Philosophie für Jogger Schnell im Kopf

"Die Philosophie des Laufens" versorgt Sportler mit Stoff für unterwegs: Leichtere und härtere Trainingseinheiten für den Geist.

Sportliches Paar: Nachdenken über den Unterschied zwischen Joggen und Laufen
Corbis

Sportliches Paar: Nachdenken über den Unterschied zwischen Joggen und Laufen


"Laufen schafft Raum und Zeit zum Nachdenken", predigt Amby Burfoot, einst Gewinner des Boston-Marathons und Chefredakteur der Zeitschrift "Runner's World". Bloß: worüber? So eine Zehn-Kilometer-Runde im Park kann ganz schön lang werden, je nach Fitnessgrad. Die Aufsatzsammlung "Die Philosophie des Laufens" versorgt den Kopf mit Stoff für unterwegs. Sportlernahrung. Und sie sieht dabei auch noch gut aus, ganz anders als die meisten Läufer in ihrer Funktionskleidung.

Das Buch beginnt zwar wie ein Langstreckenlauf: etwas müde. Aber nach einer langen Aufwärmphase, zu der drei Einleitungstexte gehören (einer von Amby Burfoot), kommt sie in Schwung: Michael W. Austin ordnet Trainingskameraden in Aristoteles' Philosophie der Freundschaft ein, Chris Kelly philosophiert über den Schmerz des Läufers, und Raymond J. Vanarragon denkt über die Unterschiede zwischen Läufern und Joggern nach. Austin, Kelly und Vanarragon sind Philosophen und lehren an US-Hochschulen, so wie die meisten Autoren des Bandes.

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  • Michael W. Austin, Peter Reichenbach (beide Hrsg.):
    Die Philosophie des Laufens

    Aus dem Englischen von Roberta Schneider, Peter Reichenbach und anderen.

    mairisch Verlag
    208 Seiten; 18,90 Euro.

  • Bei Amazon bestellen.
  • Kindle Edition: 9,99 Euro
Für die deutsche Ausgabe hat der Mairisch Verlag ihnen einige deutsche Autoren zur Seite gestellt, darunter den Performancekünstler Armin Chodzinski sowie den Schriftsteller und Literaturkritiker Jan Drees, der über 800 Meter einst Junioren-Europacupsieger war.

"Die Philosophie des Laufens" hält Trainingseinheiten bereit, die recht lasch sind, und andere, die den Leser und seinen Kopf fordern. Zu ihnen gehört der Essay des Erziehungswissenschaftlers Christopher Martin, der das Laufen als ästhetische Erfahrung betrachtet, die die Trennung von Subjekt und Umwelt aufhebt. Wer draußen laufe, also nicht auf einem Laufband, der sei in ständiger Verbindung mit dem Gelände, durch das er sich bewege, schreibt Martin. "Läufer versuchen nicht, Herr über ihre Umwelt zu werden, sondern werden zu einem Teil von ihr."

Der beste Text des Buches aber ist sympathischerweise jener, der allen Trainingsplänen den Laufpass erteilt: Der Journalist Maximilian Probst geißelt den Marathon als Königsdisziplin der modernen Selbstoptimierung. Anders als bei Sportspielen wie Tennis spielten Zufall und Glück keine Rolle. "Laufend betritt man heute den Raum reiner Leistung."

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