Stockholm Nobelpreis für Literatur geht an Louise Glück

2019 hatte die Verleihung an Peter Handke zu einem Skandal geführt. Dieses Jahr geht der Nobelpreis für Literatur an die US-Autorin Louise Glück - eine Überraschungssiegerin.
"Unverkennbare poetische Stimme": Louise Glück

"Unverkennbare poetische Stimme": Louise Glück

Niklas Elmehed / Nobel Media

Die Lyrikerin und Essayistin Louise Glück wird in diesem Jahr mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet. Die 77-Jährige werde "für ihre unverkennbare poetische Stimme" ausgezeichnet, mit der sie "mit strenger Schönheit die individuelle Existenz universell" mache, sagte der Ständige Sekretär der Akademie, Mats Malm. Glück hat sich unter anderem der Naturlyrik verschrieben; in ihrem Band "Wilde Iris", der 1992 in den USA erschien und erst 2008 in Deutschland, ließ sie Blumen und Schnee zu Wort kommen. ​In "Averno" schrieb sie den antiken Mythos vom Raub der Persephone durch Hades neu.

Viele Beobachter hatten im Vorfeld erwartet, dass die Wahl in diesem Jahr weniger kontrovers und weniger europäisch geprägt ausfällt. Auch mit einer weiblichen Preisträgerin hatten viele gerechnet; Glück hatte aber nicht zu den Favoritinnen gezählt, die bei den Wettbüros gehandelt wurden. In Deutschland ist sie vor allem Kennern ein Begriff, hier erschienen bislang nur zwei Bücher von Glück.

Die US-Amerikanerin wurde 1943 in New York City geboren und wuchs in Long Island auf. Sie besuchte die Columbia-Universität und das Sarah Lawrence College. Ihr erster Gedichtband "Firstborn" erschien 1968 und wurde von Kritikern für die technische Präzision gelobt - und für die desillusionierte Sprache, mit der sie sich den persönlichen, familiären und existenziellen Nöten ihrer Protagonistinnen näherte. Vieles in ihren frühen Werken gilt als autobiografisch.

Nach der Veröffentlichung von "Firstborn" litt Glück lange an einer Schreibblockade, die sich erst löste, nachdem sie 1971 begann, als Dozentin am Goddard College in Vermont zu arbeiten. Später hatte sie 20 Jahre lang eine Professur am Williams College inne. Heute ist sie "Writer in Residence" und Gastprofessorin für Englisch an der renommierten Yale-Universität in Connecticut. In den USA gilt sie als eine der talentiertesten und besten Poetinnen der Gegenwart. 1993 gewann sie den Pulitzerpreis für Poesie, 2014 den National Book Award.

Dotiert ist der Literaturnobelpreis mit zehn Millionen Kronen (rund 950.000 Euro), vergeben wird sie von der Schwedischen Akademie. In den vergangenen Jahren prägten Skandale das Gremium. Unter anderem hatten 2017 insgesamt 18 Frauen gegen Jean-Claude Arnault, damals Leiter eines Akademie-nahen Kulturforums und Ehemann des damaligen Jurymitglieds Katarina Frostenson, Anschuldigungen wegen sexueller Belästigung vorgebracht, Arnault wurde später wegen Vergewaltigung verurteilt. 2018 fiel die Vergabe aus.

Im vergangenen Jahr wurden deshalb zwei Preise vergeben: an die polnische Schriftstellerin Olga Tokarczuk sowie an den Österreicher Peter Handke. Der Nobelpreis für Handke sorgte für internationale Kritik. Der Autor hatte sich während der Jugoslawienkriege mit Serbien solidarisiert und 2006 auf der Beerdigung des sechs Jahre zuvor gestürzten serbischen Ex-Diktators Slobodan Milošević eine Rede gehalten.

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Seit Anfang der Woche sind bereits die Nobelpreisträger in den wissenschaftlichen Kategorien Medizin, Physik und Chemie verkündet worden. Unter den Auserwählten war mit dem Astrophysiker Reinhard Genzel auch ein Deutscher. Am Freitag wird der diesjährige Friedensnobelpreisträger benannt, zum Abschluss folgt dann am Montag noch der Wirtschaftsnobelpreis, der als einziger nicht auf Alfred Nobels Testament zurückgeht.

eth/dpa
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