Literatur-Tipp Von Haus aus spannend

In Deutschland gibt es exzellente Literaturhäuser mit abwechslungsreichen Programmen. Deren Vielfalt reicht über die Grenzen der Buchdeckel hinaus - und verführt gerade dadurch zum Lesen.

Von KulturSPIEGEL-Autorin


Lesen kann man nur für sich allein, aber das Erlebnis Literatur kann man teilen. Dieser Gedanke trägt die Idee eines Literaturhauses. Sieben solcher Orte gibt es beispielsweise in Hamburg und Köln, in Berlin, Leipzig und Frankfurt/Main, in Stuttgart und München, und es lohnt sehr, einfach mal hinzugehen.

Poesie-Plakat des Münchner Literaturhauses:
Volker Derlath

Poesie-Plakat des Münchner Literaturhauses:

Zu einer der vielen Autoren-Lesungen beispielsweise: Der kanadische Autor Michael Ondaatje ist gerade auf Lesereise in Deutschland, die schottische Schriftstellerin A.L. Kennedy, und auch Katja Lange-Müller stellt ihren Roman "Böse Schafe" vor. Aber längst sind es nicht mehr nur Veranstaltungen, die sich direkt auf Bücher beziehen, mit denen die Programmmacher der Literaturhäuser Interessierte locken.

In Köln beispielsweise wurde Ende August "Das junge Literaturhaus" begründet, eine Reihe von Angeboten und Veranstaltungen, die sich an Jugendliche und junge Erwachsene zwischen zwölf und 20 richten. Da gibt es zum Beispiel einen blog, an dem 35 Jungen und Mädchen arbeiten, spätestens Anfang November wird er im Netz stehen mit literarischen und journalistischen Texten der jungen Macher. Ende September wird das Hörspiel "Tintentod" präsentiert nach dem Roman von Cornelia Funke, der zur gleichen Zeit erscheint.

In München wiederum sind die Menschen im Moment mit Literatur konfrontiert, ob sie wollen oder nicht. Noch bis in den Herbst hinein ist die Stadt auf Initiative des Literaturhauses plakatiert mit junger Poesie, mit Gedichten von jugendlichen Literaturbegeisterten. Da steht man dann, wartet auf die U-Bahn und liest "Ich träume mit ihm zu ziehen. Er jagt die Wolken, begleitet sie auf ihrem langen Weg über den Vergissmeinnichthimmel". Kleiner Lichtblick an einem grauen Sommertag, ganz ohne Vergissmeinnichthimmel.

Das Leben von "Fräulein Else" kann man im Berliner Literaturhaus begutachten, ein Panoptikum von Assoziationen zu Arthur Schnitzlers gleichnamiger Erzählung. Gezeigt wird die Ausstellung "Affairen und Affekte", die sich vor allem mit den Reaktionen auf das literarische Werk des österreichischen Autors beschäftigt, etwa mit den gerichtlichen Verstrickungen um die Veröffentlichung seines Theaterstück "Der Reigen". Es ist eine assoziative und spielerische Ausstellung, die Lust macht, wieder mal Schnitzler zu lesen. Das dann auch gern wieder ganz für sich allein.


Alle Termine unter http://www.literaturhaeuser.net



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