Ägyptische Frauenrechtlerin Nawal al-Saadawi gestorben

Sie war die bekannteste Feministin Ägyptens, mehrere ihrer Bücher standen in arabischen Ländern auf dem Index, weil sie an Tabuthemen rührten. Nun ist Nawal al-Saadawi gestorben, sie wurde 89 Jahre alt.
Nawal al-Saadawi im Mai 2009: »Großmutter der ägyptischen Frauenbewegung«

Nawal al-Saadawi im Mai 2009: »Großmutter der ägyptischen Frauenbewegung«

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Sie gilt als »Großmutter der ägyptischen Frauenbewegung«, kämpfte gegen das Patriarchat in den arabischen Staaten und gegen die Polygamie, gegen die Verschleierung von Frauen, Ungleichheiten im islamischen Erbrecht und gegen die Genitalverstümmelung bei Frauen: Die ägyptische Frauenrechtlerin und Schriftstellerin Nawal al-Saadawi ist tot. Das teilte das ägyptische Kulturministerium am Sonntag mit. Lokalen Medienberichten zufolge starb sie am Samstag infolge nicht näher bezeichneter gesundheitlicher Probleme.

Al-Saadawi veröffentlichte im Laufe der Jahre rund 50 Schriften, die in 30 Sprachen übersetzt wurden. Mehrere ihrer Bücher wurden in Ägypten und anderen arabischen Ländern verboten, da sie sich mit vermeintlichen Tabuthemen Sex, Religion und Frauenrechte befassten. Auf Deutsch sind unter anderem »Ich spucke auf euch. Bericht einer Frau am Punkt Null« (1994) und »Fundamentalismus gegen Frauen« (2002) erschienen. Sie wurde auch als Anwärterin auf den Literaturnobelpreis gehandelt.

Die Autorin und Psychologin hatte eigenen Aussagen nach auch Morddrohungen erhalten. Islamisten warfen ihr vor, vom Glauben abgefallen zu sein. 1981 war sie zwei Monate in Haft. 1993 wanderte sie daher in die USA aus. 2005 kehrte sie nach Ägypten zurück.

Mit dem Sturz von Ägyptens Diktator Husni Mubarak im Jahr 2012 bekam auch die Frauenbewegung Auftrieb. Damals stand auch al-Saadawi immer wieder zusammen mit den jungen Leuten am Tahrir-Platz und protestierte. Im Gespräch mit dem SPIEGEL forderte sie säkulare Gesetze. Religionen wie das Christentum und der Islam mit ihren patriarchalen Strukturen dienten schlicht dem Zweck, Frauen zu kontrollieren und für die Interessen der Männer auszunutzen. »In islamischen Ländern zeigt sich die Unterdrückung an materiellen Dingen wie etwa dem Kopftuch, im Westen ist sie eher psychologischer Art«, sagte al-Saadawi. Seit ihrer Kindheit habe sie vom Aufstand gegen das Regime geträumt.

Nawal al-Saadawi hinterlässt einen Sohn und eine Tochter. Sie wurde 89 Jahre alt.

sak/dpa/AFP/Reuters
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