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Mash-Up-Bestseller: Eheversprechen und Leichenschmaus

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Mash-up-Bestseller Eheversprechen und Leichenschmaus

Darauf muss man erst einmal kommen: Der Amerikaner Seth Grahame-Smith hat Jane Austens Klassiker "Stolz und Vorurteil" in ein Zombie-Abenteuer umgeschrieben - und einen Bestseller gelandet. An seinem Erfolgsrezept versuchen sich nun auch andere Autoren.

Wahrscheinlich gibt es Legionen von Teenagern, die auf Rache an der Hochliteratur sinnen: Jungs und sicher auch Mädchen, die sich in der Schule durch verstaubte Schinken der Literaturgeschichte quälen müssen.

Jane Austens

Seth Grahame-Smith, 34, war einst einer von ihnen. Als er 14 war, schlug er sich mit Klassiker "Stolz und Vorurteil" herum: "Ich empfand ihn als langsam und freudlos", sagt der Amerikaner. Mittlerweile verdient er seinen Lebensunterhalt als Drehbuchautor - und nimmt sehr amüsant Rache an Austen.

"Stolz und Vorurteil und Zombies" heißt das irrwitzige Buch, das er zu verantworten hat. Es enthält genau das, was der Titel verspricht: den berühmten britischen Entwicklungsroman als Zombie-Abenteuer. Während die Hauptfiguren Elisabeth Bennet und Fitzwilliam Darcy sich im Original nur mit Eheversprechen, Mitgift und Standesdünkeln herumschlagen, macht Grahame-Smith aus ihnen Kämpfer, die sich gegen Heere marodierender Untoter zur Wehr setzen müssen. Trash und Klassik lässt er herrlich zusammenfließen, baut seine Zombies ein, ohne Sprache, Ton und Struktur des Originals zu zerstören. Auf dem Buchtitel stehen folgerichtig zwei Autorennamen: Seth Grahame-Smith und Jane Austen.

Eine Provokation für Literatur-Puristen

In Austens Original steht dieser Einstiegssatz: "Es ist eine allgemein anerkannte Wahrheit, daß ein alleinstehender Mann, der ein beträchtliches Vermögen besitzt, einer Frau bedarf." Grahame-Smith macht daraus: "Es ist eine allseits anerkannte Wahrheit, dass es einem Untoten, der im Besitz von Gehirn ist, nur nach einem verlangt: mehr Gehirn." Wer an solchem Quatsch Spaß hat, wird das Buch lieben. Literatur-Puristen werden vor Abscheu erzittern.

Dabei ist die sogenannte Mash-up-Technik in der Pop-Kultur seit langem anerkannt: als Kunst, bereits Bestehendes zu etwas Neuem zu kombinieren. In der Popmusik kam sie Mitte der neunziger Jahre in Mode, als gewitzte Amateure und DJs Lieder verschiedener Interpreten meist am Computer zu "Bastard Pop"-Collagen zusammenmischten. In der Literatur machte William S. Burroughs die sogenannte Cut-up-Technik berühmt.

Mit seinem Jane-Austen-Zombie-Buch landete Grahame-Smith nun einen Bestseller, der in den USA so einschlug, dass dort bereits zahlreiche ähnlich bizarre Mash-up-Bücher zu haben sind, etwa "Sense and Sensibility and Seamonsters" und "Android Karenina".

Zur Beruhigung aller Kulturpessimisten: Aus den USA wird auch eine deutlich gesteigerte Nachfrage nach Jane Austens Originalroman vermeldet.

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