Nach Gründung von Konkurrenzorganisiation Interimspräsidentin des PEN-Zentrums Deutschland tritt zurück

Sie wollte nach dem Krach mit Deniz Yücel beim PEN Deutschland ausgleichen. Doch nun hat Maxi Obexer ihren Interimsvorsitz niedergelegt. Nach der Gründung des konkurrierenden PEN Berlin will sie »aus der Schusslinie«.
Schriftstellerin Obexer: »Ich will mich keinem Lager zuordnen«

Schriftstellerin Obexer: »Ich will mich keinem Lager zuordnen«

Foto: Gezett / ullstein bild

Ein weiterer Rücktritt bei der krisengeschüttelten Schriftstellervereinigung PEN-Zentrum Deutschland: Die Autorin Maxi Obexer, die gemeinsam mit Josef Haslinger nach der turbulenten Jahrestagung in Gotha interimistisch den Vorsitz der deutschen Sektion der internationalen Organisation übernommen hatte, ist von ihrem Amt als Interimspräsidentin zurückgetreten. »Für den essentiell wichtigen Neuanfang zu sorgen«, so Obexer in einem Brief an die PEN-Mitglieder, der dem SPIEGEL vorliegt, sei »zurzeit nicht durchführbar«.

Bei der Tagung in Gotha Mitte Mai war der bisherige Präsident des PEN-Zentrums, Deniz Yücel, zwar knapp im Amt bestätigt, aber von Teilen der Mitglieder scharf angegriffen worden. Nachdem ein Präsidiumskollege abgewählt wurde, trat Yücel zurück und bezeichnete die Organisation als »Bratwurstbude«. Bis zu einer regulären Neuwahl des Vorstands übernahmen der ehemalige PEN-Präsident Haslinger und eben Obexer das Amt. In einem SPIEGEL-Interview  kündigte die Theaterautorin an, sich um »Aussöhnung« und eine »andere Gesprächskultur« zu bemühen, um die deutsche PEN-Sektion zu erneuern.

Doch am 10. Juni änderten sich die Verhältnisse grundlegend: Im Literaturhaus der Hauptstadt gründete sich der PEN Berlin, eine neue Schriftstellervereinigung, die ebenfalls die Aufnahme in die internationale Organisation anstrebt. Als Sprecher eines neunköpfigen Boards an der Spitze des PEN Berlin fungieren Eva Menasse – und Deniz Yücel.

Diese Neugründung hat offenbar zu Maxi Obexers Rückzug aus dem Vorstand des »alten« PEN beigetragen: »Von Anfang an waren wir im Vorstand unter Beschuss«, heißt es in ihrem Rücktrittsschreiben. Von außen habe man »buchstäblich zu diktieren versucht, wie wir es zu machen hätten«. Seit der Gründung des PEN Berlin seien die Kämpfe erneut aufgeflammt: »Die Feindseligkeiten, die Verhärtungen, die Verunglimpfungen. Das Denken in Lagern. Es herrscht noch immer Krieg in den Köpfen vieler.«

Obexer schreibt, sie wolle sich keinem Lager zuordnen. An beiden Orten sehe sie Menschen, deren Geist und Einsatz sie schätze. Mit ihrem Rückzug ziehe sie sich aus der Schusslinie. Er richte sich nicht gegen den aktuellen Vorstand und solle nicht zum Austritt aus dem PEN-Zentrum Deutschland motivieren: »Im Gegenteil. Es braucht die Vernünftigen, die sich baldmöglichst finden und zusammenarbeiten.«

Weiterhin will sich Maxi Obexer für ein unabhängiges Gremium zur Aufarbeitung der Mitgliederversammlung in Gotha stark machen. Aber vor allem will sie »die Perspektive auf die Unterstützung von bedrohten und verfolgten Autor:innen« richten. Dieses Ziel haben beide PEN-Organisationen gemeinsam – allerdings ist offen, ob und in welcher Form sie dabei in Zukunft von der öffentlichen Hand finanziert werden.

Obexers Interimsvorstandskollege Josef Haslinger sagte der »Süddeutschen Zeitung«, die zuerst darüber berichtet hatte , dass er den Rücktritt bedauere. Obexer sei für ihn eine ideale Besetzung gewesen. Das Lagerdenken aber habe ihm und Maxi Obexer sehr zugesetzt. Langfristig müsse sich der alte PEN mit dem neuen arrangieren. Maxi Obexer will jedenfalls weiterhin Mitglied des PEN-Zentrums Deutschland bleiben.

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