Skandalrede zu künstlicher Befruchtung Schriftstellerin Lewitscharoff entschuldigt sich für "Halbwesen"-Aussagen

Mit ihren Äußerungen zu Retortenkindern und künstlicher Befruchtung sorgte Sibylle Lewitscharoff für Empörung - jetzt hat die Schriftstellerin einen Rückzieher gemacht: Im ZDF-"Morgenmagazin" entschuldigte sie sich für ihre Rede.
Schriftstellerin Lewitscharoff (im November 2011): "Skeptisch gegenüber den modernen medizinischen Methoden"

Schriftstellerin Lewitscharoff (im November 2011): "Skeptisch gegenüber den modernen medizinischen Methoden"

Foto: Hannibal Hanschke/ dpa

Berlin - Autorin Sibylle Lewitscharoff hat sich für ihre Aussagen zur künstlichen Befruchtung und zu Retortenkindern entschuldigt. "Das tut mir wirklich leid, der (Satz) ist zu scharf ausgefallen. Ich möchte ihn sehr gerne zurücknehmen, ich bitte darum", sagte die Schriftstellerin im ZDF-"Morgenmagazin".

Die unter anderem mit dem Büchner-Preis ausgezeichnete Schriftstellerin hatte bei einer Rede im Dresdner Staatsschauspiel Retortenkinder als "Halbwesen" bezeichnet und die Reproduktionsmedizin mit Praktiken aus dem Nationalsozialismus verglichen. "Ich würde niemals ein Kind, das auf diese Weise zur Welt kam, als fragwürdigen Menschen bezeichnen", sagte Lewitscharoff jetzt.

Sie stehe der Reproduktionsmedizin aber nach wie vor kritisch gegenüber. "Den Kindern werfe ich überhaupt nichts vor, sie können nichts dafür, wie sie auf die Welt kamen. Ich bin aber skeptisch gegenüber den modernen medizinischen Methoden. Man sollte stärker diskutieren und sich nicht damit befrieden, dass es diese Medizin gibt - und dann tun wir es eben." Ihr verursache es Unbehagen, dass auf der einen Seite Millionen Kinder in ärmlichen Regionen ein entsetzliches Leben führten, Eltern in reichen Regionen dagegen versuchten, auf künstlichem Wege Kinder zu zeugen.

Noch am Donnerstag hatte Lewitscharoff in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" abgelehnt, sich für ihre Äußerungen zu entschuldigen. "Nein, ich will es nicht zurücknehmen", sagte sie dem Blatt.

Lewitscharoff hatte 1998 für ihren Roman "Pong" den Ingeborg-Bachmann-Preis erhalten. Die Romane "Montgomery" (2003), "Apostoloff" (2009) und "Blumenberg" (2011) folgten. Unter anderem erhielt sie den Preis der Leipziger Buchmesse, den Kleist-Preis und 2013 den Georg-Büchner-Preis.

rls/dpa
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