Rede der Literaturnobelpreisträgerin Ernaux Sie schreibt, um sich zu rächen

Bücher sind für sie ein »Raum der Emanzipation«, sagt Annie Ernaux in ihrer Rede zur Verleihung des Literaturnobelpreises. Und nimmt zugleich Stellung zu Antisemitismusvorwürfen: BDS-Petitionen seien »kein Verbrechen«.
Annie Ernaux: »Möchte weiterhin auf persönliche Weise schreiben«

Annie Ernaux: »Möchte weiterhin auf persönliche Weise schreiben«

Foto: FREDRIK PERSSON / AFP

Nach Unterzeichnung einer BDS-Petition war die Literaturnobelpreisträgerin Annie Ernaux vielfach in die Kritik geraten , der Zentralrat der Juden warf ihr Antisemitismus vor. Nun nahm sie bei einer Pressekonferenz in Stockholm zur Preisverleihung von politischen Themen Abstand. Es sei »kein Verbrechen, BDS-Petitionen unterschrieben zu haben«, sagte sie auf Nachfragen von Journalisten.

Für sie bedeute der Preis, dass mehr Menschen »an ihre Tür klopfen«, um ihre Meinung zu verschiedenen Themen zu hören. Dies bedeute aber nicht, dass sie sich mehr der Politik widmen werde. »Ich muss sagen, dass ich vor allem weiterhin auf persönliche Weise schreiben möchte, und nicht Petitionen«, sagte die Schriftstellerin.

In einer nachfolgenden Rede zur Preisverleihung ging die Autorin auf die Vorwürfe nicht weiter ein. Sie schreibe, um ihre »Rasse zur rächen«, so Ernaux: In ihrer Rede erzählte sie von ihrer Kindheit in einer Unterschichtenfamilie, wie sie sich durch ihr Studium hocharbeitete und als Frau und zweifache Mutter in ihrer schriftstellerischen Karriere angeblich immer wieder gegen Ungerechtigkeiten kämpfte. Die Literatur sei ein »Raum der Emanzipation«.

»Ein großer Schock«

Sie könne nicht sagen, inwieweit der Nobelpreis ihre Arbeit beeinflussen werde, sagte die französische Schriftstellerin. »Was ich mit Sicherheit sagen kann, ist, dass ich noch mehr Lust zum Schreiben habe.« Es sei ein großer Schock gewesen, die Auszeichnung zu erhalten, aber auch eine Ehre.

Die Schwedische Akademie hatte Anfang Oktober verkündet, dass Ernaux in diesem Jahr mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet wird. Die Nobelpreise werden an diesem Samstag auf feierlichen Zeremonien in Stockholm und Oslo überreicht.

isb/dpa
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