"Spitzentitel"-Talk Was Monika Maron gegen das Gendern hat

Der neue SPIEGEL-Literaturtalk "Spitzentitel" ist gestartet, erster Gast war die Autorin Monika Maron. Sie lehnt es ab, eine gendergerechte Sprache zu verordnen - auch, weil sie das an die DDR erinnert.
Monika Maron mit Volker Weidermann bei der Premiere des neuen SPIEGEL-Talks "Spitzentitel"

Monika Maron mit Volker Weidermann bei der Premiere des neuen SPIEGEL-Talks "Spitzentitel"

Foto: DER SPIEGEL

Man habe sich nie an den Begriff "antifaschistischer Schutzwall" gewöhnt, sagt Monika Maron. Das sei immer "die Mauer" gewesen. Sprache, so ihre Schlussfolgerung, lässt sich nicht von oben verordnen. So sei das auch mit dem Gendern, findet die Autorin. "Mich regt auf, wenn Sprache administriert wird", sagte Maron im neuen SPIEGEL-Literaturtalk "Spitzentitel" zu Gastgeber Volker Weidermann.

Bei gegenderter Sprache käme zum Teil falsches Deutsch heraus oder eines, das man so nicht sprechen könne, meint Maron. Es rege sie auf, wenn Sprachregelungen wie gendergerechte Formulierungen von Behörden, Medien und Unis verordnet würden.

"Ich denke, dass die Mannfindung des neuen Mannes noch nicht beendet ist. Er wird sich seiner Männlichkeit wieder besinnen."

In der Sendung sprach die 79-jährige Schriftstellerin über ihren neuen Roman "Artur Lanz", in dem sie sich mit der postheroischen Gesellschaft auseinandersetzt. Darin lässt sie eine Lektorin im Ruhestand sich an einem Zeitalter ohne Helden reiben.

Sie täten ihr leid, die "schmalen Jungs", die heute in den Medien präsentiert würden, sagte Maron im Gespräch mit Weidermann. Männer seien aus ihrer Ernährerrolle gestoßen worden, es kursiere geradezu ein Hass auf sie, den sie entsetzlich finde. "Ich denke, dass die Mannfindung des neuen Mannes noch nicht beendet ist. Er wird sich seiner Männlichkeit wieder besinnen", so Maron.

"Eine Gesellschaft, die sich nicht verteidigen will, geht unter."

Wir lebten in einer Welt, die nicht besonders friedlich sei, die Kriege um uns herum berührten uns, sagte Maron. Wenn man glaube, unantastbar zu sein, und sich nicht darauf einstelle, wehrhaft sein zu müssen, stimme etwas nicht. "Eine Gesellschaft, die sich nicht verteidigen will, geht unter, das ist doch klar", sagt die Islamkritikerin.

Ein Band mit Essays von Maron waren im Frühjahr in der "Exil"-Reihe des Dresdner Buchhauses Loschwitz von Susanne Dagen erschienen. Die Buchreihe wird unter anderem über den Antaios-Verlag des neurechten Götz Kubitschek vertrieben, dessen "Institut für Staatspolitik" vom Verfassungsschutz beobachtet wird.

Dass ihre Texte unter dem Schlagwort "Exil" erschienen seien, finde er nicht korrekt, sagte Weidermann. Denn der Begriff treffe auf sie nicht zu, sondern etwa auf Jüdinnen und Juden sowie Künstlerinnen und Künstler, die vor dem NS-Regime geflohen seien. Darüber sei sie auch nicht glücklich, sagte Maron. Dagen habe ihr gegenüber den Reihentitel als "Exil aus dem Geschwätz in die Welt der Kunst" erklärt.

Populär wurde Maron 1981 mit ihrem Debüt "Flugasche" über die Umweltzerstörung in Ostdeutschland. Nachdem das Buch im Westen veröffentlicht wurde, geriet sie zunehmend unter Druck. Viele ihrer Romane handeln von Menschen in der DDR oder zur Wende­zeit, die sich gegen gesell­schaftlichen Anpassungs­druck auflehnen. Die preisgekrönte Autorin fällt seit einigen Jahren als politisch rechts auf. 

Volker Weidermann präsentiert immer donnerstags um 14.30 Uhr seine Büchershow "Spitzentitel". Die Sendung ist eine Mischung aus Talk und Magazin. Premierengast war neben der Schriftstellerin Monika Maron auch die Boxerin Zeina Nassar, deren autobiografisches Buch "Dream Big" im September erscheint. Am kommenden Donnerstag empfängt Weidermann Mely Kiyak ("Frausein") und David Grossman ("Was Nina wusste").

evh
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