Literaturnobelpreisträger José Saramago nennt Berlusconi einen "Virus"

Italien werde von einem Virus bedroht, schimpft der portugiesische Literaturnobelpreisträger José Saramago - und meint damit Silvio Berlusconi. Der italienische Regierungschef sei ein Verbrecher, der die Errungenschaften seines Landes auf den Müllhaufen werfe.

Madrid - Deutliche Worte von einem der wichtigsten Literaten der Welt: Der 1998 mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnete Schriftsteller und Journalist José Saramago, 88, hat den italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi als "Virus" und "Verbrecher" bezeichnet. In einem Artikel für die linksliberale spanische Zeitung "El País" schreibt der aus Portugal stammende Autor, Berlusconi sei eine "Krankheit und ein Virus", das das Land Giuseppe Verdis in den moralischen Tod zu treiben drohe.

Saramago weigert sich sogar, Berlusconi als menschlich zu bezeichnen: In seinem Beitrag für die Zeitung nannte er den Regierungschef eine "Sache, die in gefährlicher Weise einem menschlichen Wesen ähnelt". Er nenne Berlusconi "einen Verbrecher, und das bereue ich auch nicht", schreibt Saramago und definiert daraufhin den Begriff "Verbrecher". Saramagos Fazit: Berlusconi missachte Gesetze und trete die moralischen Werte der Gesellschaft mit Füßen. Er breche nicht nur die Gesetze, sondern schaffe auch welche, die seinen eigenen Interessen dienten.

Persönlichkeiten wie Giuseppe Garibaldi oder Giuseppe Verdi hätten Italien im 19. Jahrhundert zu einem geistigen Vorbild für Europa gemacht. "Die Sache Berlusconi will diese Errungenschaften auf den Müllhaufen der Geschichte werfen. Werden die Italiener das zulassen?", zürnt Saramago. Die Bezeichnung "Verbrecher" passe auf Berlusconi "wie eine zweite Haut", so der Schriftsteller, der mit surrealistischen, stilistisch anspruchsvollen Romanen wie "Die Stadt der Blinden" Erfolge feierte und sich immer wieder politisch engagiert.

Die Madrider Zeitung "El País" hatte am Freitag als erstes Blatt in Europa fünf der von Berlusconis Luxusvilla Certosa auf Sardinien geschossenen Bilder veröffentlicht. Berlusconis Anwalt Niccolò Ghedini kündigte umgehend an, die spanische Zeitung verklagen zu wollen, weil die umstrittenen Fotos "illegal" gemacht worden seien. Berlusconi habe sie nicht erlaubt, sie verletzten seine Privatsphäre.

Der Fotograf Antonello Zappadu, der die Bilder aufgenommen hatte, sagte dem kolumbianischen Sender Caracol Radio, er fürchte den italienischen Regierungschef mehr als die Guerilla in Kolumbien. Der Italiener hatte zuvor über die Milizen in dem lateinamerikanischen Land berichtet.

bor/dpa
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