Nahost-Satire Aufruhr in Gaudi-Arabien

In seinem neuen Roman "Florence von Arabien" schickt der US-Satiriker Christopher Buckley eine Forscherin im Auftrag der CIA auf die arabische Halbinsel. Ihre Mission: die Befreiung der Frauen mithilfe eines subversiven TV-Senders.

Von Yassin Musharbash


Kennen Sie Matar und Wasabien? Nie gehört? Dann wird es höchste Zeit, dass Sie Wasabi-Arabien, besuchen, diese riesige, ölreiche Wüstenmonarchie im Nahen Osten. Sie wird regiert von einer dekadenten Königsfamilie, die mit religiösen Fanatikern ein unheiliges Bündnis eingegangen ist, weshalb "eine Google-Suche mit den Stichwörtern 'Wasabien' und 'Dolce Vita' null Treffer" bringt.

Autor Buckley: CNN goes Satire
Zweitausendeins

Autor Buckley: CNN goes Satire

Matar wiederum ist "die Schweiz des Nahen Ostens" - ein benachbartes, winziges Scheichtum, eine Laune britischer Kolonialpolitik, mit einem schmierigen Emir an der Spitze. Aber immerhin dürfen die Frauen in Matar machen, was sie wollen. In Wasabien werden sie hingegen ständig ausgepeitscht. Man muss kein Arabist sein, um zu merken, dass in Wahrheit von Katar und Saudi-Arabien die Rede ist.

Die beiden Staaten hat sich der amerikanische Schriftsteller Christopher Buckley ausgedacht. In seinem neuen Buch "Florence von Arabien" lässt er die - natürlich bildhübsche und fünfsprachige - Titelheldin Florence Farfaletti, eine Arabistin im Dienste des US-Außenministeriums, das Verhältnis zwischen den beiden Phantasiereichen nachhaltig erschüttern. Im Laufe dieser Geschichte gibt es Blut und Liebe, Sex und Leichen, explodierende Kamele und eine von Frauen gestartete Revolution - sowie jede Menge Klischees und gute Gags. Aber eins nach dem anderen.

Emanzipation auf Knopfdruck

Zunächst einmal stellt Buckley nämlich klar: Das Abenteuer von Florence von Arabien ist gar keine Heldengeschichte. Es ist eine Satire auf die US-Außenpolitik im Nahen Osten, deren Kernüberzeugung er mit den folgenden Worten zusammenfasst: "Gemeinsam können wir eine bessere Welt schaffen, aber wahrscheinlich müssen wir dabei viele von euch umbringen."

Florence wird Teil dieser US-Politik, weil sie im Ministerium ein Handlungskonzept vorlegt: "Frauenemanzipation als Mittel zum Erreichen langfristiger politischer Stabilität im Nahen Osten". Natürlich will niemand etwas davon wissen; die Sache ist zu heiß, man versucht, Florence in die Südsee zu entsorgen. Aber ein zwielichtiger Geheimagent setzt den Plan trotzdem in Gang - offensichtlich mit Anweisungen von "ganz oben" und mit Florence in der Hauptrolle: Sie soll mithilfe eines subversiven TV-Senders von Matar aus die Frauen in Wasabien und der gesamten Region zur Emanzipationsrevolte aufstacheln.

Buckley-Buch "Florence von Arabien": Kritik und Klamauk

Buckley-Buch "Florence von Arabien": Kritik und Klamauk

"TV Matar" sendet fortan Unerhörtes: In der Sendung "Chez Azad" stolpert eine verschleierte Frau beständig, nur um Strapse zeigen zu können. Und in einer auf das Nachbarland gemünzten Sitcom machen sich geistig unterbemittelte Religionspolizisten zum Narren. Die matarischen Frauen sind begeistert, in Wasabien kommt es zu Unruhen. Es kommt, wie es kommen muss: Mit Hilfe schleimiger französischer Agenten stürzen die Wasabis den Emir von Matar und setzen seinen plötzlich sittenstrengen Bruder ein. Die Konterrevolution bleibt nur deshalb unvollständig, weil Florence ihr TV-Programm als Piratensender weiter betreibt. Natürlich landet sie am Ende dennoch in einem Verließ. Aber dann explodiert ein Kamel und die Dinge nehmen eine neue Wendung...

Satire oder Schmiere?

Ganz klar: Buckley hat viel komisches Talent, geschickt kondensiert er Kritik und Klamauk zu treffsicheren Pointen. Etwa, wenn es über die wasabische Luftwaffe heißt, dass ein einziger israelischer Pilot sie problemlos vernichten könnte und dabei noch eine Hand frei hätte, um seinen Bagel zu halten. Gleich im Dutzend spießt der mit scharfsinnigen Gesellschaftspossen berühmt gewordene Buckley ("Gott ist mein Broker") die kulturellen und politischen Ungereimtheiten des Nahen Ostens auf. Aber worüber lacht man eigentlich wirklich? Letzten Endes amüsiert man sich über dekadente Araber, arrogante Franzosen, Haudrauf-Amerikaner und noch mehr dekadente Araber.

"Die Überzeugungen, die eine Satire angreift, sollten jedoch die eigenen sein", kritisierte vollkommen zu Recht der Rezensent der "New York Times". Genau aus diesem Grund ist die Geschichte vom Aufruhr in Gaudi-Arabien auch gar keine Satire, sondern bloß ein überzeichnetes Panorama des Nahen Ostens und der US-Politik. Kennen Sie Wasabien und Matar? Nie gehört? Macht nichts. Gucken Sie einfach CNN. Wenn Sie allerdings eine lustig-absurde Agentinnenstory lesen und sich einmal ausmalen wollen, womit man Islamisten zur Weißglut bringen könnte, dann kaufen Sie dieses Buch.


Christopher Buckley: "Florence von Arabien". Haffmanns bei Zweitausendeins, 352 Seiten, 15,90 Euro



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