Kulturtipp des Monats Jeffrey Eugenides plant seinen Mai

Der frisch gekürte Pulitzer-Preisträger möchte zur Richard-Artschwager-Schau und zu den White Stripes ­ weil die Band, wie er, aus Detroit stammt.

Was der amerikanische Schriftsteller Jeffrey Eugenides, 43, am 29. Mai machen wird, steht schon fest: An diesem Tag ist er in New York, um den Pulitzer-Preis für seinen Roman "Middlesex" entgegenzunehmen. Vermutlich eine langweilige Zeremonie, sagt er, aber wenigstens gebe es keine Reden, sondern nur ein förmliches Mittagessen. Seine Familiensaga eines Hermaphroditen erscheint am 7. Mai im Rowohlt Verlag auf Deutsch. Bevor Eugenides in die USA fliegt, ist er in Italien auf Promotion- und Lesetour. In Berlin, wo er seit einigen Jahren mit Frau und Tochter lebt, wird er im Mai "höchstens eine Woche bis zehn Tage" sein ­ wenig Zeit, um an seinen eigenen Texten zu arbeiten: einem Roman, einer Kurzgeschichte und einem Essay über Dorian Gray.

Unbedingt will Eugenides aber das Konzert der White Stripes sehen. Am Ende einer Lesetour in den USA war er nämlich in Madison (Wisconsin) in eine Bar geraten, "wo 20-Jährige neue Rockmusik spielten", und hat dort die Band für sich entdeckt. Auch weil sie, wie er selbst, aus Detroit stammt. Ansonsten hört er Eminem, auch aus Detroit natürlich, und freut sich, dass seine Tochter auch ein Fan ist.

Da Eugenides im Mai oft unterwegs ist, packt er viel zum Lesen ein ­ vor allem Manuskripte von Kollegen, über die der Pulitzer-Preisträger freundliche Worte für den Buchumschlag abgeben soll. Zeit nimmt er sich auch für "The Fly Swatter" (Pantheon), eine Biografie des Harvard-Ökonomen Alexander Gerschenkron. Geschrieben wurde sie von dessen Enkel Nicholas Dawidoff, der auch für einen Pulitzer-Preis nominiert wurde.

Mehr als einmal pro Monat schafft er es nicht ins Kino, diesmal hat er sich den Favela-Film "City of God" (ab 8.5.) vorgenommen. Geplant ist auch ein Besuch der Richard-Artschwager-Ausstellung im Berliner Guggenheim-Museum (ab 10.5.). Der Konzeptkünstler hat mit Eugenides' Frau, einer Fotografin, studiert, doch der Autor fand erst Gefallen an den Arbeiten, als er sie zufällig in einer New Yorker Galerie sah. Im Brandenburgischen Kunstverein Potsdam sieht er sich "Space is the Place" mit Installationen des Berliner Künstlers Pash Buzari an (ab 16.5.). Und er verbindet Wichtiges mit Angenehmem: erst ein Termin bei seinem Hamburger Verlag, dann ein Abstecher zu "Arne Jacobsen ­ Absolut Modern".

Marianne Wellershoff

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