Literaturnobelpreisgremium Schwedische Akademie wählt zwei neue Mitglieder

Die Schwedische Akademie, zerstritten über den Umgang mit einem Missbrauchsfall, hat zur Handlungsfähigkeit zurückgefunden: Sie hat zwei neue Mitglieder berufen - eine gebürtige Iranerin und einen Juristen.

Jila Mossaed und Eric M. Runesson
AFP/ Reuters

Jila Mossaed und Eric M. Runesson


Die Schwedische Akademie hat in einer Pressemitteilung bekannt gegeben, dass sie zwei neue Mitglieder gewählt habe. Nach einer Sitzung am Donnerstagabend hatte der kommissarische Ständige Sekretär Anders Olsson gesagt, man habe einen Durchbruch erzielt und könne nun mit der Wahl beginnen. Am Freitag traf er König Carl Gustaf, der formell seine Zustimmung geben muss.

Eines der beiden neuen Akademiemitglieder ist Eric M. Runesson, Jahrgang 1960. Der Jurist, der auch Rechtswissenschaften an der Stockholmer Wirtschaftshochschule lehrte, wurde im Sommer zum Richter am Obersten Gerichtshof Schwedens ernannt. In den vergangenen Monaten hat Runesson schwedischen Medien zufolge zwischen der Akademie und der Nobel-Stiftung vermittelt.

Ebenfalls in die Akademie berufen wurde die Schriftstellerin Jila Mossaed. Sie wurde 1948 in Teheran geboren und kam 1986 nach Schweden. Nach zwei Romanen und Gedichtbänden in persischer Sprache veröffentlichte sie Gedichte auf Schwedisch und wurde mit zahlreichen Literaturpreisen ausgezeichnet.

Skandal um Arnault

Die Schwedische Akademie, die den Literaturnobelpreis vergibt, hat 18 Mitglieder, die auf Lebenszeit gewählt sind. Doch viele hatten ihre Arbeit eingestellt, weil sie nicht damit einverstanden waren, wie mit dem Skandal um den Franzosen Jean-Claude Arnault umgegangen wurde.

Arnault ist mit dem Akademiemitglied Katarina Frostenson verheiratet. Anfang der Woche wurde er wegen Vergewaltigung zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Auch andere Frauen berichteten, von dem Theaterregisseur sexuell belästigt worden zu sein. Außerdem wurde ihm vorgeworfen, Interna aus der Schwedischen Akademie ausgeplaudert zu haben.

Weil die Mehrheit der Akademiemitglieder gegen den Rauswurf von Katarina Frostenson stimmte, stellten drei von ihnen die Arbeit ein, darunter die frühere ständige Sekretärin Sara Danius. Weil andere aus Altersgründen nicht mehr aktiv sind, verlor die Akademie ihre Beschlussfähigkeit, der Literaturnobelpreis musste für dieses Jahr abgesagt werden.

Die beiden Neumitglieder nehmen nun die Stühle der Akademiemitglieder Lotta Lotass und Kerstin Ekman ein, die bereits seit Längerem - und vor dem Skandal um Jean-Claude Arnault - ihre aktive Mitarbeit an der Akademie eingestellt hatten. Nachdem die Möglichkeit zur Aufkündigung der Mitgliedschaft ins Regelwerk der Akademie eingeführt worden war, hatten beide ihren Austritt beantragt, was ihnen im Mai bewilligt wurde, ebenso wie zwei anderen, noch nicht ersetzten Mitgliedern.

feb/dpa

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