Krimis aus Island Wo Wetter und Mordlust toben

Dunkel ist's, einsam und eiskalt: Wer in Island Inspiration für einen Krimi braucht, muss nur aus dem Fenster schauen. Drei Neuerscheinungen aus dem Gastland der Frankfurter Buchmesse zeigen, wie Autoren im hohen Norden das Wetter in raffinierte Plots um Morde, Geister und Strukturwandel einflechten.

Vulkanausbruch auf Island: Manchmal bricht sich auch die Gewalt auf der Insel Bahn.
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Vulkanausbruch auf Island: Manchmal bricht sich auch die Gewalt auf der Insel Bahn.

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Teufel auch, wenn die Natur die Hälfte des Jahres schon so unwirtlich ist, muss man sie eben auch für den dramatischen Effekt einsetzen. Die Voraussetzungen in Island sind für Spannungsliteratur ideal: die Dunkelheit, die Kälte, die Einsamkeit, dazu der alles verdeckende Schnee und der brüllende Wind, der alle Geräusche dämpft. Hach, all das Potential für zusammenbrechende Infrastruktur! Handys haben keinen Empfang, aufladen kann man sie auch nicht, Straßen sind unpassierbar, Boote nicht einsatzfähig, Flüge werden gestrichen. Überall Menschen, die von der Zivilisation abgeschnitten in der eisigen Einöde stranden: Wenn dann mal kein Mord geschieht! Vom Geisterglauben und dem Einfluss der Elfen einmal ganz zu schweigen.

Kein Wunder also, dass isländische Krimiautoren - wie ja auch ihre skandinavischen Kollegen - die Natur und ihre Kapriolen einsetzen, um eine unheimliche Atmosphäre zu kreieren. Das Wetter ist das alles bestimmende Thema aller Isländer. Und der Winter die isländischste aller Jahreszeiten. Zur Frankfurter Buchmesse, bei der Island in diesem Jahr Gastland ist, sind nun drei Krimis erschienen, die diese Wetterfühligkeit in ihren Plots spiegeln.

1. Ragnar Jonasson: "Schneebraut"

Darum geht's: Ein 91-jähriger Schriftsteller fällt betrunken die eisglatte Treppe herunter, aber nicht ganz ohne Schubsen; eine Frau liegt als blutverschmierte "Schneebraut" halb nackt und halb tot im Schnee. Und das alles im trüben Dezember in Siglufjörður, in der Mitte der isländischen Nordküste, wo die Laienspielgruppe gerade das alljährliche Theaterstück einstudiert. Dazu allerhand dubioses Personal: ein paar Fremde aus Dänemark, Spielsüchtige, aufblühende Affären. Und mittendrin der Polizisten-Neuling Ari aus Reykjavik, der weder die Bewohner noch sein Handwerk so richtig kennt.

Das lernt man über Island: In den langen dunklen Wintern entfalten die Isländer ihr kreatives Potential - und sei es im Dorftheater. Auch in "Schneebraut" wieder Thema: Die sterbende Fischerei, mit nostalgischen Geschichten über Boote voller Heringe, und darüber, dass manch einer nur zwanzig Minuten brauchte, um ein Fass mit Fischen zu salzen. Korrekte Jobbeschreibung: Man arbeitet "in Hering".

Der Satz, der alles sagt: "Der blutrote Schnee neben ihr sah in den Augen des Jungen wie eine Dekoration aus, wie eine farbige Verzierung im weißen Schnee."

Das taugt's: Es ist ein gelungener Kammerspiel-Plot, übertragen auf ein Dorf. Ein klassischer Whodunit mit einer ganzen Theatergruppe voller Verdächtiger. Und am Ende war's einer, den man nicht auf der Liste hatte. Was will man mehr. Das Setting ist zwar wenig subtil auf Dramatik konstruiert, aber es funktioniert eben. Sprachlich braucht es zwar ein wenig, um in Gang zu kommen, aber nach 70 Seiten hat man die hölzernen Passagen vom Anfang vergessen.

Und nun das Wetter: Es ist Dezember und schneit auf jeder Seite. Selbst die Geländewagen der Polizei haben da keine Chance mehr. Gegen Ende geht noch eine Lawine ab: Alle Wege ins Dorf und aus dem Dorf heraus sind versperrt.

Buchtipp



insgesamt 3 Beiträge
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Seite 1
s_julchen 13.10.2011
1. Einen vergessen...
Mein liebster isländische Schriftsteller Hallgrimur Helgason wurde leider vergessen...Sein Roman "Zehn Tipps, das Morden zu beenden und mit dem Abwasch zu beginnen" beschreibt den Weg eines New Yorker Killers zu seinem neuen, bescheidenen Leben in der isländischen Provinz. Das Idyll hält natürlich das ein oder andere Hinderniss für ihn bereit, sei es nun das Wetter, die Geländewagen oder die Frauen. Sehr witzig geschrieben und wer die Chance haben sollte den Autor bei einer Lesung zu erleben, sollte sich dieses Erlebnis nicht entgehen lassen!
Kuppelbauer 13.10.2011
2. Hinunter
Zitat von sysopDunkel ist's, einsam*und*eiskalt: Wer in Island*Inspiration für einen*Krimi braucht, muss nur aus dem Fenster schauen. Drei Neuerscheinungen aus dem Gastland der Frankfurter Buchmesse zeigen, wie Autoren im hohen Norden das Wetter in raffinierte Plots um Morde, Geister und Strukturwandel einflechten. http://www.spiegel.de/kultur/literatur/0,1518,791361,00.html
Der Schriftsteller fällt die Treppe HINUNTER, sont wäre mit seiner Sprache etwas nicht in Ordnung!
RRoger 14.10.2011
3. Mittelhochdeutsch.
Zitat von KuppelbauerDer Schriftsteller fällt die Treppe HINUNTER, sont wäre mit seiner Sprache etwas nicht in Ordnung!
*Oberlehrer-Modus an* http://www.duden.de/rechtschreibung/heruntergeben *Obleherer-Modus aus* Die Sprache ist sehr wohl in Ordnung.
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