Leipziger Literaturschau "Junge Freiheit" protestiert gegen Messeverbot

Mit einer Unterschriftenkampagne protestiert die nationalkonservative Wochenzeitung "Junge Freiheit" gegen den Ausschluss von der Leipziger Buchmesse. Die Messebetreiber erwägen jetzt rechtliche Schritte gegen den Vorwurf des Blattes, der Ausschluss sei "aus politischen Gründen" erfolgt.

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Hamburg - Die Anzeigen erschienen heute in der "Süddeutschen Zeitung" und der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", zwei weitere Blätter hatten den Abdruck abgelehnt: Unter der Überschrift "Appell für die Pressefreiheit" ruft die nationalkonservative "Junge Freiheit" die Leipziger Messe auf, die Ausladung des Wochenblattes von der Buchmesse vom 16. bis 19. März zurückzunehmen. Es folgt eine Auswahl der nach eigenen Angaben mehr als 300 Unterzeichner des Appells, unter anderem werden der Historiker Joachim Fest und der CSU-Bundestagsabgeordnete Peter Gauweiler aufgelistet.

Überraschenderweise ist auch der Schriftsteller und Mitgründer sowie Autor des Satiremagazins "Titanic" Eckhard Henscheid aufgeführt, der früher unter anderem für die linksgerichtete Zeitschrift "Konkret" geschrieben hat. Das Messeverbot für die Wochenzeitung sei "daneben", sagte Henscheid im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Henscheid sprach von einem generellen "Meinungsterror der Linken".

Für die "Junge Freiheit" ist die Angelegenheit klar: Das Blatt, das auf der Messe mit einem eigenen Stand präsent sein wollte, soll "aus politischen Gründen" von der Veranstaltung ferngehalten werden. In E-Mails an mögliche Unterzeichner des Appells ist daher von einem "unglaublichen Skandal" die Rede, der Vorgang, schreibt Chefredakteur Dieter Stein darin, schreie "zum Himmel".

Aus Sicht der Leipziger Messe stellt sich die Sachlage allerdings etwas anders dar: Demnach erfolgte der Ausschluss, weil das Blatt zusätzlich zu seinem Messestand eine Sonderveranstaltung zum zwanzigjährigen Bestehen des Zeitungsverlages beantragt hatte. Die Messeveranstalter befürchteten Protestaktionen und sahen die Sicherheit der Besucher nicht gewährleistet. Entsprechend teilte die Messe der "Jungen Freiheit" nach mehrfachem Briefwechsel in einem Schreiben am 30. Januar mit, dass es bei der Entscheidung bleibe, "Ihnen für die kommende Buchmesse keine Zulassung zu erteilen", weil die "ordnungsgemäße Durchführung" gefährdet sei.

Im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE betonte Messesprecherin Heike Fischer, dass die Veranstalter durchaus einen Messestand der "Jungen Freiheit" genehmigt hätten, wenn es dem Blatt nicht auch darum gegangen wäre, auch sein Jubiläum am Messestand zu feiern. Die "Junge Freiheit" sei bereits drei Mal Aussteller in Leipzig gewesen, sagte Fischer. "Die Unterstellung, die Nichtzulassung sei politisch motiviert, ist falsch", sagte Fischer. Die Messe behalte sich "rechtliche Schritte" gegen diesen Vorwurf vor.

Dagegen fordert Chefredakteur Stein eine Entschuldigung der Messe. Für ihn stehe fest, dass es den Veranstaltern um eine "grundsätzliche Ablehnung" gehe, sagte er heute. Sein Verlag müsse wie jeder andere auch an der Messe teilnehmen dürfen.

Die Wochenzeitung ist seit langem umstritten und gilt als Rechtsaußen-Blatt. 2004 sagte der NPD-Vorsitzende Udo Voigt in einem Interview mit der "Jungen Freiheit", bei Adolf Hitler habe es sich "zweifellos um einen großen deutschen Staatsmann" gehandelt, die Bundesrepublik sei ein "illegitimes System", das durch "revolutionäre Veränderung" abzuwickeln sei - wenngleich Chefredakteur Stein in derselben Ausgabe die Interview-Aussagen von Udo Voigt kritisiert hat. 1994 und 1995 war das Blatt in den Verfassungsschutzberichten des Landes Nordrhein-Westfalen in Kapiteln über rechtsextremistische Bestrebungen genannt worden. Das Bundesverfassungsgericht hatte diese Einstufung im vergangenen Jahr als Verletzung der Pressfreiheit gewertet.



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