"Der Alte, der Liebesromane las" Schriftsteller Luis Sepúlveda ist tot

Er schrieb Kriminalromane, Kindergeschichten und Erzählungen - und kämpfte gegen die Pinochet-Diktatur. Jetzt ist der Autor Luis Sepúlveda mit 70 Jahren an den Folgen einer Covid-19-Erkrankung gestorben.
Luis Sepúlveda (1949-2020)

Luis Sepúlveda (1949-2020)

Foto:

Duilio Piaggesi/ imago images/ Independent Photo Agency

Er war Schriftsteller, Filmregisseur, Journalist und politischer Aktivist. Er floh vor den Militärs aus seiner chilenischen Heimat, kämpfte Seite an Seite mit Guerilleros in Mittelamerika und tauchte tief in die Kultur der indigenen Shuar im Amazonasgebiet ein. Nun ist Luis Sepúlveda tot. Der an Covid-19 erkrankte Schriftsteller sei am Donnerstag im Alter von 70 Jahren im Universitätskrankenhaus der nordspanischen Stadt Oviedo gestorben, sagte ein Krankenhausmitarbeiter. Der Autor sei einem Multiorganversagen erlegen, hieß es. Zuvor hatten spanische Medien unter Berufung auf Familienangehörige über das Ableben des Chilenen berichtet.

Der Autor war bereits vor rund eineinhalb Monaten, am 29. Februar, in das Krankenhaus gebracht worden. Er war der erste Patient, der in Asturien positiv auf das Coronavirus getestet worden war. Die meiste Zeit lag er seitdem den Angaben zufolge bewusstlos auf der Intensivstation und hatte künstlich beatmet werden müssen.

Gefängnisstrafen und Hausarrest

Sepúlveda kam 1949 in Ovalle im Norden von Chile zur Welt. Er studierte zunächst Theaterproduktion und arbeitete im Kulturministerium. Außerdem schloss er sich der chilenischen Sektion der bolivianischen Guerillaorganisation ELN an. Während dieser Zeit gehörte Sepúlveda zur Leibgarde des linken Präsidenten Salvador Allende. Nach dem Militärputsch 1973 wurde er zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt. Aufgrund des Drucks - unter anderem der deutschen Abteilung von Amnesty International - wurde seine Gefängnisstrafe in Hausarrest umgewandelt. Wenig später ging Sepúlveda in den Untergrund und wurde nach einer erneuten Festnahme zu 28 Jahren Haft verurteilt. Die Strafe wurde wiederum auf internationalen Druck hin auf acht Jahre Exil reduziert.

"Ich bin immer noch sehr dankbar für diese Großzügigkeit, die es damals in Deutschland gab"

Über Argentinien, Uruguay, Brasilien und Paraguay gelangte er schließlich nach Ecuador, wo er ein Theater führte und an einem Projekt der Unesco zum Schutz der Ureinwohner im Amazonasgebiet mitarbeitete. In Nicaragua kämpfte er in der internationalen Brigade Simón Bolivar gegen die Truppen von Diktator Anastasio Somoza. 1980 erhielt er politisches Asyl in Deutschland und lebte daraufhin mehr als zehn Jahre lang in Hamburg. Er arbeitete unter anderem für die Umweltschutzorganisation Greenpeace, als Fernfahrer auf der Strecke zwischen Hamburg und Istanbul und als Korrespondent für den SPIEGEL. Seit Mitte der Neunzigerjahre lebte Sepúlveda in Spanien.

Unterschiedliche Genres

Seine Werke gehören zu den unterschiedlichsten Genres: Er hat Kriminalromane und Kindergeschichten, Reiseberichte und Erzählungen verfasst. Sein bekanntestes Buch ist "Der Alte, der Liebesromane las" (1989), das in mehr als 50 Sprachen übersetzt und 18 Millionen Mal verkauft wurde. Darin beschreibt er den Kampf zwischen Mensch und Natur und erzählt von den gesellschaftlichen Verwerfungen, die das Eindringen der Weißen in die angestammten Lebensräume der Ureinwohner im Amazonasgebiet ausgelöst haben.

"Die Sieger schreiben ihre eigene Geschichte, wir Schriftsteller geben den Vergessenen eine Stimme"

Das Kinderbuch "Wie Kater Zorbas der kleinen Möwe das Fliegen beibrachte" wiederum ist eine Hommage an Sepúlvedas früheren Wohnort Hamburg. Es geht um Umweltverschmutzung und den Zusammenhalt der Hafenbewohner, um Freundschaft und Verantwortung.

evh/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.