Leser über Walser & Co. "Dichter STATT Denker"

3. Teil: Bitte klicken Sie hier und lesen Teil 3 der Lesermails: "Ist Antisemitismus nur eine Worthülse?"


Kritisierter Kritiker Reich-Ranicki: Was ist "miserable Literatur"?
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Kritisierter Kritiker Reich-Ranicki: Was ist "miserable Literatur"?

Der Berufskritiker, Verreißer und Karrierenvernichter wird krititisiert. Daß diese entlarvende Demontage unserem selbstverliebten und apodiktischen Literaturpapst - Lieblingswort: "Misserraabel" - nicht zusagt, hätte Walser wissen müssen.Glaubt Marcel Reich-Ranicki eigentlich, unter einem besonderen Schutz zu stehen ?? Wer Thomas Bernhards "Holzfällen" heiß empfielt, sollte etwas Spott vertragen können. Widerlich vor allem, wie sich Schirrmacher mit geradezu abstoßender Berechnung ungefragt zum Zensor und Anwalt aufschwingt. Verbieten wir doch das Buch. Walser sollte sich öffentlich entschuldigen und sich verpflichten, fürderhin seine Skripts vor einer beabsichtigten Veröffentlichung von Herrn Reich-Ranicki absegnen lassen.

Friedrich von Stein/Ralph Kühne, Aberdeen


Der Dreh- und Angelpunkt der Debatte um Walser, Möllemann e tutti quanti scheint doch der zu sein: Was genau ist Antisemitismus? Dass es sich dabei eben nicht um ein Phänomen handelt, das sich auf Hasstiraden glatzköpfiger Dummbeutel beschränkt - darüber scheint es in der deutschen Öffentlichkeit wenig Klarheit zu geben: wie tief er in unserer Kultur verwurzelt ist (wer weiß schon vom Antijudaismus, der aus Bachs Musik in der Johannes-Passion spricht), wie wenig er oft seinen Trägern bewusst ist. Wenn wir wirklich "aus der Geschichte gelernt" haben wollen - wäre nicht dann dies die mindeste Anforderung, dass wir uns geduldig, genau und ernsthaft hierüber verständigten? Wäre das - im Sinne demokratischer Selbstaufklärung - übrigens nicht ein Projekt, das des SPIEGELs würdig wäre?

Thomas Seifert, Münster


Der Vorgang erinnert an Verhältnisse in der ehemaligen Sowjetunion. Die Parteipresse attackierte unbequeme Bücher welche nicht öffentlich zugänglich waren.

Manuel Distel, Singapur


Spannend der Eklat, langweilig die Kontrahenten! Der gute Herr Schirrmacher hat den Moment beim Schopf ergriffen, mit unverlangt öffentlicher Kritik zu DEM Thema mit derzeit extremstem Aufmerksamkeitspotenzial erstens mehr Leser für die FAZ zu gewinnen und zweitens für einen überproportionalen Buchabsatz des schreibenden Opas Walser zu sorgen. Gutes Timing! Der denkt langsam, der bei diesem Eklat meint, einer der Beteiligten könne am Ende als Verlierer dastehen. Leider, ähnlich wie bei Grass, gewinnen die alten tippenden Langeweiler mehr Leser als sie verdient hätten. Der eine tritt als weißgelockter Teufel auf, der andere als untersetztes Engelchen. Und Reich-Ranicki, der Umstrittene? Er lebt als Kritiker-Pabst in einem Land, in dem er derzeit selbst der vielleicht interessanteste Autor ist.

Volker Wilde, Köln


Typisch: Zeit seines Lebens hat der Mensch ausgeteilt, gestraft, vernichtet. Aber wehe er soll auch einmal einstecken: "Gewalt geschrien! Gewalt geschrien!". Eben professionelles Opfer!

Rainer Vogel, Ulm


Tja wenn dieser Oberpapst dies sagt, muß es ja stimmen. Schön, daß es sowas wie ihn gibt, der uns sagt was gut und was schlecht ist.

A. und U. Bittner


Die Hexenjagd ist eröffnet. Nach dem Autor des Romans "Der Vorleser" und Möllemann ist jetzt Martin Walser "dran". Mit dem Totschlagargument "Antisemitismus" wird die Einhaltung einer falsch verstandenen politischen Korrektheit gefordert.

Die Meinungsfreiheit und die Freiheit der Kunst sind in diesem unserem Lande in Gefahr!

Klaus Winkler, München


Wenn Walser nur den, wie er sagt, unfairen Literaturkritikbetrieb via Massenmedien attakieren/parodieren will, warum nimmt er nicht eine fiktive Romanfigur die man auf keinen Fall mit Reich-Ranicki verwechseln kann? Der Mann scheint aus seiner Paulskirchenrede nichts gelernt zu haben. - Dichter STATT Denker!

Jesse Meyer-Arndt, Hamburg


Herr Walser, was ist denn nur mit Ihnen los? Wer oder was hat Sie so tief verletzt, dass Sie es mit solchen Geschichten heimzahlen wollen? Sie tun mir leid.

B. Mamrud


Ja, der Herr Walser... Es geht ja nach seiner Auffassung offenkundig ganz sicherlich nicht um antisemitische Ressentiments oder Geschichtsrevisionismus, so wie Herr Walser "Jud Süss" sicherlich nicht als antisemitisch bezeichnen würde, schließlich geht es darin ja auch nur um eine bestimmte Person. Mag man auch den alternden "Großkritiker" MRR mit Recht kritisieren, den "Großliteraten" Walser hat er nun wirklich nicht verdient.

Wolfgang Dirschauer


(Über den Fall an sich:) Wird jetzt der Antisemitismus benutzt, um die Meinungsfreiheit zu beschränken? Das erinnert einen recht schnell an totalitäre Gesellschaften. Sind nun alle "Gaga" geworden?

(Über die Reaktion von Marcel Reich-Ranicki): Was könnte man denn anders von dem eitlen Herrn Rainicki erwarten. Alle besonders begabte Persönlichkeiten haben so eine "Macke". Aber ersparen Sie uns "normalen" Leute bitte diese intellektuellen Höhenflüge ins Nichts.

Claus Grunow


Möchte nicht der SPIEGEL einen Vorabdruck machen? Nur so sehe ich mich in der Lage, die ganze Aufregung einigermaßen nachzuvollziehen. Andernfalls sehe ich mich doch noch gezwungen, einen Roman Martin Walsers zu kaufen, dessen beste literarische Erzeugnisse meines Erachtens die Tassilo S. Grübel-Krimis waren.

Sigmund Gassner, Erlangen


Wer ist Walser? Muss man den kennen? Bei der Aufregung verkauft sich die Schwarte bestimmt gut. Schade. Aber wer ist Walser?

Robert H. Neumann, Dortmund


Deutschland ist ein kleines enges Land, weil sein Establishment aus kleinen engen Menschen besteht. Früher waren die Antisemiten die Demagogen, jetzt sind es die Antisemiten-Jäger.

Herr Schirrmacher ist der Herausgeber der FAZ. Was soll ich jetzt noch über dieses Blatt denken? Wenn ich Herausgeber wäre, würde ich eine Absage nicht so bringen, dass sie dem Autor und seinem Werk auch noch nützt. Deshalb vermute ich: Schirrmacher findet das Buch insgeheim gut, musste es aber als Zugeständnis an Marcel und die gegenwärtige Diskussion erstmal ablehnen. An die Adresse aller Neu-Demagogen: "Das ist der ganze Jammer: die Dummen sind so sicher, die Gescheiten so voller Zweifel." ( Bertrand Russell)

Mike Behrendt


Ich habe das Buch von Walser nicht gelesen und mich interessiert eigentlich auch nicht ob MRR ein Jude ist oder nicht. (btw: ich finde ihn toll. denke aber auch, dass er das rückgrat haben muss, das Buch von walser zu tolerieren/ignorieren - das ist demokratie, wie ich sie verstehe) Mich interessieren nur Menschen. Ich muss vorweg sagen, dass ich Möllemann für einen Populisten halte, der seine 18% auf unlauterem Wege, nämlich durch das Schüren von Emotionen und "Urängsten" zu erreichen versucht. Ich bin allerdings ein strikter Gegner der sog. "political correctness". Ich muss als denkender Mensch das Recht haben einen Kriegstreiber einen Kriegstreiber nennen zu dürfen. Und genau das ist Sharon. Und Arrafat steht ihm gewiss nicht nach. Aber aufgrund unserer unseligen Vergangenheit, die ich gewiss nicht als Ruhmesblatt deutscher Geschichte verstanden wissen will, darf ich den einen kritisieren und den anderen nicht. Da platzt mir der Kragen. Ich gehöre nicht zur Generation "Zyklon B" und trage keine Schuld an den Untaten meiner Väter (Kollektivschuld ist NAZI-Denken - wie z.B. Sippenhaft). Ich hoffe aber auch, dass dies nie wieder passieren und vergessen wird. Und genau aus diesem Grund kann ich Israels Politik (genauso wenig die Politik der Hammas) tolerieren, die sich gegen unschuldige Menschen richtet. Hass erzeugt Hass. Das kann es nicht sein, was wir Deutsche, gerade unserer Vergangenheit wegen, wünschen können. Rabin, der in meinen Augen die Hoffnung für eine Lösung des Nahost-Konfliktes war, würde sich im Grabe herumdrehen, wenn er dieses erleben würde. Und nur weil ich dieses sage, bin ich kein Antisemit. (Jeder soll nach seiner Facon glücklich werden). Das Getue von Herrn Friedmann würde in letzter Konsequenz bedeuten, dass ich ein Rassist bin, weil ich IDI AMIN verteufelt habe. Friedmann, denke nach! Wir müssen endlich lernen mit unserer Vergangenheit verantwortungsvoll umzugehen. Damit meine ich, dass wir versuchen müssen, Konflikte in der Welt möglichst gewaltfrei zu lösen oder Fanatikern, die ganze Völker in den Ruin stürzen, die Stirn zu bieten. Aber wir dürfen nicht um der Vergangenheit willen heucheln. Dem Herrn Friedmann möchte ich mit auf den Weg geben: Es sind hier nicht zwei Fußballvereine, die um die Meisterschaft spielen und wo die Fanclubs sich gegenseitig beschimpfen. Es geht um unschuldige Menschen, die auf Kosten einer unseligen Feindschaft verheizt werden, auf beiden Seiten. Grabt das Kriegsbeil wieder ein. Deutsche, egal ob Juden, Christen oder Muslime sollten dazu beitragen, dass im Nahen Osten wieder Frieden herrscht. Nur(!) damit erweisen wir unserer Vergangenheit einen Dienst.

Ralf Hirschberger, Altendiez




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