Bestsellerautorin Isabel Bogdan "Natürlich macht ein lustiges Buch mehr Spaß"

Der Autorin und Übersetzerin Isabel Bogdan ist mit ihrem Romandebüt "Der Pfau" ein Bestseller gelungen. Jetzt erscheint ihr neuer Roman "Laufen" - ein Buch über Trauer. Hier erzählt sie, wie es dazu kam.
Isabel Bogdan: Bitte keine Geflügelausstellung

Isabel Bogdan: Bitte keine Geflügelausstellung

Foto: Smilla Dankert
Zur Person

Isabel Bogdan, 1968 in Köln geboren, war in der Literaturszene lange vor allem als Übersetzerin bekannt, sie übertrug unter anderem Bücher von Jane Gardam, Nick Hornby und Jonathan Safran Foer ins Deutsche. 2016 erschien ihr erster eigener Roman, "Der Pfau", der mit britisch klingendem Humor von einem Teambuilding-Wochenende in den schottischen Highlands erzählte. Das Buch stand monatelang in der SPIEGEL-Bestsellerliste.

SPIEGEL: Frau Bogdan, ist der zweite Roman wirklich der schwierigste?

Bogdan: Das habe ich jetzt drei Jahre lang gehört. Seit "Laufen" fertig ist, höre ich: Nein, den zweite Roman bekomme man immer noch irgendwie hin, wirklich schwierig sei erst der dritte. Seitdem halte ich mir einfach die Ohren zu.

SPIEGEL: Wieso haben Sie sich dafür entschieden, nach einer Satire ein Buch über Trauer zu schreiben?

Bogdan: Einer der Aspekte, die ich am Übersetzen immer geschätzt habe, ist die Tatsache, dass mit jedem neuen Buch etwas ganz Neues und Anderes kommt. Und ich möchte mich auch als Autorin nicht gern in irgendeine Schublade begeben, egal welche. Das Leben ist auch nicht immer lustig, die Trauer gehört dazu.

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Bogdan, Isabel

Laufen: Roman

Verlag: Kiepenheuer&Witsch
Seitenzahl: 208
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SPIEGEL: Und das Laufen. Das Leitmotiv Ihres Romans. Was macht dieses Thema mit dem Sprachrhythmus?

Bogdan: Es übernimmt ihn ganz automatisch. Wenn man selbst läuft und sich beim Schreiben die Gedanken beim Laufen vorstellt, gerät man automatisch in dieses Rhythmische, Schnelle, mit vielen Kommas und wenigen Punkten. Meine Läuferin ist am Anfang völlig untrainiert, da ist der Rhythmus noch ziemlich atemlos; im Laufe des Romans wird sie fitter und entspannter, und das schlägt sich auch im Sprachrhythmus nieder.

SPIEGEL: Was war erst da: die Idee, das Laufen literarisch zu verarbeiten oder der Wunsch, über Trauer zu schreiben?

Bogdan: Zuerst hatte ich genau diesen laufenden Sound, den Sound einer Frau, die am Ende ihrer Kräfte ist. Als ich noch überlegte, in welche Krisensituation ich sie stürze, nahm sich ein Bekannter von mir das Leben, und ich konnte nicht aufhören, darüber nachzudenken, was das mit seiner Frau und seinen Kindern macht.

SPIEGEL: Wie haben Sie diese Themen, Trauer, Suizid, recherchiert?

Bogdan: Ich habe mit Menschen gesprochen, die Vergleichbares erlebt haben. Und mit einer befreundeten Psychotherapeutin, die mir viel über Depressionen und den therapeutischen Umgang damit, aber auch viel über meine literarische Figur erklärt hat.

SPIEGEL: Kommt daher die Idee, dass Ihre Hauptfigur durch das Laufen wieder ins Leben findet?

Bogdan: Ich bin überzeugt, dass Trauer auch immer körperliche Arbeit ist. Wie wahrscheinlich jede starke Emotion. Und dass es gut ist, dieser körperlichen Arbeit, die man gar nicht beeinflussen kann, und die sich eher nach innen richtet, ein Ventil zu geben, indem man dem Körper Bewegung abverlangt und diese Arbeit sozusagen nach außen abgibt.

SPIEGEL: Macht es mehr Freude, ein lustiges Buch zu schreiben als ein Buch über den Suizid eines Partners?

Bogdan: Schreiben macht überhaupt keine Freude, es ist die Hölle. Etwas geschrieben zu haben, ist allerdings super. Natürlich macht ein lustiges Buch mehr Spaß. Hinzu kommt, dass ich beim ersten sozusagen unschuldiger war. Ich habe es mal ausprobiert, niemand hat etwas von mir erwartet. Das war jetzt anders, und das macht natürlich auch Druck.

SPIEGEL: Wie fand es Ihr Verlag, dass Sie sich nach diesem Krachererfolg Ihres Romandebüts neu erfunden haben?

Bogdan: Ich glaube, anfangs haben sie kurz geschluckt. Aber dann haben sie mich voll unterstützt und meine Entscheidung nicht weiter in Frage gestellt, sondern mich bestärkt und ermutigt.

SPIEGEL: Sie gelten als Liebling des deutschen Buchhandels,. Was sagen die Buchhändlerinnen zu Ihrem Themenwechsel?

Bogdan: Ich höre immer wieder, dass sie es mutig finden. Und richtig. Mir selbst kam es gar nicht so mutig vor - etwas so vollkommen anderes zu schreiben, ist natürlich eine Entscheidung, die man sehr bewusst trifft, aber ich finde sie nach wie vor richtig. Und das höre ich auch aus dem Buchhandel.

SPIEGEL: Was schreiben Sie gerade, einen Krimi?

Bogdan: Ich übersetze die nächste Jane Gardam.


Offenlegung: Isabel Bogdan und Takis Würger kennen sich von einer gemeinsamen Lesereise im Jahr 2017.

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