Literaturauszeichnung Jokha Alharthi gewinnt Man Booker International Prize

"Ein Buch, das Kopf und Herz gleichermaßen gewinnt": Für ihr Werk "Celestial Bodies" hat die omanische Autorin Jokha Alharthi den renommierten Man Booker International Prize bekommen.

Omanische Autorin Jokha Alharthi nach der Preisverleihung des Man Booker International Prize
Isabel INFANTES / AFP

Omanische Autorin Jokha Alharthi nach der Preisverleihung des Man Booker International Prize


Die omanische Autorin Jokha Alharthi hat den Literaturpreis Man Booker International 2019 gewonnen. Ausgezeichnet wurde sie für ihren Roman "Celestial Bodies" (Himmelskörper). Alharthis "kunstvolles" Werk greife "tiefgreifende Fragen von Zeit und Sterblichkeit sowie verstörende Aspekte unserer gemeinsamen Geschichte" auf, heißt es in der Mitteilung der Jury. "Ein Buch, das Kopf und Herz gleichermaßen gewinnt und es wert ist, darüber zu verweilen."

Der Man Booker International Prize zählt zu den wichtigsten Literaturpreisen Großbritanniens. Prämiert werden ausländische Werke, die ins Englische übersetzt wurden. Das Preisgeld von 50.000 Pfund (etwa 57.000 Euro) teilt sich Alharthi mit ihrer Übersetzerin Marilyn Booth.

Nominiert waren für den diesjährigen Preis in der engeren Auswahl:

  • Annie Ernaux (Frankreich), aus dem Französischen übersetzt von Alison L. Strayer: "The Years" (auf Deutsch: "Die Jahre", Suhrkamp 2017)
  • Marion Poschmann (Deutschland), aus dem Deutschen übersetzt von Jen Calleja: "The Pine Islands" (im Original: "Die Kieferninseln", Suhrkamp 2017)
  • Olga Tokarczuk (Polen), aus dem Polnischen von Antonia Lloyd-Jones: "Drive Your Plow Over The Bones Of The Dead" (auf Deutsch: "Der Gesang der Fledermäuse", Schöffling & Co 2011)
  • Juan Gabriel Vásquez (Kolumbien), aus dem Spanischen übersetzt von Anne McLean: "The Shape Of The Ruins" (auf Deutsch: "Die Gestalt der Ruinen", Schöffling & Co 2018)
  • Alia Trabucco Zerán (Chile), aus dem Spanischen übersetzt von Sophie Hughes: "The Remainder"

Mit Jokha Alharthis Roman gewann erstmals ein arabischsprachiges Werk den renommierten Preis. Alharthi sagte, ihr Sieg bedeute, dass "ein Fenster zur arabischen Literatur geöffnet wurde". "Celestial Bodies" ist der erste Roman einer Autorin aus dem Oman, der ins Englische übersetzt wurde.

Alharthis Werk setzt sich mit der Geschichte der Sklaverei im Oman auseinander, die in dem Land erst 1970 abgeschafft wurde. Sie wird anhand der Erinnerungen dreier betagter omanischer Schwestern an Familienbande und Schicksale erzählt, verknüpft mit der postkolonialen Geschichte des Landes im Süden der arabischen Halbinsel. Sklaverei sei ein sensibles Thema und eine Art Tabu, sagte Alharthi bei der Preisverleihung in London. "Aber ich denke, Literatur ist die beste Plattform, um sensible Themen zu diskutieren. Und Sklaverei gibt es nicht nur in Oman - sie ist Teil der menschlichen Geschichte."

Der Man Booker International Prize wird seit 2016 nach dem Vorbild des Man Booker Prize für englischsprachige Originaltitel nach Vorauswahlen (Longlist und Shortlist) für ein einzelnes literarisches Prosawerk verliehen, das ins Englische übersetzt wurde. Vor 2016 wurde er für das Lebenswerk vergeben.

mal/AP/dpa



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roenga 22.05.2019
1.
Es waren also 6 Frauen und 1 Mann nominiert. Man stelle sich mal die Reaktion vor, wenn die Geschlechterverteilung umgekehrt gewesen wäre und einer der Männer gewonnen hätte. Das hätte zu vielen lustigen Artikeln über die Macht des Patriarchats geführt, aber so ist ja dann alles in Ordnung (Frau, nicht weiß, Muslimin...). Damit ist erst mal Ruhe an der journalistischen Geschlechterfront, bis der nächste 'alte weiße Mann' irgend etwas gewinnt...
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