Martin Walser "Der 11. September erinnert mich an Hiroschima"

Der Schriftsteller und Friedenspreisträger Martin Walser fühlt sich durch die Attentate auf die USA an den Atombomben-Abwurf auf Hiroschima erinnert. Beide Ereignisse hätten sein Leben tiefgreifend beeinflusst.


"Was ist Gut und was ist Böse?" - Schriftsteller Martin Walser beschäftigt sich mit den Anschlägen auf Amerika
DPA

"Was ist Gut und was ist Böse?" - Schriftsteller Martin Walser beschäftigt sich mit den Anschlägen auf Amerika

Frankfurt am Main - In Hiroschima seien zwar viel mehr Menschen ums Leben gekommen als in New York, doch die Opfer seien auch damals Zivilisten gewesen, sagte Walser auf der Frankfurter Buchmesse. "Lauter einfache Menschen, die mit ihrem Tod nicht rechnen mussten." Der Atombomben-Abwurf im Jahr 1945 habe damals sein ganzes Weltbild verändert: "Der Krieg war gerade zu Ende, damals war ich 18 und wollte leben! Und wenn 180.000 Menschen in einer Minute umgebracht werden können, kann man nicht mehr so weiterleben wie bisher."

Er habe sich damals "wahnsinnig wehren" wollen dagegen, dass diese "größtmögliche historische Scheußlichkeit" sein Leben so stark beeinträchtigte. Nach den Attentaten des 11. Septembers habe er diese Energie nicht mehr, sagte der 74-Jährige. "1945 habe ich mich nicht gefragt: Was ist gut und was ist böse? Ich habe damals keine moralische Dimension in diesem Geschehen gesehen. Ich habe nur die Furchtbarkeit des Todes von so vielen Menschen erlebt."

Die Anschläge auf die USA beschäftigten hingegen "unser aller Begriffe von Gut und Böse", sagte der Friedenspreisträger des Deutschen Buchhandels weiter. Er selbst könne "nicht aufhören zu fragen: Wie kommt so etwas zu Stande?" Das Thema sei für ihn so "aktualisiert", dass nicht abzusehen sei, "wie es sich in mir je wieder beruhigt".



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