Nach "Imperium"-Debatte Christian Kracht sagt Lesung auf Leipziger Buchmesse ab

Er schweigt: Christian Kracht hat eine Lesung auf der Leipziger Buchmesse ausfallen lassen, nur in der Uni-Bibliothek mag er aus seinem Roman "Imperium" vorlesen. Einer Diskussion über sein vermeintlich rechtes Weltbild stellt sich der Autor weiterhin nicht.

Noah Ben-Shalom

Leipzig/Berlin - Sein Buch erklimmt die Bestsellerlisten, doch der Autor hat keine Lust auf Öffentlichkeit: Nach dem Wirbel um sein Buch "Imperium" geht der Schriftsteller Christian Kracht auf der Leipziger Buchmesse der Öffentlichkeit aus dem Weg. Eine für Donnerstag auf der Messe geplante Lesung aus dem Roman "Imperium" wurde gestrichen.

"Er hat alle Gespräche abgesagt", sagte Gaby Callenberg, Sprecherin des Verlags Kiepenheuer & Witsch. Kracht wollte lediglich am Donnerstagnachmittag eine Signierstunde geben und am Abend in der Leipziger Universitätsbibliothek Bibliotheca Albertina lesen. "Imperium" hatte eine hitzige Debatte ausgelöst, nachdem der SPIEGEL-Kritiker Georg Diez Kracht ein rechtes Weltbild vorgeworfen hatte - freilich begründet weniger mit dem Inhalt des Romans selbst, als mehr mit einem als Buch vorliegenden Briefwechsel Krachts mit dem US-Amerikaner David Woodard.

Nach Erscheinen der SPIEGEL-Kritik hat Kracht bisher jeden Kommentar verweigert, auch zu zwischenzeitlich aufgekommenen Plagiatsvorwürfen hat er keine Stellung bezogen. Die eigentlich in Berlin vorgesehene Präsentation sagte er ab undstellte sein Buch stattdessen in Zürich vor - allerdings ohne sich einer Diskussion zu stellen.

kuz/dpa



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tellhelmwil 15.03.2012
1.
Zitat von sysopNoah Ben-ShalomEr schweigt: Christian Kracht hat eine Lesung auf der Leipziger Buchmesse ausfallen lassen, nur in der Uni-Bibliothek mag er aus seinem Roman "Imperium" vorlesen. Einer Diskussion über sein vermeintlich rechtes Weltbild stellt sich der Autor weiterhin nicht. http://www.spiegel.de/kultur/literatur/0,1518,821554,00.html
Sehr geehrte Damen und Herren von SPON, gerade habe ich Christian Krachts "Imperium" gelesen und möchte mich an Sie wenden, betreffend der Kritik durch Georg Diez. Ich finde es fatal, dass ein so grossartiger zeitgenössicher Schriftsteller wie Kracht durch naive und denunziantische Äusserungen von Herrn Diez in die nähe des Rassismus gestellt wird. Die Kritik von Herrn Diez ist ohne jede Grundlage, es erscheint mir er habe ein völlig anderes Werk gelesen. Was der selbst ernannte Kritiker Diez nicht bedenkt, durch das unüberlegte Schwingen der braunen Keule können in Deutschland nicht nur falsche Verdächtigungen in den Raum gestellt werden, die von vielen Menschen widerspruchslos übernommen werden, nein sie können auch zur Vernichtung einer Existenz führen. Das Diez nun, ob des Gewitters dass über Ihn (zurecht) einbricht, halbherzig zurückrudern will und nun lediglich sein "Unbehagen" zum Ausdruck bringen möchte, verstärkt nur den Eindruck eines literarischen Pygmäen. Niemand nimmt ihm ab, er habe nicht realisiert wie beladen der Begriff "Rechts" im Jahre 2012 in unserem Land ist, nicht nach den schrecklichen Ereignissen von Zwickau. Zurecht muss man fragen ob einer wie Diez nicht vielmehr motiviert war, aufgrund eines ausgeprägten Neids den Pechkübel über Kracht ausschütten zu wollen. Betrachtet man das, bescheidene und sehr übersichtliche Werk von Diez (wer kennt eigentlich "Der Tod meiner Mutter" ?) und stellt dem gegenüber das grossartige Werk von Kracht wird klar dass hier nicht auf Augenhöhe gerichtet oder geschrieben wird.
wwwwalter 16.03.2012
2. Verkrachte Ansichten
Nicht wegzudiskutieren ist der Briefwechsel mit Woodard. Mehr als befremdend und möglicherweise ein Einblick in die tieferen, dunklen Regionen der Gedankenwelt Krachts, die er selbst eigentlich gerne verheimlichen möchte. Es könnte doch sein, dass Kracht genau weiß, wie weit er gehen kann und darf. Im Falle von Imperium mag er das noch hinbekommen haben, dieser Briefwechsel aber... Kracht duckt sich jetzt weg und nimmt nicht Stellung. Er wird schon wissen warum. Einen Roman kann man nie völlig losgelöst vom Rest des Werkes und von anderen öffentlichen Äußerungen eines Schriftstellers bewerten, das wäre naiv. Es gehört alles irgendwie zusammen, und Herr Diez hat eben versucht diese Querbeziehungen herzustellen. Völlig legitim, finde ich.
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