Literatur Wolfgang Hilbig erhält Büchner-Preis

Der Georg-Büchner-Preis der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung geht in diesem Jahr an den Schriftsteller Wolfgang Hilbig.


Wolfgang Hilbig: Auszeichnung wird Ende Oktober verliehen
AP

Wolfgang Hilbig: Auszeichnung wird Ende Oktober verliehen

Darmstadt - Die Auszeichnung ist mit einem Preisgeld von 40.000 Euro verbunden. Die Verleihung des Büchner-Preises soll am 26. Oktober in Darmstadt stattfinden.

Hilbig ist am 31. August 1941 im sächsischen Meuselwitz geboren worden. 1981 ging er in die Bundesrepublik und lebte eine Zeit lang in Nürnberg. Heute wohnt Hilbig in Berlin. Der heute 60-Jährige arbeitete in der ehemaligen DDR zunächst als Schlosser und Heizer, nach der Arbeit schrieb er Gedichte: "Als Kind schon habe ich irgendwann zu schreiben begonnen: wahrscheinlich war dieses Schreiben ein Lektüre-Ergebnis, oder auch das Ergebnis fehlender Lektüre."

Seine Gedichte und Prosawerke sind geprägt von seinen proletarischen Wurzeln. 1979, als im Westen Hilbigs Lyrikband "Abwesenheit. Gedichte" erschien, kam der Schriftsteller in der DDR für einige Wochen in Untersuchungshaft und wurde wegen angeblichen Devisenvergehens zu einer Geldstrafe verurteilt.

Für seinen zuletzt erschienen Lyrikband "Bilder vom Erzählen" erhielt der Autor in diesem Jahr bereits den Peter-Huchel-Preis. Hilbig ist auch Preisträger des Ingeborg-Bachmann-Preises (1989) und des Fontane-Preises der Berliner Akademie der Künste (1997). Als sein bekanntestes Werk gilt der Roman "Ich" (1993) über einen Lyriker, der als Stasi-Spitzel arbeitet.

Mit dem Büchner-Preis, der zu den bedeutendsten und bestdotierten Auszeichnungen der deutschsprachigen Literatur gehört, wurden in der Vergangenheit unter anderem die Schriftsteller Tankred Dorst, Wolf Biermann, Elfriede Jelinek und im letzten Jahr Friederike Mayröcker ausgezeichnet. Bei der Währungsumstellung Anfang des Jahres wurde das Preisgeld von 60.000 DM auf 40.000 Euro aufgestockt.

Namensgeber des Literaturpreises ist der Revolutionär und Dramatiker Georg Büchner, der 1813 im Großherzogtum Hessen geboren und 1837 in Zürich gestorben ist. In seinen Werken ("Dantons Tod", "Woyzeck", "Leonce und Lena") verarbeitete Büchner politische Ereignisse seiner Zeit.

Der Büchner-Preis wird seit 1923 verliehen. Zur anerkannten Literaturauszeichnung wurde er durch die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung, die seit 1950 die Preisträger auswählt. Der Preis darf nur an Schriftsteller und Dichter verliehen werden, die "durch ihre Arbeiten und Werke in besonderem Maße hervortreten und an der Gestaltung des gegenwärtigen deutschen Kulturlebens wesentlichen Anteil haben." Das regelt ein Vertrag mit dem hessischen Kultusminister.



© SPIEGEL ONLINE 2002
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.