Mainz feiert Gutenberg "Aus dieser Quelle ist alles entstanden"

Die Stadt Mainz ehrt einen ihrer berühmtesten Söhne: Johannes Gutenberg, Erfinder der Druckkunst. Seinen 600. Geburtstag feiert die rheinland-pfälzische Landeshauptstadt mit zahlreichen Ausstellungen, Lesungen, Symposien und Festen - und gedenkt damit der ersten Medienrevolution der Menschheit.


"Was auch immer die Welt heute ist - Gutenbergs Erfindung hat sie zu dem gemacht, mit all ihren positiven und negativen Seiten", schrieb der amerikanische Schriftsteller Mark Twain vor genau 100 Jahren: "Aus dieser Quelle ist alles entstanden."

Zeitgenössische Darstellung von Johannes Gutenberg
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Zeitgenössische Darstellung von Johannes Gutenberg

Über den Erfinder selbst ist nur wenig bekannt. Johannes Gensfleisch zur Laden, genannt Gutenberg, hat keine persönlichen Schriften hinterlassen, ja seine von ihm gedruckten Werke nicht einmal gekennzeichnet. Lediglich aus einigen Urkunden, Briefen und Gerichtsakten lässt sich sein Lebensweg rekonstruieren.

Gutenberg kam um das Jahr 1400 als Sohn von Friele Gensfleisch und Else Wirich in Mainz zur Welt. Der Vater zählte zur Oberschicht der Patrizier und war vermutlich im Tuchhandel tätig.

Auf Grund politischer Unruhen musste Gutenberg seine Heimatstadt bereits in jungen Jahren verlassen. Es gibt Hinweise darauf, dass der Patriziersohn 1418 und 1419 in Erfurt studierte. Spätestens ab 1434 hielt Gutenberg sich in Straßburg auf, wo er sich mit kapitalkräftigen Partnern zusammen tat und ein geheimnisvolles Projekt begann, das in zeitgenössischen Dokumenten als "Aventur und Kunst" bezeichnet wird.

Möglicherweise hat er in dieser Zeit mit der Entwicklung des Letterndrucks begonnen. "Aventur und Kunst" lautet auch der Titel einer seit dem 14. April in vier Mainzer Museen gezeigten Ausstellung, die neben Gutenbergs Werk auch das historische und künstlerische Umfeld des Erfinders beleuchtet.

Meisterwerk Gutenberg-Bibel

Spätestens 1448 kehrte Gutenberg in seine Heimatstadt zurück und begann mit dem Aufbau einer großen Druckerwerkstatt. Hier entstand neben Schulgrammatiken, Ablassbriefen und Kalendern bis 1455 auch die so genannte 42-zeilige Bibel, ein wegen seiner Perfektion bis heute bewundertes Meisterwerk.

Experten haben errechnet, dass allein die Herstellung des Satzes, für den rund 100.000 Bleilettern gegossen wurden, rund zwei Jahre gedauert hat. Bis zur Fertigstellung des 1282 Seiten starken Werkes in einer Auflage von 180 Stück waren nach Angaben des Mainzer Buchwissenschaftlers Stephan Füssel 230.760 Arbeitsschritte nötig.

Ein reicher Mann ist Gutenberg mit seiner Erfindung nicht geworden. Ein Prozess gegen seinen Geldgeber Johann Fust endete mit einem Vergleich, der sein Unternehmen finanziell zurückwarf. Eine Fehde zwischen dem vom Papst abgesetzten Mainzer Erzbischof Diether von Isenburg und seinem Nachfolger Adolf von Nassau führte 1462 dazu, dass Nassau die Stadt eroberte und Gutenberg und seine Mitarbeiter vertrieben wurden. Erst 1465 wurde der Erfinder der Druckkunst rehabilitiert und vom Erzbischof wegen seiner Verdienste zum Hofmann ernannt. Am 3. Februar 1468 starb Gutenberg und wird in der Mainzer Franziskanerkirche beigesetzt.

"Wir verdanken dem Bücherdruck und der Freiheit desselben undenkbares Gute und einen unübersehbaren Nutzen", schrieb Goethe in "Dichtung und Wahrheit". Mehr als 350 Jahre lang, bis zur Erfindung der Schnellpresse 1811, wurde Gutenbergs Drucktechnik fast unverändert angewandt.

Der Aufstieg des Buches zum Massenmedium, der Rückgang des Analphabetentums und die Explosion des Wissens bis zum 18. Jahrhundert mit all ihren Auswirkungen auf das wirtschaftliche, soziale und kulturelle Leben sind ohne den Buchdruck nicht denkbar. Erst mit der Entwicklung des Internets zeichnet sich in unseren Tagen eine neue Medienrevolution ab, die ähnlich wie Gutenbergs Erfindung alle Bereiche des Lebens verändern wird.



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