlummert. Bis nach vielen hundert Jahren die Geschwister Nick und Nina Hunkapatsch den Gigaguhl finden und ihn beim Rutsch durch seine Nase wecken. Na, das ist eine Überraschung!

Tolles Buch: Wunderschöne, plastische Bilder, ein handliches Format und leichte, lustige Reime. Die Arbeit von Illustratorin und Autor ist hier perfekt zusammengeschmolzen zu einer verträumten Geschichte, die glücklich macht.

Ab 3 Jahren

Mein Fohlen und ich – Satomi Ichikawa: »Kleines Pferdchen Mahabat«

Wie leben Kinder in anderen Ländern? Djamilia, bummelig vier Jahre alt, darf den Sommer bei ihren Großeltern in der kirgisischen Steppe verbringen. Dort leben die beiden in einer Jurte und züchten Pferde. Als Djamilia ein verletztes Fohlen wiederfindet, darf sie es gesund pflegen und lernt dabei ganz viel über die Tiere.

In fröhlichen Bildern erzählt Ichikawa vom Leben einer Familie, die sie vor einigen Jahren auf einer Reise kennengelernt hat. Liebevoll kümmern sich die Großeltern um das Mädchen und trauen ihm ganz viel zu. Für Kinder sicher eine wunderbare Vorstellung, sich mit so viel Zutrauen frei in der Natur bewegen zu dürfen und dabei von Tieren umgeben zu sein.

Ab 4 Jahren

Ein Papagei auf dem Weihnachtsmarkt – Nikola Huppetz, Andrea Stegmaier: »Gebrannte Mandeln für Grisou«

Der Papagei Grisou hat eine liebe Familie, er kann Kunststücke und die Menschensprache, doch trotzdem büxt eines Tages aus, als sich die Gelegenheit bietet. Denn zu gern möchte er einmal im Leben gebrannte Mandeln essen. Doch schon bald ist ihm kalt, man will ihn einfangen und irgendwie hatte er sich seinen Ausflug netter vorgestellt. Zum Glück trifft er ein freundliches Menschenkind, das ihm hilft.

Ein schönes Weihnachtsbuch mit großen Illustrationen und einem guten Ende. Denn dieser Papagei lebt nun mal gern bei seiner Familie und liebt die Weihnachtszeit, inklusive gebrannter Mandeln.

Ab 4 Jahren

Für Bettflüchtige – Nicola O'Byrne: »Das Kaninchen, die Dunkelheit und ein Trick«

Damit es nicht schlafen gehen muss, sperrt das kleine Kaninchen die Dunkelheit in einer Keksdose ein. Doofe Idee. Denn nun geht es den Tieren der Nacht schlecht und seine Möhren verdorren, weil es keine Abendkühle gibt. Da schaut das Kaninchen vorsichtig in die Dose und … entdeckt die Schönheit der Nacht. (Und schläft natürlich auch vorbildlich ein.)

Will da jemand nicht ins Bett? Hat da jemand Angst im Dunkeln? Dann einfach dieses Buch vorlesen, das am Ende mit einer aufklappbaren Keksdose überrascht, aus der sich ein wunderschöner Sternenhimmel entfaltet. Sicher ist das Buch auch schon für übermüdete Dreijährige geeignet.

Ab 4 Jahren

Wie es wirklich war – Torben Kuhlmann: »Einstein. Die fantastische Reise einer Maus durch Raum und Zeit«

Aufgepasst! Die Geschichte der Relativitätstheorie muss umgeschrieben werden. Offenbar war es eine kleine Maus, die Einstein weiland in Zürich erste Anregungen lieferte, doch ganz neu über den Begriff Zeit nachzudenken. Dabei war die Maus einer Passion folgend nur zum Chäsfest nach Zürich gekommen, hatte dies aber um einen Tag versäumt. Verdammt, kein Käsefest. »Kann man die Zeit vielleicht zurückdrehen?«, überlegte sie sich und hatte eine Idee …

Dieses Buch ist ein Fest der Zeichenkunst. Wenn ich darin blättere, habe ich ein ganz wohliges Gefühl. Alles daran ist fantastisch. Torben Kuhlmanns Aquarellzeichnungen sind fantastisch: Seine Illustrationen bilden einen Bilderreigen, der die Geschichte ungewöhnlich stark trägt, der Text läuft nur so mit, hält alles diskret zusammen. Und reichlich fantastisch ist auch die Geschichte über eine erstaunlich schlaue Maus (sie kann lesen und Computer bedienen), in der sich reale Ereignisse mit Fantasie verbinden.

Ab 6 Jahren

Reden ist silber, Reden ist gold – Oliver Schlick: »Rory Shy. Der schüchterne Detektiv«

Na, dieser Rory Shy ist ja 'ne Kanaille! Total berühmt und erfolgreich, aber so schüchtern! Matilda fällt aus allen Wolken als sie dem Detektiv zufällig begegnet – er klebt mit seiner Zunge an der Kühlerhaube eines Wagens – und entdeckt, dass er vor Schüchternheit keinen geraden Satz ohne Ähs und Öhs sprechen kann. Warum ist er dennoch so erfolgreich? Das ist Rorys großes Geheimnis, und Matilda, die alte Plaudertasche, bekommt es raus und hilft ihm bei seinem nächsten Fall.

Dies ist ein richtig schöner Kinderroman in bester Detektivtradition, der durch originelle und lustige Figuren auffällt und fabelhaft geschrieben ist. Matilda ist eine richtig coole Socke, die die Erwachsene durchschaut und weiß, wie man sie führen muss.

Ab 10 Jahren

Reise in eine andere Welt – C. S. Lewis: »Die Narnia Chroniken« als Hörspiel

Ab auf die Couch, Keksteller auf den Bauch. Man kann ja nicht immer lesen, sondern kann auch einfach mal zuhören. Zum Beispiel dieses spannende Hörspiel über die Nachbarskinder Polly und Digory, die von einem Londoner Dachboden in die Parallelwelt Narnia geraten. Dort wecken sie versehentlich die böse Hexe Jadis, die nun mit ihnen in ihre Welt möchte, um sie zu erobern.

Dieser Klassiker erschien 1950 und gehört damit wahrscheinlich zu den Grundsteinen der Fantasy-Kultur, der wir auch »Harry Potter« zu verdanken haben. Exzellente Radioproduktion mit großartigen Sprecherinnen und Sprechern (besonders Valery Tscheplanowa als Jadis ist beeindruckend), begleitet von stimmungsvoller Musik und Gesang.

Ab 10 Jahren

Die Rache des Herzbaums – Kiran Millwood Hargrave: »Der Winter des Bären«

Jetzt wird es frisch, denn diese märchenhafte Geschichte spielt in einem Land hoch im Norden. Hier leben vier Geschwister ohne ihre Eltern in Armut und Kälte und warten auf die Rückkehr des Vaters. Seit fünf Jahren herrscht ein harter Winter und genauso lange ist auch schon ihr Vater verschwunden. Als der Bruder mit einem merkwürdigen Mann verschwindet, machen sich die anderen auf die Suche ihm und geraten in gefährliche und magische Situationen.

Spannender Fantasy-Roman, in dem Bäume und Tiere magische Kräfte haben, ohne dass es kitschig ist. Dies ist der guten Übersetzung von Claudia Feldmann verdanken, die einen klaren Sound für diese besondere Winterstimmung gefunden hat. Manchmal wünscht man sich nur, dass die Kinder nicht so viel streiten und einander mehr vertrauen. Aber so ist das mit Geschwistern.

Ab 10 Jahren

Cellulite ist wie Lachgrübchen – Nina Brochmann, Ellen Støkken Dahl: »Schamlos schön« 

Aufklärungsbuch vornehmlich für Mädchen, das über alles, was so ab zwölf Jahren im (Menstruation) und am (Brüste, Pickel) Körper passiert. Sex ist aber nur ein Thema von vielen. Es geht auch um schräge Schönheitsideale, Tipps für den BH-Kauf, Selbstbestimmung, Nacktbilder im Internet und das richtige Rasieren. Geschrieben von zwei Frauen, die es wissen: Die beiden Norwegerinnen sind Ärztinnen und haben auf alles schnörkellose und dennoch einfühlsame Antworten. Aber das alles wäre nicht so interessant, wenn die Texte nicht auch Illustrationen hätten, die das Ganze richtig cool aussehen lassen.

Wer schlau ist, hängt dieses Geschenk nicht an die große Weihnachtsglocke, sondern legt es einfach unter den Tannenbaum, auf dass die Beschenkte es sich in einem ruhigen Moment anschauen möge. Die Lektüre lohnt sich natürlich auch für Erwachsene. Um eigene Lücken zu schließen oder sich zu erinnern, wie das damals war. 

Ab 12 Jahren