Deutsch-österreichische Autorin Nava Ebrahimi gewinnt Bachmannpreis

Mit einem Text über die Fluchtgeschichte eines schwulen Tänzers setzt sich Nava Ebrahimi beim Bachmannpreis durch. Die Autorin zeige die Freiräume auf, die Literatur schaffen könne, lobte die Jury.
Nava Ebrahimi

Nava Ebrahimi

Foto: Clara Wildberger / dpa

Der mit 25.000 Euro dotierte Bachmannpreis für deutschsprachige Literatur geht an die in Iran geborene, in Deutschland aufgewachsene und in Österreich lebende Autorin Nava Ebrahimi. Sie sei eine der spannendsten Stimmen der Gegenwartsliteratur, hieß es vonseiten der Jury. Der komplizierte und schwierige Text »Der Cousin« über die Fluchtgeschichte eines schwulen Tänzers behandle auch eine der aktuellen Kernfragen, nämlich wie viel Show es brauche, damit Botschaften überhaupt noch wahrgenommen würden.

Der von der Stadt Klagenfurt verliehene Preis erinnert an die österreichische Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (1926-1973). Vierzehn Autorinnen und Autoren haben an dem Wettlesen teilgenommen, darunter sieben aus Deutschland.

Ebrahimi studierte Journalismus und Volkswirtschaftslehre in Köln und arbeitete als Redakteurin bei der »Financial Times Deutschland« sowie der »Kölner Stadtrevue«. Für ihren Debütroman »Sechzehn Wörter« wurde sie 2017 mit dem Österreichischen Buchpreis sowie dem Morgenstern-Preis ausgezeichnet. 2020 erschien ihr zweites Buch »Das Paradies meines Nachbarn«. Seit 2012 lebt Ebrahimi mit ihrer Familie in Graz.

»In kulturellen Überlappungsbereichen«

In seiner Laudatio sagte Juror Klaus Kastberger, der Ebrahimi auch in den Wettbewerb eingeladen hatte, der Text von Klagenfurt sei der komplexeste, den er von der Autorin kenne. Sie zeige, was es bedeutet, in kulturellen Überlappungsbereichen zu schreiben – in Iran geboren, in Deutschland aufgewachsen, lebt in Graz, das sage sich so leicht. Die Literatur biete Möglichkeiten, die in Gesellschaften nicht so ohne Weiteres möglich seien, gebe Raum, auch von persönlichem Leid zu berichten.

Für die Preisfindungen waren in diesem Jahr gleich mehrere Stichwahlen nötig: So setzte sich Ebrahimi in einer Stichwahl gegen Dana Vowinckel durch, ebenso musste mehrfach abgestimmt werden, bis sich Necati Öziri beim KELAG-Preis und Timon Karl Kaleyta beim 3sat-Preis durchgesetzt hatten. Öziri gewann zugleich den Publikumspreis.

Hier finden Sie das Video zu Ebrahimis Lesung von »Der Cousin«  und die anschließende Diskussion der Jury dazu.

hpi/dpa
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