Michel Fabers "The Book of Strange New Things" Am Ende der Galaxie

Folge dem Alienpriester in die düstersten Winkel seiner Seele: Michel Fabers überwältigender Roman ist manchmal kaum auszuhalten - und ein selten intensives Leseerlebnis.

Autor Michel Faber: Zeigt wie nebenbei das Wunder des menschlichen Lebens
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Autor Michel Faber: Zeigt wie nebenbei das Wunder des menschlichen Lebens


"Lies es! Das beste Buch mit Außerirdischen, das ich je gelesen habe. Aber wenn es dir nicht gefällt, sag bitte nichts", schrieb eine Freundin per SMS. Sie würde das Buch lieben, schrieb sie. Und sie wollte offenbar auf keinen Fall, dass ich es ihr zerrede.

Sie hat Recht: "The Book of Strange New Things" von Michel Faber ist absolut außergewöhnlich und liebenswert, ja fast schon liebesbedürftig. Es erzählt die Geschichte eines Priesters, der von einem gesichtslosen Konzern ans andere Ende der Galaxie geschickt wird, um dort Außerirdische zu bekehren, damit diese sich weiter ausbeuten lassen. Seine Frau bleibt derweil allein in der verlassenen Gemeinde auf der Erde zurück. Kommunizieren können die beiden nur über ein Nachrichtensystem, dessen Botschaften auf ihrem langen Weg durch die schwarze Kälte des Alls ihre menschliche Wärme mehr und mehr zu verlieren scheinen.

Mit wieviel Lebensklugheit Michel Faber sich in die Psyche seiner Figuren versetzt, ist fast schon beängstigend. Weil der Autor uns so unverschämt tief in den Kopf des Protagonisten schauen lässt. Und weil er uns miterleben lässt, wie der Priester versucht, mit Hilfe von nichts als seinem Glauben Kontakt zu einer ganz und gar fremdartig agierenden Alienrasse aufzunehmen.

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Wie nebenbei zeigt Faber uns dabei das wahre Wunder des menschlichen Lebens. Um bis dorthin vorzustoßen, muss der Leser allerdings bereit sein, dem Alienpriester in die düstersten Winkel seiner Seele zu folgen. Das ist besonders in der zweiten Hälfte des Romans mitunter kaum auszuhalten. In diesem Buch erfährt man eine riesige Dimension von Trauer, die wieder und wieder an den Grenzen des Wahnsinns entlangwankt und manchmal ohne Vorwarnung einen Satz mitten hinein macht.

Es ist verführerisch, diesen Roman in all seinen klugen Details zu würdigen. Doch dem Buch täte es nicht gut, wenn der zuvor Leser zu viel über die emotionale Pilgerreise des Protagonisten weiß.

Aber es hilft, zu wissen, dass Fabers Frau langsam an Krebs starb, während er dieses Buch schrieb. Und dass ihr Leben endete, während er die letzten Änderungen an seinem Manuskript machte. Damit ist die unglaublich wilde, kaum erträgliche, düstere Trauer nachvollziehbar, die langsam in dem Roman aufzieht und ihn am Ende ganz und gar durchdringt.

Ein Buch, das geliebt werden will - und sollte.

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